Grüner Tee und Arzneimittel

Eine Studie zeigt: Grüner Tee vermindert die Wirkung eines bestimmten Betablockers. Auch der Einfluss auf andere Medikamente ist nicht ausgeschlossen.

Grüner Tee © Thinkstock
(Erlangen/Nürnberg – 27.01.2014) Grünem Tee werden vielfältige gesundheitsfördernde Effekte nachgesagt. Das Getränk kann aber auch die Wirkung bestimmter Medikamente abschwächen. Dies haben jetzt Wissenschaftler der Friedrich- Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in Zusammenarbeit mit Forschern der japanischen Universität Fukushima nachgewiesen. Ihre Forschungsergebnisse haben sie jetzt in der Online- Ausgabe des Fachmagazins „Clinical Pharmacology & Therapeutics“ veröffentlicht.

Inhaltsstoffe des Tees verhindern Nadolol-Aufnahme

Die Wissenschaftler fanden heraus: Bestimmte Inhaltsstoffe des Tees verhindern, dass der Betablocker Nadolol vom Körper aufgenommen wird und seine Wirkung entfalten kann. Der Wirkstoff wird zur Behandlung von Bluthochdruck, Angina pectoris und Migräne verschrieben. In deutschen Apotheken ist das Medikament jedoch nicht erhältlich.  

„Wir können nicht ausschließen, dass grüner Tee auch die Aufnahme anderer Medikamente hemmt. Dies muss in weiteren Studien untersucht werden“, sagt Dr. Fabian Müller, Arzt am Lehrstuhl für Klinische Pharmakologie und Klinische Toxikologie der FAU. „Wir empfehlen, bei Einnahme von Nadolol auf den Konsum von grünem Tee zu verzichten, da eine verminderte Wirkung zu erwarten ist.“

Nach Grüntee-Genuss ist der Nadolol-Spiegel im Blut viel niedriger

Für die aktuelle Untersuchung tranken freiwillige Testpersonen zunächst zwei Wochen lang täglich etwa vier Tassen grünen Tee. Anschließend nahmen sie einmalig eine 30-Milligramm-Tablette Nadolol zusammen mit grünem Tee ein. In den zwei folgenden Tagen prüften die Forscher die Konzentration des Wirkstoffs im Blutplasma und kontrollierten den Blutdruck. In einer zweiten Testreihe wurde der grüne Tee durch Wasser ersetzt. Das erstaunliche Ergebnis: Nach dem Grüntee-Genuss lag der Nadolol-Spiegel im Blut der Testpersonen rund 85 Prozent unter dem Vergleichswert. Folglich war auch die blutdrucksenkende Wirkung von Nadolol bei den Probanden in der Grüntee-Testreihe deutlich vermindert.  

Für dieses Ergebnis machen die Experten die sogenannten Katechine im grünen Tee verantwortlich. In Laboruntersuchungen konnten die FAU-Forscher nachweisen, dass diese Stoffe ein Protein in der Darmschleimhaut beeinflussen, das der Wissenschaft bereits als Arzneistofftransporter bekannt ist: Das Protein mit dem Namen OATP1A2 unterstützt Medikamente beim Übergang vom Darm ins Blut. Kommen allerdings Katechine ins Spiel, wird dieses Protein blockiert und kann keine beziehungsweise nur wenige Wirkstoffanteile in den Blutkreislauf befördern.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 27.01.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
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