Wenn die Welt schwankt

Alles dreht sich, die Umgebung schwankt: Viele Menschen leiden unter Schwindel. Was die Ursachen sein können und wie behandelt werden sollte.

Treppenhaus © Thinkstock
(Tübingen – 14.10.2013) Schwindel gehört zu den zehn häufigsten Gründen für eine neurologische Untersuchung. Und die Ursachen sind vielfältig: Schwindel kann Leitsymptom verschiedener Erkrankungen sein, die von Innenohr, Hirnstamm oder Kleinhirn ausgehen, aber auch psychischer Natur sein.

Obwohl der mit akutem Schwindel einhergehende Kontrollverlust zu starken Ängsten führt, sind die meisten Ursachen nicht lebensbedrohlich. Nur in seltenen Fällen steckt ein Tumor oder eine Multiple Sklerose dahinter. Im Alter ist der Schwindel jedoch eine häufige Sturzursache. Angesichts der Möglichkeit eines zugrunde liegenden Schlaganfalls, ist der akute Schwindel im Alter sogar ein Fall für den Notarzt.

Oft falsche Versorgung

Trotz der hohen klinischen Bedeutung sind Patienten mit dem Leitsymptom Schwindel häufig fehlversorgt. Dies gilt sowohl für die Diagnose als auch für die Therapie. Die Folge ist oft eine Überversorgung mit unnötigen Röntgenaufnahmen der Halswirbelsäule sowie Computertomographien. Auch Heil- und Arzneimittel, deren Wirkung fragwürdig ist, werden häufig verordnet.

Andererseits warnt Dr. Joern Pomper vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) und der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Tübingen auch vor einem allzu sorglosen Umgang mit dem Schwindel: „Schwindel kann – vor allem angesichts seiner engen Verknüpfung mit gut nachvollziehbaren Ängsten – zu Vermeidungsverhalten und Chronifizierung führen. Diese können jedoch teilweise durch frühzeitige diagnostische Weichenstellung und Information des Patienten verhindert werden.“

Jedoch sei zuzugestehen, dass gegenwärtig selbst bei optimaler Diagnostik rund ein Drittel der chronischen Schwindelbeschwerden nicht abschließend erklärt werden könne und ein weiteres Drittel zum heutigen Zeitpunkt nur unbefriedigend behandelbar sei, so der Experte weiter.

Ausführliches Patientengespräch unverzichtbar

Wichtig ist zunächst einmal die Schwindelursachen zu klären. Dafür gibt in der Regel ein ausführliches Gespräch und die erste Untersuchung die entscheidende Richtung vor: Gesucht wird zuerst nach gravierenden Ursachen wie einem Schlaganfall, einem Tumor oder Multipler Sklerose.

Weniger bedrohliche, aber trotzdem belastende Erkrankungen, wie ein akuter Ausfall eines Gleichgewichtsorgans, Migräne oder ein gutartiger Lagerungsschwindel, werden im Anschluss evaluiert. Patienten mit Lagerungsschwindel können sehr gut behandelt werden. Anders als viele Patienten oft intuitiv meinen, ist nicht das Vermeiden der auslösenden Kopf- und Körperpositionen sinnvoll, sondern eine spezielle Art der Krankengymnastik in Form von Lagerungsmanövern. Auch die Angst eines Betroffenen vor bestimmten Situationen kann für Schwindelattacken verantwortlich sein. In vielen Fällen kann hier bereits eine Erklärung des Krankheitsmechanismus hilfreich sein, wenn es darum geht, Schwindelattacken und Angstzustände zu beheben.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 14.10.2013
  • Autor/in: vitanet.de-cl
  • Quellen: Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH)
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