Angriff auf die Leber

Medikamente sollen Krankheiten heilen und Symptome bekämpfen – können aber schädliche Nebenwirkungen haben. Besonders häufig ist die Leber betroffen.

Tabletten auf Hand © Thinkstock
(Berlin – 25.06.2013) Neben ihren beabsichtigten Wirkungen haben Arzneimittel oft auch unerwünschte Effekte. Etwa jede zehnte Nebenwirkung betrifft die Leber. Vor allem fiebersenkende Medikamente und Antibiotika können sie beeinträchtigen. Laut einer aktuellen isländischen Studie, die im Fachmagazin „Gastroenterology“ veröffentlicht wurde, kommen Leberschäden durch Medikamente wahrscheinlich häufiger vor als gedacht und bleiben oftmals als solche unerkannt, so die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS).

„Leberschäden als Nebenwirkung von Medikamenten sind ein allgemein unterschätztes Problem“, erläutert DGVS-Sprecher Professor Peter R. Galle, Direktor der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik an der Universitätsmedizin Mainz. „Für Deutschland gibt es hierzu bislang zwar keine Zahlen, aber die Ergebnisse der isländischen Studie lassen vermuten, dass das Problem auch bei uns größer ist, als bislang angenommen“, so der Experte.

Schmerzmittel und Antibiotika

Zu den Medikamenten, die häufig die Leber beeinträchtigen, gehören neben Paracetamol und nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) – bestimmten Schmerzmitteln – vor allem Antibiotika. So war die Kombination aus Amoxicillin und Clavulansäure in der Studie für 22 Prozent der Schäden verantwortlich. „Das Problem ist, dass die Symptome oft unspezifisch und die Diagnose schwierig ist“, erläutert Professor Galle. Neben Appetitlosigkeit und Erbrechen, Fieber, Gelenk-, Muskel- und Bauchschmerzen können auch Juckreiz, Veränderungen der Hautfarbe, sowie Stuhl- und Urinverfärbungen Anzeichen einer Leberbeeinträchtigung sein.

„Es ist wichtig, bei diesen Symptomen auch an eine mögliche Leberschädigung zu denken und im Zweifelsfall die Leberwerte zu kontrollieren“, so der Experte. Selten, dafür besonders gefährlich, ist ein akutes Leberversagen: Für viele der Patienten verläuft dieses – trotz Behandlung – tödlich.

An Dosierungsempfehlungen halten

Um unerwünschten Schäden vorzubeugen, rät die DGVS dringend dazu, Einnahmeempfehlungen der Hersteller zu beachten. „Leberschäden treten häufig durch Überdosierungen oder Überschreitungen der vorgeschriebenen Therapiedauer auf“, erklärt Galle. Bestätigt sich der Verdacht, dass ein Medikament die Leber geschädigt hat, sollte es möglichst rasch abgesetzt werden. „Dies sollte jedoch niemals auf eigene Faust, sondern stets in Absprache mit dem Arzt erfolgen“, warnt der Mediziner.

Auch pflanzliche, nicht verschreibungspflichtige Naturheilmittel, könnten auf die Leber toxisch wirken. „Leider sind die Wirkungen oft unvorhersehbar. Denn manche Menschen reagieren empfindlicher als andere“, sagt Galle.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 25.06.2013
  • Autor/in: vitanet.de-cl
  • Quellen: Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)
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