Beschwerden durch Getreide

Manche Menschen vertragen keine Getreideprodukte, leiden aber weder an Zöliakie noch an Weizenallergie. Was dahinterstecken könnte.

Frau hält einen Bagel in der Hand © Thinkstock
(Düsseldorf – 23.11.2015) Viele Menschen klagen über eine Unverträglichkeit auf Getreideprodukte. Doch nicht immer verbirgt sich dahinter eine Glutenintoleranz – und nicht jede vermeintliche Glutenintoleranz ist auf Gluten zurückzuführen. Eine Expertin erklärt, was es mit der Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität – kurz NZNWWS – auf sich hat.

Ursache für vermehrte Beschwerden nicht genau bekannt

Warum immer mehr Menschen nach dem Verzehr von Getreideprodukten über Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung klagen, ist nicht genau bekannt. „Als mögliche Ursache wird zum einen die Hochzüchtung der modernen Getreidesorten diskutiert, die mit einem erhöhten Gehalt von Gluten und anderen Substanzen verbunden ist“, sagt Prof. Dr. Yurdagül Zopf, Expertin für klinische und experimentelle Ernährungsmedizin am Universitätsklinikum Erlangen. Aber auch das zunehmende öffentliche Interesse an einer glutenfreien Ernährung dürfte die Aufmerksamkeit auf eine Erkrankung gelenkt haben, die medizinisch nur schwer fassbar ist.

Symptome ähneln denen einer Zöliakie oder Weizenallergie

Die Symptome ähneln sehr denen einer Zöliakie oder einer Weizenallergie, den beiden anderen Formen einer Getreideunverträglichkeit. Anders als bei der Zöliakie, die oft im Kindesalter beginnt, finden die Ärzte bei Menschen mit NZNWWS bei einer Darmspiegelung keine Veränderungen der Dünndarmschleimhaut. Und die Antikörper im Blut, die auf eine Weizenallergie hinweisen, fehlen ebenfalls. Der einzige diagnostische Hinweis sind die Beschwerden, die innerhalb von wenigen Stunden nach dem Verzehr von glutenhaltigen Lebensmitteln auftreten und sich unter Einhalten einer glutenfreien Diät innerhalb weniger Tage und Wochen wieder bessern. „Eine Zöliakie entwickelt sich dagegen meistens langsam“, erklärt Zopf. „Zur Besserung kommt es erst, wenn sich die Darmschleimhaut erholt hat.“

Ursache könnten auch andere Mehlbestandteile als Gluten sein

Dass tatsächlich das Klebereiweiß Gluten der alleinige Auslöser ist, wird laut der Expertin von der Wissenschaft zunehmend bezweifelt. „Weizenmehl enthält noch andere Bestandteile, die bei empfindlichen Menschen Beschwerden verursachen können“, so Zopf. Zu den verdächtigen Substanzen zählen Amylase-Trypsin-Inhibitoren. „Diese Proteine, mit denen Pflanzen Schädlinge abwehren, kommen vor allem in den modernen und hochgezüchteten Getreidesorten vor.“ Der menschliche Darm könne Amylase-Trypsin-Inhibitoren nicht abbauen. Bei einem Kontakt mit der Schleimhaut komme es kurzfristig zur Aktivierung des Immunsystems.  

Weizenmehle enthalten auch eine Reihe von Kohlenhydraten, die als FODMAP – fermentierbare Oligo-, Di-, Monosaccharide und Polyole – zusammengefasst werden. „FODMAPs werden vom Darm nicht resorbiert. Beim Fermentieren entstehen Gase und die Bindung von Wasser kann eine abführende Wirkung haben“, sagt Zopf. „Dies erklärt plausibel die von den Patienten beschriebenen Blähungen und Durchfälle.“

Noch keine Therapie gefunden

Da die Forschung nicht sicher ist, welche Bestandteile des Mehls für die Überempfindlichkeit verantwortlich sind, wird der Begriff Glutenintoleranz gemieden. Deshalb die Bezeichnung Nicht-Zöliakie-Nicht- Weizenallergie-Weizensensitivität oder kurz NZNWWS. „Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass andere Ursachen wie Zöliakie oder Weizenallergie erst ausgeschlossen werden müssen, bevor die Diagnose gestellt werden kann“, so die Expertin. Eine Therapie haben die Mediziner noch nicht gefunden. Für viele Betroffene ist die Vermeidung von glutenhaltigem Mehl die einzige Möglichkeit, sich zu schützen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 23.11.2015
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: Gluten oder nicht Gluten? Überempfindlichkeit auf Weizen kann unterschiedliche Ursachen haben
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