Glaukom: wann operieren?

Der Grüne Star führt bisweilen trotz medikamentöser Behandlung zur Erblindung. Wann eine Operation nötig ist, um das zu vermeiden.

Augen © Thinkstock
(Berlin – 06.09.2013) In Deutschland sind 800.000 Menschen an Grünem Star erkrankt, auch Glaukom genannt. Das Augenleiden wird bei 80 Prozent der Patienten mit Medikamenten behandelt, die den Augeninnendruck senken. Dennoch sollte auf Warnzeichen dafür geachtet werden, dass die Krankheit trotz vermeintlich regulierter Augeninnendruckwerte weiter fortschreitet, erklärt die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG). Dann kann nur eine Operation dauerhafte Sehschäden abwenden.

Deutliches Zeichen: Gesichtsfeldschaden

Ein klares Warnzeichen, dass eine medikamentöse Therapie beim Glaukom nicht hilft und ein operativer Eingriff erwogen werden sollte, ist eine bestimmte Art des Sehverlusts – ein sogenannter Gesichtsfeldschaden. Davon merkt der Patient selbst meist kaum etwas, weil das Gehirn die fehlenden Bildteile trickreich ersetzt. „Hat man beim Lesen jedoch Schwierigkeiten, die nächste Buchzeile zu finden, ist das ein Hinweis auf einen Gesichtsfeldschaden“, erklärt Professor Dr. med. Berthold Seitz, Direktor der Universitätsaugenklinik Homburg/Saar. Aufschluss gibt eine Gesichtsfelduntersuchung, bei der Patienten Lichtpunkte erkennen müssen.

Auch Veränderungen am Sehnerv sind Warnzeichen: „Etwa eine Aushöhlung des Sehnervs oder ein dünner werdendes Nervenfaserpolster“, erläutert Professor Dr. med. Thomas Klink, Leitender Oberarzt an der Universitätsaugenklinik Würzburg. Zu den Faktoren, die ein Fortschreiten der Erkrankung begünstigen, zählen außerdem Schwankungen des Augeninnendrucks im Tagesverlauf. Um sie festzustellen, erstellt der Arzt eine Tagesdruckkurve. „Empfehlenswert sind vier Messungen in regelmäßigen Abständen zwischen 8.00 und 17.00 Uhr“, rät Experte Klink.

Operation auch bei mehr als zwei drucksenkenden Medikamenten

Wenn zwei Medikamente nicht mehr ausreichen, den Augeninnendruck zu senken, ist dies ebenfalls ein Hinweis darauf, dass eine Operation nötig ist. „Die Europäische Glaukom Gesellschaft empfiehlt für diesen Zeitpunkt eine operative Therapie“, so Klink. Sobald Patienten mehr als zwei drucksenkende Präparate anwenden, verschlechtern sich die Erfolgsaussichten einer Operation, das belegen Studien. „Und natürlich kommen für einen Eingriff auch Patienten infrage, die drucksenkende Medikamente nicht vertragen“, erläutert Klinik. „Sei es, weil Konservierungsstoffe die Bindehaut reizen oder die Patienten stark unter Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Schwindel leiden.“

Neue, schonende Operationsmethoden

Standard-Operation beim Glaukom war lange Zeit die Trabekulektomie. Dabei schneiden Augenchirurgen eine kleine Lücke in den Übergang von Hornhaut und Lederhaut des Auges – über diese Öffnung kann das Augenwasser abfließen und der Augeninnendruck sinkt. In den vergangenen Jahren wurden jedoch neue, schonendere Operationsmethoden entwickelt. Bei der Kanaloplastik etwa dehnt der Augenarzt mit einem haardünnen Katheter den natürlichen Abflusskanal, um Entlastung zu schaffen. Bei einem kammerwinkelchirurgischen Eingriff wiederum entfernen die Experten das Gewebe in der Umgebung des Abflusskanals mit einem Spezialwerkzeug, um den Druck zu mindern.

Entscheidend ist es, den richtigen Zeitpunkt für eine Operation nicht zu verpassen. „Ist die Schädigung zu weit fortgeschritten, kann auch eine Operation nicht mehr helfen. Nur ein frühzeitiger Eingriff kann einen Gesichtsfeldausfall aufhalten“, betont Klink. Der Grüne Star ist weltweit die häufigste irreversible Ursache für Erblindungen. In Deutschland verlieren jedes Jahr bis zu 2.000 Menschen durch ein Glaukom ihr Augenlicht.
Weiterführende Informationen:

Video: Glaukom – Gefahr für das Augenlicht

Prof. Dr. Grehn erklärt, wie der Grüne Star blind machen kann. mehr

Autoren und Quellen Aktualisiert: 06.09.2013
  • Autor/in: vitanet.de-cl
  • Quellen: Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft
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