Achtung: Schlafmittel

Schlafstörungen belasten Psyche und Körper. Viele Betroffene greifen deshalb schnell zu Schlafmitteln. Doch: Es gibt Alternativen.

Schlaflose Frau © Thinkstock
(Nürnberg – 02.05.2014) Schlafstörungen – wer jemals unter ihnen gelitten hat, weiß, wie belastend sie sein können. Sie machen dünnhäutig, rauben Konzentration und Leistungsfähigkeit. Kurzum: Schlafstörungen belasten die Psyche. Dazu kommt, dass langanhaltende, chronische Schlafstörungen das Immunsystem beeinträchtigen und Depressionen hervorrufen können. Und: Schlafmangel erhöht das Risiko für Übergewicht – und damit langfristig auch die Gefahr, an Diabetes Typ 2 zu erkranken.

Laut Arzneiverordnungs-Report 2013 sind 25 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland mit ihrem Schlaf unzufrieden. 10 bis 15 Prozent beklagen durch Schlafmangel hervorgerufene Beschwerden am Tag. Und sechs bis zehn Prozent leiden an einer behandlungsbedürftigen Schlafstörung.

Vorsicht bei schlaffördernden Mitteln

Wird die Belastung durch die Schlafstörungen zu groß, greifen viele Betroffene zu Schlafmitteln. Hierbei ist jedoch große Vorsicht geboten. Denn: Schlafmittel haben häufig Nebenwirkungen. Langfristig eingenommen, verlieren sie zum Teil an Wirkung. Und: Einige Schlafmittel können schnell abhängig machen.  

„Schlafmittel heilen nicht, sie wirken nur symptomatisch.“, sagt Dr. Sonja Wunder, AOK-Beratungsapothekerin. Die Expertin rät: „Am besten sollte man keine Schlafmittel einnehmen; wenn es nicht anders geht, dann nur über einen sehr kurzen Zeitraum.“

Rezeptfreie Schlafmittel aus der Apotheke

Pflanzliche Schlafmittel wie beispielsweise Baldrian sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. „Die natürliche Variante wirkt beruhigend, erzwingt den Schlaf aber nicht“, erklärt Dr. Sonja Wunder. Zudem sei die Wirkung pflanzlicher Arzneimittel auf den Schlaf wissenschaftlich nicht genau belegt.

Ebenfalls rezeptfrei als Schlafmittel erhältlich sind bestimmte Antihistaminika – ursprünglich Medikamente gegen Allergien. Sie blockieren im Gehirn die Wirkung des körpereigenen Hormons Histamin und wirken dadurch schlaffördernd. Trotzdem die Medikamente frei verkäuflich sind, sollte die Einnahme wohl überlegt sein. Denn diese Mittel können abhängig machen. Dazu kommt: Sie wirken morgens lange nach. Und über längere Zeit eingenommen, verlieren sie häufig schnell an Wirkung.

Schlaf auf Rezept – starke Wirkung, erhöhte Vorsicht

Starke schlaffördernde Medikamente sind nur auf Rezept erhältlich. Besondere Vorsicht mahnt Apothekerin Dr. Sonja Wunder bei der Einnahme chemischer Wirkstoffe der Gruppe der Benzodipazepine und den sogenannten Z-Substanzen Zolpidem und Zopiclon an. Denn: diese Mittel machen nicht nur schnell abhängig und verursachen zahlreiche Nebenwirkungen, sondern erhöhen auch die Sturzgefahr. Ein nicht zu unterschätzendes Risiko, besonders bei älteren Menschen – die zudem besonders häufig an Schlafstörungen leiden.

Vorsicht, Wechselwirkungen!

Wer sich dennoch für die Einnahme von Schlafmitteln entscheidet, sollte sicherstellen, dass keine Wechselwirkungen mit anderen eingenommenen Medikamenten auftreten können. Besonders ältere Menschen nehmen häufig mehrere Arzneien gleichzeitig ein – und gerade sie leiden oft an Schlafstörungen. Die Mittel können ihre Wirkungen und Nebenwirkungen verstärken, abschwächen oder ganz aufheben. Das gilt nicht nur für Schlafmittel, sondern für alle eingenommenen Arzneien.  

„Generell sollte man seinen Hausarzt und den Apotheker immer über alle eingenommenen Medikamente – ob verschreibungspflichtig oder frei verkäuflich – informieren, um mögliche Wechselwirkungen auszuschließen“, rät AOK-Beratungsapothekerin Wunder. Deshalb startet die AOK in Mittelfranken den ganzen Mai über die Aktion "Arzneimittel sicher einnehmen". In teilnehmenden Apotheken können Verbraucher ihren Arzneimittel-Mix kostenfrei checken lassen.

Tipps bei Schlafstörungen

Bevor zu Schlafmitteln gegriffen wird, können einige kleine Tipps und Verhaltensänderung zu einem ruhigen und entspannten Schlaf verhelfen:

Tipp 1: Feste Schlafzeiten
Gehen Sie – soweit möglich – regelmäßig um die gleiche Uhrzeit zu Bett.

Tipp 2: Regelmäßige Bewegung
Regelmäßiger Sport und Bewegung steigern das Wohlbefinden, helfen Stress abzubauen und fördern einen erholsamen Schlaf.

Tipp 3: Kein üppiges und scharfes Essen spät am Abend
Ein voller Magen lässt uns schlecht schlafen. Achten Sie daher besonders abends auf leichte Kost.

Tipp 4: Kein Koffein am Nachmittag
Bei vielen Menschen wirkt Koffein stark anregend. Ein Kaffee am Nachmittag kann sich daher negativ auf den Schlaf auswirken.

Tipp 5: Alkohol vermeiden
Alkohol stört den Tiefschlaf und verhindert das Durchschlafen.

Tipp 6: Schaffen Sie sich Einschlafrituale
Ob ein Vollbad, Lesen, Musik hören, Entspannungsübungen oder eine Tasse Kräutertee – finden Sie ein abendliches Ritual, das Ihnen guttut und Sie entspannt.

Tipp 7: Achten Sie auf eine gute Schlafhygiene
Ein ruhiges, gut belüftetes und dunkles Schlafzimmer hilft Ihnen, einen ruhigen Schlaf zu finden. Mehr zur richtigen Schlafhygiene finden Sie hier.
Info
Wenn Sie längere Zeit an Schlafstörungen leiden, sollten Sie sich an einen Arzt wenden. Eine Schlafstörung, die länger als vier Wochen unbehandelt bleibt, ist ohne ärztliche Behandlung meist nicht mehr in den Griff zu bekommen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 02.05.2014
  • Autor/in: vitanet.de-ad
  • Quellen: http://www.aok.de/bayern/kontakt/nachrichten/mttelfranken-130030_215418.php
  • U.Schwabe, D.Paffrath (Hrsg.), Arzneiverordnungs-Report 2013; Springer-Verlag Berlin, Heidelberg 2013
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