Stört der Mond den Schlaf?

Viele sind davon überzeugt, dass der Mond unseren Schlaf beeinflusst. Doch stimmt das wirklich? Das haben Forscher jetzt herausgefunden.

Vollmond © Thinkstock
(München – 18.06.2014) Im Volksglauben gibt es verschiedenste Mythen über den Einfluss des Mondes auf den Menschen. So leiden angeblich viele Menschen bei Vollmond unter Schlafstörungen. Im Gegensatz zu früheren Studien konnten Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München nun keinen Zusammenhang zwischen dem menschlichen Schlaf und den Mondphasen finden. Für die Untersuchung werteten die Forscher große, bereits vorhandene Datensätze über den Schlaf zahlreicher Probanden aus.

Frühere Studien setzten nur selten objektive Methoden ein

Einige Studien beschäftigten sich bereits in Nachanalysen mit Schlafdaten, die zuvor zu einem anderen Zweck erhobenen wurden, um den Einfluss des Mondes auf den menschlichen Schlaf zu untersuchen. Allerdings wurden die Auswirkungen auf den Schlaf selten mit objektiven Methoden – zum Beispiel mithilfe eines Schlaf-EEGs – untersucht und die Ergebnisse waren sehr unterschiedlich. In manchen Studien schienen sich die Mondphasen besonders auf Frauen auszuwirken, in anderen wiederum besonders auf Männer.  

Zwei Analysen von Datensätzen mit jeweils 30 bis 50 Teilnehmern aus den Jahren 2013 und 2014 zeigten übereinstimmend, dass die Schlafdauer in Vollmondnächten verkürzt ist. Für andere Messungen kamen sie jedoch zu kontroversen Ergebnissen. Beispielsweise wurde in einer der beiden Analysen gezeigt, dass das Einsetzen des REM-Schlafs – die Schlafphase, in der wir vor allem träumen – bei Neumond verzögert ist. In der anderen Studie wurde hingegen eine Verzögerung in Vollmondnächten festgestellt.

Analyse zeigt keinen Einfluss des Mondes auf den Schlaf

Um Zufallsbefunde zu vermeiden, wie sie in Studien mit geringer Teilnehmerzahl möglich sind, untersuchten die Wissenschaftler nun Schlafdaten von 1.265 Probanden aus 2.097 Nächten. „Nachdem wir diese große Anzahl von Daten ausgewertet hatten, konnten wir frühere Ergebnisse aus anderen Studien nicht bestätigen“, berichtet Martin Dresler, Neurowissenschaftler am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München und am Donders Institute for Brain, Cognition and Behaviour in Nijmegen. „Wir konnten keinen statistisch belegbaren Zusammenhang zwischen menschlichem Schlaf und den Mondphasen aufzeigen.“   

Im Rahmen dieser Untersuchungen fand sein Team weitere Analysen von über 20.000 Schlafnächten, die ebenfalls keinen Einfluss des Mondes feststellen konnten. Diese sind jedoch nicht veröffentlicht worden. Dadurch waren Studien mit positivem Befund bislang in der wissenschaftlichen Literatur überrepräsentiert.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 18.06.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.
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