Am besten ganz nüchtern

Das in alkoholischen Getränken enthaltene Ethanol stört den Tränenfilm – und „vernebelt“ uns so die Sicht. Welche Auswirkungen das auf Autofahrer hat.

Frau fährt Auto © Thinkstock
(München – 03.11.2014) Dass schon geringe Mengen Alkohol den Sehsinn „vernebeln“, ist jetzt auch wissenschaftlich belegt: Das in alkoholischen Getränken enthaltene Ethanol stört den natürlichen Tränenfilm des Auges, so eine spanische Studie. Dies verschlechtert das Sehvermögen bei Nacht und erhöht die Licht- und Blendempfindlichkeit. Alkoholische Getränke beeinträchtigen also nicht nur generell das Reaktionsvermögen des Fahrers, sondern wirken auch direkt auf die Augen. Diese Effekte treten schon nach dem Konsum geringer Mengen Alkohol auf und schränken die Fahrtüchtigkeit ein. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) rät Autofahrern deshalb, insbesondere vor nächtlichen Fahrten gänzlich auf alkoholische Getränke zu verzichten.

Fahrer erkennt Kontraste schlechter und ist lichtempfindlicher

Für ihre Studie testeten Experten der Universität Granada Kontrastsehen und Blendempfindlichkeit von 67 Probanden vor und nach dem Verzehr unterschiedlicher Mengen Rotwein. Alle Teilnehmer schnitten nach dem Alkoholkonsum im Sehtest deutlich schlechter ab als im nüchternen Zustand. Schuld daran sei – so die Autoren der Studie – das im Alkohol enthaltene Ethanol. Es löst die äußere, leicht fettige Schicht des Tränenfilms auf, der das Auge bedeckt. Dadurch verdunsten die wässrigen Bestandteile der Tränenflüssigkeit.  

Die Folge ist, dass ein alkoholisierter Fahrer Kontraste schlechter erkennt und empfindlicher auf Licht reagiert. Dieser Effekt zeigt sich verstärkt ab einer Blutalkoholkonzentration von 0,5 Promille. Aber auch Probanden, deren Werte unterhalb der gesetzlichen Höchstgrenze lagen, sahen Kontraste schlechter und nahmen vermehrt Lichtschleier wahr. „Entscheidend ist, dass Alkohol generell unser Reaktionsvermögen beeinträchtigt“, sagt Prof. Dr. Bernhard Lachenmayr, Vorsitzender der Verkehrskommission der DOG. „Dass das Ethanol darüber hinaus das Sehvermögen einschränkt, stützt nur einmal mehr die Empfehlung, sich alkoholisiert gar nicht erst hinters Steuer zu setzen.“

Bereits geringe Alkoholmengen beeinträchtigen die Sicht

Schon bei geringem Alkoholkonsum und normalen Lichtverhältnissen verschlechtert sich die Sicht – für den Feiernden ist das aber kaum wahrnehmbar. Dies sei besonders gefährlich, so Lachenmayr: „Viele Kneipenbesucher halten sich noch für fahrtüchtig, wenn sie ein bis zwei Gläser Bier getrunken haben.“ Nach den Erkenntnissen der aktuellen Studie stehe dies jedoch einmal mehr infrage. „Schon geringe Mengen Alkohol können dazu führen, dass der Fahrer Fußgänger und Straßenschilder zu spät erkennt oder durch die Scheinwerfer entgegenkommender Autos geblendet wird.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 03.11.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft: Schon ein Bier verschlechtert die Nachtsicht. Augenärzte raten zu gänzlich nüchternen Autofahrten
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