Migräneattacken vorbeugen

Hoffnung für Menschen, die unter Migräne leiden: Neue Medikamente zur Prophylaxe könnten in Zukunft Migräneattacken verhindern.

Frau liegt mit Kopfschmerzen auf dem Sofa © Thinkstock
(Mannheim – 07.10.2015) Etwa jeder Zehnte in Deutschland leidet unter Migräne. Zur Vorbeugung der Anfälle stehen Patienten bisher Arzneimittel zur Verfügung, die sie meist täglich einnehmen müssen und die teilweise mit unangenehmen Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Gewichtszunahme einhergehen. Bei der Suche nach neuen Wirkstoffklassen sind jetzt sogenannte monoklonale Antikörper gegen den Botenstoff CGRP in den Fokus gerückt. Sie könnten eine neue Ära in der Migränetherapie einleiten.

Täglich etwa 350.000 Migräneanfälle

Experten schätzen, dass es in Deutschland täglich zu etwa 350.000 Migräneanfällen kommt. Nicht nur die Schmerzen sind für die Betroffenen eine Qual, sondern auch die damit verbundenen Einschränkungen und die Angst vor der nächsten Kopfschmerzattacke. „Neben Mitteln zur akuten Schmerzlinderung werden daher Arzneien zur Vorbeugung immer wichtiger“, sagt Prof. Dr. Martin Marziniak, Chefarzt der Klinik für Neurologie am kbo-Isar-Amper-Klinikum München-Ost.

Neue Medikamente blockieren Weiterleitung des Migränesignals

Das sogenannte Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) gilt als der wichtigste Botenstoff bei der Entstehung von Migräne. Er wird aus Nervenzellen freigesetzt, überträgt Schmerzsignale und erweitert die Blutgefäße. Schon vor einigen Jahren wurde gezeigt, dass verschiedene Medikamente Migräneanfälle stoppen können, indem sie den CGRP-Rezeptor blockieren. Allerdings führten diese Substanzen beim Abbau in der Leber zu so starken Nebenwirkungen, dass sie nicht zugelassen werden konnten.  

„Im vergangenen Jahr ist es Forschern gelungen, neuartige CGRP-Blocker zur Migräneprophylaxe zu entwickeln“, sagt Privatdozent Dr. Uwe Reuter, Leiter der Kopfschmerzambulanz an der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Charité Berlin. Es handelt sich dabei um monoklonale Antikörper. Diese immunologisch aktiven Eiweiße zirkulieren im Körper, erkennen eine bestimmte Oberflächenstruktur des Botenstoffs CGRP und des CGRP-Rezeptors, binden daran und blockieren somit die Weiterleitung des Migränesignals.

Migräneattacken nahmen um drei bis sieben Tage ab

Laut Reuter sind vier verschiedene monoklonale Antikörper an insgesamt rund 1.000 Patienten, die an vier bis vierzehn Tagen pro Monat an Migräne litten, getestet worden. Alle vier Antikörper hätten zu einer Abnahme der Migräneattacken um drei bis sieben Tage pro Monat geführt. Nebenwirkungen traten dabei gleichermaßen häufig auf wie in den Kontrollgruppen, die Placebos bekommen hatten.  

„Wir stufen diese neuen Substanzen, die speziell zur Vorbeugung von Migräne entwickelt wurden, als erfolgreich und hoffnungsvoll ein“, so Marziniak. Die neuen Medikamente haben nicht nur weniger belastende Nebenwirkungen wie die bisher zur Prophylaxe eingesetzten Betablocker oder Antiepileptika, sondern sind auch einfacher in der Anwendung: „Die Patienten nehmen die prophylaktisch wirkenden monoklonalen Antikörper nicht täglich ein, sie werden stattdessen ein- oder zweimal im Monat injiziert“, sagt der Experte.  

Bis zur Zulassung der neuen Medikamente könnten jedoch noch gut drei Jahre vergehen, vermutet Reuter. „Im Herbst und Winter beginnen wir auch in Deutschland mit großen Phase III-Studien, die die Wirksamkeit und Sicherheit der neuen Medikamente zeigen müssen.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 07.10.2015
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: Schmerzkongress Mannheim: Neue Medikamente zur Prophylaxe verhindern Migräneattacken
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