Das raubt uns Lebensjahre

Eine neue Studie zeigt: Wer auf Zigaretten und Alkohol verzichtet, wenig rotes Fleisch isst und auf ein normales Gewicht achtet, lebt bis zu 17 Jahre länger.

Mann mit Bier, Popcorn und Süßigkeiten auf der Couch © Thinkstock
(Heidelberg – 19.08.2014) Eigentlich weiß es jeder: Gesund ist es nicht, sein Dasein als schwergewichtige „Couch Potatoe“ mit Bier und Zigaretten vor dem Fernseher zu verbringen. Wie groß die schädlichen Effekte tatsächlich sind, die ein solch ungesunder Lebensstil mit sich bringt, haben Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum nun präzise ermittelt.  

Die DKFZ-Epidemiologen um Prof. Rudolf Kaaks errechneten, wie viele Jahre jedes einzelne Risikoverhalten von der durchschnittlichen Lebenserwartung eines heute Vierzigjährigen raubt. Außerdem ermittelten sie die Auswirkungen der kombinierten Risiken. Das günstigste Risikoprofil und damit die größte Lebenserwartung hatten demnach Nichtraucher mit einem Body-Mass-Index (BMI) zwischen 22,5 und 24,9, die wenig Alkohol tranken, körperlich aktiv waren und wenig rotes Fleisch, dafür aber viel Obst und Gemüse aßen: Diese Menschen dürfen sich im Alter von 40 Jahren auf 47,5 (Männer) beziehungsweise 48,7 weitere Lebensjahre (Frauen) freuen.

Wie viel Lebenszeit die einzelnen Risikofaktoren rauben

Betrachteten die Wissenschaftler die verschiedenen riskanten Lebensstilfaktoren jeweils einzeln, so schlägt das Rauchen am stärksten zu Buche: Raucht ein Mann über zehn Zigaretten pro Tag, so verliert er ganze 9,4 Jahre an Lebenserwartung, eine Frau 7,3 Jahre. Auch ein moderater Konsum von weniger als zehn Zigaretten pro Tag reduziert die Lebenserwartung bei beiden Geschlechtern immer noch um etwa fünf Jahre. Weitere Lebensstilfaktoren, die zu einem deutlichen Verlust an zu erwartenden Lebensjahren führen, sind:
  • Adipositas, also starkes Übergewicht: 3,1 Jahre bei Männern, 3,2 Jahre bei Frauen
  • starker Alkoholkonsum: 3,1 Jahr, nur bei Männern
  • hoher Verzehr an rotem Fleisch: 1,4 Jahre bei Männern, 2,4 Jahre bei Frauen
  • Body Mass Index unter 22,5: 3,5 Jahre bei Männern, 2,1 Jahre Frauen.
  • Ein Mangel an körperlicher Aktivität machte sich nicht durch einen signifikanten Verlust an Lebenserwartung bemerkbar.

Dank gesundem Lebensstil bis zu 17 Jahre länger leben

Bei vielen Menschen bleibt es jedoch nicht bei einer einzigen ungesunden Angewohnheit. Um das zu berücksichtigen, errechneten die Forscher um Rudolf Kaaks auch, welche Effekte eine Kombination dieser riskanten Lebensstilfaktoren mit sich bringt: Demzufolge büßt ein adipöser starker Raucher, der viel trinkt und viel rotes Fleisch verzehrt, gegenüber einem Mitmenschen mit günstigstem Risikoprofil bis zu 17 Jahre an Lebenserwartung ein. Bei einer Frau wären es 13,9 Jahre.

Daten der EPIC-Studie dienten als Grundlage

Für ihre aktuelle Untersuchung stand den Wissenschaftlern ein wahrer Datenschatz zur Verfügung: Das DKFZ ist an EPIC beteiligt, einer gesamteuropäischen Studie zum Zusammenhang von Ernährung, Lebensstilfaktoren und Krebs. Seit mittlerweile 20 Jahren werden die Lebensstilfaktoren von über einer halben Million Europäer sorgfältig dokumentiert. Allein das EPIC-Zentrum im DKFZ betreut über 25.000 Studienteilnehmer aus dem Raum Heidelberg. Deren Daten flossen in die neue Erhebung ein. Die EPIC-Daten sind von hoher Qualität, da die Teilnehmer im Verlauf der Studie mehrfach zu ihrem Lebensstil befragt wurden.  

„Oft werden wissenschaftliche Hinweise auf einen gesunden Lebensstil als ‚erhobener Zeigefinger‘ empfunden“, sagt Rudolf Kaaks, Leiter von EPIC Heidelberg. „Deswegen ist es wichtig, dass wir ganz klar beziffern, was jeder einzelne an Lebenszeit gewinnen kann, wenn er frühzeitig auf ungesunde Angewohnheiten verzichtet.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 19.08.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ): Was uns Lebensjahre raubt
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