Check-ups sinnlos?

Eine Studie legt nahe: Gesundheits-Check-ups bringen kaum Vorteile. Sie senken die Zahlen der Todesfälle und Krankenhausaufenthalte nicht.

Stethoskop © Thinkstock
(Kopenhagen – 18.10.2012) Ein regelmäßiger Check-up beim Hausarzt bringt weniger als erhofft. Das haben dänische Forscher bei der Auswertung von 14 Studien mit mehr als 180.000 Menschen festgestellt. Teilnehmer, die regelmäßig an einer kostenlosen gesundheitlichen Vorsorgeuntersuchung teilnahmen, starben genauso häufig an einer Krankheit wie solche ohne diese Untersuchungen. Auch die Zahl der Krankenhauseinweisungen, der Krankschreibungen und Überweisungen an Fachärzte seien bei beiden Gruppen gleich, berichten die Forscher des Nordic Cochrane Centre in Kopenhagen im Fachmagazin „Cochrane Database of Systematic Reviews“. Das Ergebnis deute darauf hin, dass diese Form der unspezifischen Check-ups nur wenige gesundheitliche Vorteile bringe.

„Wir sagen damit nicht, dass Ärzte aufhören sollen, Tests durchzuführen, wenn sie eine bestimmte Krankheit vermuten“, betont Lasse Krogsbøll, Autor der Studie. Auch gezielte Früherkennung wie beispielsweise die Krebsvorsorge beim Frauenarzt sei damit nicht gemeint. Aber die Auswertung zeige, dass es wenig sinnvoll sei, beschwerdefreie Menschen zu allgemeinen Allround-Checks ihrer Gesundheit einzuladen.

In Deutschland bezahlen Kassen den Check-up ab 35

In Deutschland bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen ihren Versicherten ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre einen sogenannten Gesundheits-Check-up beim Hausarzt. Dieser prüft unter anderem den allgemeinen körperlichen Zustand und nimmt Blut- und Urinproben. Krankenkassen und Mediziner hoffen, dass durch diese vorbeugenden Untersuchungen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes und andere Krankheiten früher entdeckt werden. Eine rechtzeitige Behandlung soll dann einem schweren Verlauf vorbeugen. Die Daten der Cochrane-Forscher legen nun nahe, dass diese Hoffnung sich wohl nicht bestätigt.

Für ihre Studie hatten die Forscher 14 Langzeitstudien mit insgesamt 182.880 Teilnehmern ausgewertet. Alle Studien hatten verglichen, wie sich die Gesundheit von Probanden, die regelmäßig zu einer kostenlosen Gesundheitsvorsorge eingeladen wurden, im Vergleich zu solchen entwickelte, die nicht an einem Vorsorgeprogramm teilnahmen. Die Studien umfassten dabei Zeiträume von bis zu 22 Jahren.

Mehr Diagnosen – aber genauso viele Todesfälle

Die Auswertung zeigte, dass durch die Check-ups in einigen Studien tatsächlich mehr Patienten mit hohem Blutdruck und erhöhten Blutfettwerten identifiziert wurden. In einer Studie seien bei den Patienten im Durchschnitt 20 Prozent häufiger bestimmte Leiden diagnostiziert worden als ohne Check-ups, berichten die Wissenschaftler. Langfristig habe man aber keine signifikanten Unterschiede im gesundheitlichen Werdegang der Patienten, beispielsweise bei Krankenhauseinweisungen, Facharztbesuchen oder Krankschreibungen, feststellen können. In beiden Gruppen seien zudem etwa genauso viele Menschen an Krebs, einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder einer anderen Krankheit gestorben.

„Ein Grund für den geringen Effekt könnte sein, dass Hausärzte Krankheiten oft auch dann erkennen und diagnostizieren, wenn ein Patient ursprünglich wegen einer ganz anderen Sache bei ihnen ist“, mutmaßt Krogsbøll. Das könnte den zusätzlichen Check-up beim Hausarzt im Prinzip überflüssig machen. Hinzu komme, dass nicht alle, die es nötig hätten, einer Einladung zum Check-up auch folgten. Gerade Patienten mit einem hohen Risiko für eine Erkrankung scheuten sich oft, zum Arzt zu gehen, sagen die Forscher.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 18.10.2012
  • Autor/in: vitanet.de-cl
  • Quellen: dapd
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