Gefährlich oder nicht?

Häufig werden frei verkäufliche Schmerzmittel als gefährlich bezeichnet. Doch welche Gefahr geht wirklich von Paracetamol, ASS, Ibuprofen und Co. aus?

Tabletten © Thinkstock
(München – 18.02.2015) Die Einnahme von seit Jahren eingesetzten, frei verkäuflichen Schmerzmitteln wird in der Öffentlichkeit häufig als gefährlich eingeschätzt. So wurde Paracetamol als einer der gefährlichsten Wirkstoffe im täglichen Gebrauch bezeichnet. Breite Teile der Bevölkerung und auch die Ärzteschaft verunsichert das regelmäßig. Doch wie gefährlich sind die Schmerzmittel wirklich?

Keine Gefahr bei verantwortungsvollem Gebrauch

„Hält man sich an die Dosierangaben der Hersteller und vermeidet die häufige Einnahme, kann man unbesorgt sein. Eine Schädigung der Nieren, wie sie für die Vorläufersubstanz von Paracetamol – das nicht mehr erhältliche Phenacetin – bewiesen wurde, muss gemäß der Daten aus epidemiologischen Untersuchungen hier nicht befürchtet werden“, sagt PD Dr. Stefanie Förderreuther von der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).  

Gefahr bestehe laut der Expertin tatsächlich nur, wenn man Paracetamol in weit höheren Dosierungen als empfohlen einnimmt: Zum Beispiel die Einnahme von sechs Gramm – das sind zwölf Tabletten zu 500 Milligramm an einem Tag – führt beim Erwachsenen zu schweren Leberschäden. Das ist schon seit vielen Jahren bekannt. Weniger bekannt ist, dass Paracetamol bei Kindern eine längere Halbwertszeit besitzt und deshalb bei wiederholten Gaben schneller gefährlich werden kann. Daher ist bei der Gabe an Kinder besondere Vorsicht gefordert.

Bei unsachgemäßem Gebrauch können Schmerzen chronisch werden

Auch bei kritischer Bewertung der frei verkäuflichen Schmerzmittel ergeben sich zum heutigen Zeitpunkte keine neuen Gesichtspunkte, die die Empfehlungen für diese Mittel in der Selbstmedikation von Kopfschmerzen ändern würden. Generell sind diese Medikamente sicher. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie völlig ungefährlich sind: Bei unsachgemäßem Gebrauch, zu hoher Dosierung und längerfristiger, regelmäßiger Einnahme muss auch hier mit unerwünschten Wirkungen gerechnet werden – eine davon ist zum Beispiel die Chronifizierung von bestehenden Kopfschmerzen.

Paracetamol in der Schwangerschaft

In der letzten Zeit wurde auch der Gebrauch von Paracetamol in der Schwangerschaft hinterfragt. Epidemiologische Studien vermuteten ein mögliches Risiko für die Entwicklung von Asthma bronchiale, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Hodenhochstand. Andere Studien ermittelten gerade für diese zum Teil häufigen Erkrankungen eine große Zahl anderer möglicher Risikofaktoren, sodass derzeit keine Zuordnung möglich ist. Dieser Sachverhalt führte auch dazu, dass die europäischen Zulassungsbehörden keine Änderungen ihrer Empfehlungen vornahmen. Paracetamol kann weiterhin in allen Stadien einer Schwangerschaft als sichere Substanz betrachtet werden.

ASS, Ibuprofen, Diclofenac: Nebenwirkungen bei anhaltender Einnahme

Eine andere häufig eingesetzte Substanzgruppe zur Schmerztherapie sind die Hemmstoffe der Cyclo-Oxygenase (zum Beispiel Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Diclofenac). Bekannte Risiken sind bei regelmäßiger und anhaltender Einnahme Nebenwirkungen auf den oberen Gastro-Intestinal-Trakt (oberer Teil des Verdauungsapparates, also Magen und Dünndarm), die Beeinflussung der Thrombozytenfunktion, was zu einem erhöhten Blutungsrisiko führt, sowie die Erhöhung des Blutdrucks. Diese Nebenwirkungen sind jedoch dosisabhängig und treten nur nach anhaltendem Gebrauch auf.

Kombipräparate: Einzelsubstanzen deutlich niedriger dosiert

Die dritte Gruppe von frei verkäuflichen Schmerzmitteln, die wiederholt mit Nebenwirkungen in Verbindung gebracht wurde, sind die Mischpräparate, wobei meistens Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS) und Koffein kombiniert werden. Als Gefahr werden ein erhöhtes Abhängigkeitsrisiko und der Umstand genannt, dass mehrere Substanzen auch in der Summe mehr Nebenwirkungen erzeugen. Dabei ist gerade ein Vorteil der Kombinationspräparate, dass die Einzelsubstanzen deutlich niedriger dosiert werden können und so die dosisabhängigen Risiken der Einzelsubstanzen niedriger anzusehen sind. So enthält zum Beispiel schon eine Tasse Kaffee höhere Koffeinmengen als eine Tablette eines Kombinationspräparats. Darüber hinaus hat Koffein eine eigene schmerzlindernde Wirkung und möglicherweise sogar schützende Effekte gegen die Entwicklung von Diabetes mellitus und Morbus Parkinson.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 18.02.2015
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft: Frei verkäufliche Analgetika: Teufelszeug oder ungefährlich?
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