Nur einseitig tropfen

Experten raten, Augentropfen, die bei einem Glaukom den Augeninnendruck senken sollen, zunächst nur in ein Auge zu geben.

Frau tropft Augentropfen in ihre Augen © Thinkstock
(Berlin –29.09.2014) In Deutschland leiden 800.000 Menschen unter grünem Star (Glaukom). Etwa 80 Prozent der Betroffenen werden mit Medikamenten behandelt, die den Augeninnendruck senken sollen. Um den Effekt der Therapie besser beurteilen zu können, sollten die Tropfen zunächst nur in ein Auge verabreicht werden. Darauf weist die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) hin.

Erhöhter Augeninnendruck schädigt den Sehnerv

Der grüne Star ist weltweit eine der häufigsten Ursachen für Erblindungen. Meist ist die Erkrankung auf einen erhöhten Augeninnendruck zurückzuführen, der mit der Zeit den Sehnerv unwiderruflich schädigt. Um dies zu verhindern, verordnen Augenärzte in der Regel zunächst Augentropfen, die den Augeninnendruck senken sollen. „Ziel ist eine Reduktion um 25 bis 40 Prozent gegenüber den Ausgangswerten“, erklärt Prof. Dr. Johann Roider, Präsident der DOG und Direktor der Klinik für Augenheilkunde am Campus Kiel des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein.  

Doch ob die Therapie überhaupt einen Effekt hat und welchen, ist gar nicht so einfach festzustellen. Grund: Der Augeninnendruck unterliegt natürlichen Schwankungen, die sich sowohl im Tages- als auch im Jahresverlauf zeigen. „Das macht es schwer zu unterscheiden, ob Druckunterschiede zwischen Messungen ohne Tropfen und Messungen mit Tropfen nun auf das Medikament oder die natürlichen Druckschwankungen zurückzuführen sind“, so Prof. Dr. Anselm Jünemann, Direktor der Augenklinik der Universitätsmedizin Rostock.

„One-eye trials“ zeigen, ob das Medikament wirklich wirkt

Die Lösung sind die sogenannten „one-eye trials“, die in den USA üblich sind. „Vor der Therapie misst der Augenarzt den Augeninnendruck beider Augen, am besten zu verschiedenen Zeitpunkten“, erläutert Jünemann. Diese Messungen zeigen, ob der Augeninnendruck auf beiden Augen stets gleich ist oder aber den gleichen Unterschied aufweist. „Nach diesen Testmessungen empfehlen wir den Patienten, die Medikamente für bis zu vier Wochen zunächst nur in ein Auge zu tropfen“, sagt der Experte. Durch das einseitige Tropfen kann der Arzt nun im direkten Vergleich mit dem zweiten Auge anhand der Differenz ermitteln, ob das Medikament eine drucksenkende Wirkung entfaltet. „Ist das der Fall, können beide Augen therapiert werden“, so Jünemann.

Unerwünschte Nebenwirkungen lassen sich besser erkennen

Das einseitige Tropfen hat noch einen weiteren Vorteil. „Der Augenarzt kann besser erkennen, ob das Medikament unerwünschte Nebenwirkungen hat – etwa Entzündungen der Lider, Bindehaut oder Hornhaut“, erklärt Roider. Um Nebenwirkungen zu minimieren, raten die Augenärzte zudem, die Augenlider nach dem Tropfen zu schließen und mit den Fingern eine Minute lang sanft auf den inneren Augenwinkel neben der Nase zu drücken – hier sitzt das Tränenpünktchen. „Dieses Manöver hilft zu vermeiden, dass die Wirkstoffe in den Blutkreislauf gelangen und die Leber unnötig belasten“, so Roider.  

Schlägt das gewählte Medikament nicht an, besteht die Möglichkeit, die Arznei zu wechseln oder ein weiteres Medikament hinzuzunehmen. Gelingt es nicht, den Augeninnendruck zufriedenstellend zu senken oder bestehen Unverträglichkeiten, sollte eine Glaukom-Operation erwogen werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 29.09.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG): Richtig tropfen beim grünen Star: Medikamente zunächst nur in ein Auge geben
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