Augentraining wirkungslos

Die Sehstärke lässt mit dem Alter nach. Viele versuchen dem entgegenzuwirken: mit Augentraining oder einer speziellen Diät. Doch das ist zwecklos.

Frau blickt nach oben © Thinkstock
(Mainz/Schlüsselfeld – 09.04.2013) Am Anfang erscheinen vielleicht nur die Passanten auf der anderen Straßenseite oder die Details am Ende des Gartens etwas unscharf und zum Autofahren in der Nacht muss eine Brille her. Im Laufe des Lebens lässt bei vielen Menschen die Sehkraft mehr und mehr nach. Spätestens ab dem 45. Lebensjahr trifft dann die Alterssichtigkeit nahezu jedes Auge und die Nahsehschärfe nimmt ab – das Lesen wird schwieriger.

Das alles ist in den meisten Fällen ganz normal und kein Grund zur Beunruhigung. „Wir müssen unseren Patienten aber häufig Ängste nehmen“, sagt Augenarzt Christian Wolfram von der Universitäts-Augenklinik in Mainz. Denn die Vorstellung, dass das Lesen unter der Bettdecke oder das Starren auf einen Monitor die Augen nachhaltig verderbe, halte sich hartnäckig. Solch einseitige Belastungen der Augen führen jedoch in der Regel nicht dazu, dass die Sehkraft schneller abnimmt.

Augentraining hilft nicht

Trotzdem gibt es unzählige Bücher mit Augenübungen, Augentraining und anderen Tipps, die helfen sollen, die Brille wieder loszuwerden oder zumindest den Verlust der Sehstärke aufzuhalten. Aber was ist dran am Training für die Augen? Der Schlüsselfelder Augenarzt Peter Heinz, Vorstandsmitglied im Bundesverband der Augenärzte, hält nicht viel davon: „Kurz- und Weitsichtigkeit sind genetisch festgelegt und lassen sich nicht durch Sehtraining, Medikamente oder spezielle Ernährung verbessern.“

Aber der Augenarzt weiß, dass viele Betroffene etwas tun wollen, wenn die Augen schlechter werden. „Es verunsichert natürlich, wenn man nicht mehr richtig gut sehen kann, wenn die Augen schneller müde werden. Die Betroffenen wollen dann gern selbst aktiv werden“, erklärt Peter Heinz. Und hier öffne sich ein Markt, auf dem sich viel Geld verdienen lasse.

Brille wird oft als Makel empfunden

Außerdem werde eine Brille von vielen Menschen als Makel empfunden. „Vielen kommt eine Brille vor wie eine Krücke, die ein Defizit sichtbar macht“, sagt Heinz. Betroffene versuchten aus diesem Grund häufig, den Verlust der Sehstärke etwa mit Vitaminpräparaten oder speziellen Übungen zu verhindern, so der Arzt. „Aber genauso wenig, wie das Tragen einer Brille dazu führt, dass die Augen schneller schlechter werden, helfen Übungen und Nahrungsergänzungsmittel, die Augen länger sehstark zu halten.“

„Für diejenigen, die viel im Nahbereich arbeiten, etwa den ganzen Tag vorm Monitor sitzen, kann es sinnvoll sein, einmal in der Stunde in die Ferne zu schauen“, rät Heinz. Das hält zwar eine zunehmende Sehschwäche nicht auf, entspannt aber die Muskulatur, die durch die Fokussierung auf den Nahbereich belastet ist. „Und nach einem langen Blick aus dem Fenster kann man sich oft auch wieder besser auf die Buchstaben auf dem Monitor konzentrieren“, sagt der Augenarzt.

Vernünftige Ernährung ist sinnvoller als Augentraining

„Eine vernünftige und ausgewogene Ernährung hat eine positive Wirkung auf den gesamten Organismus und da machen die Augen keine Ausnahme“, so Peter Heinz. Eine Mangelernährung kann also tatsächlich dazu führen, dass sich die Sehschärfe verschlechtert. „Nur sind die meisten Menschen in Deutschland weit von einer Mangelernährung entfernt und müssen deswegen nicht mit Nahrungsergänzungsmitteln nachhelfen“, erklärt der Augenarzt. Für Heinz gibt es nur eine Ausnahme, bei der es sich lohnen kann, über eine spezielle Diät für die Augen nachzudenken, und das ist die altersbedingte Makuladegeneration (AMD). „Werden die Anzeichen früh erkannt, kann man mit einer speziellen bilanzierten Diät und Nahrungsergänzungsmitteln den Verlauf der Erkrankung beeinflussen“, sagt Heinz. Aber das müsse mit dem Arzt besprochen werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 09.04.2013
  • Autor/in: vitanet.de-cl
  • Quellen: dapd
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