Zahnspange für Erwachsene?

Eine Zahnkorrektur ist in jedem Alter möglich: Immer mehr Erwachsene entscheiden sich für eine Zahnspange. Doch das hat Vor- und Nachteile.

Frau mit Zahnspange. © Thinkstock
(Bremervörde/Köln – 06.08.2012) Gestell, Draht und kleine Blöcke, die auf den Zähnen kleben – wer an Zahnspangen denkt, dem fallen wohl als Erstes Kinder und Teenager ein. Aber seit die Spangen unauffälliger geworden sind, entscheiden sich auch mehr Erwachsene für eine Zahnkorrektur. Auch bei ihnen können sich Zähne noch drehen, verschieben, wandern und ausfallen. So können unschöne Lücken oder sich ein Engstand der Zähne verstärken.

Keine Altersgrenze für Zahnspangen

„Die Erfahrung zeigt, dass die Altersgruppe zwischen 35 und 45 sehr gesundheitsbewusst ist und vermehrt nach kieferorthopädischen Behandlungsmöglichkeiten fragt“, sagt die Bremervörder Kieferorthopädin Gundi Mindermann, Vorsitzende des Berufsverbandes der Deutschen Kieferorthopäden (BDK).

„Selbstverständlich soll das Lächeln schöner werden“, nennt Mindermann als einen Grund. Einige Patienten kommen aus rein ästhetischen Gründen. „Aber den meisten geht es um den Zusammenhang von Funktion, Zahnfehlstellung, Parodontose, Kariesprophylaxe und Verbesserung der Grundlagen für eine prothetische Versorgung.“  

Für eine Zahnkorrektur gibt es keine Altersgrenze. Einzige Voraussetzung ist ein gut gepflegtes Gebiss. „Meine älteste Patientin war fast 80 Jahre alt, hatte nur noch die unteren sechs Frontzähne und ein neuer Zahnersatz war geplant“, erzählt die Kieferorthopädin. „Ihre eigenen Zähne wurden korrekt aufgestellt, die Eckzähne achsengerecht aufgerichtet und so konnte der neue Zahnersatz entsprechend besser gearbeitet werden.“

Kieferorthopädische Behandlung: ja oder nein?

Das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (Dimdi) hat 2010 eine große Studie über Kieferorthopädische Behandlungen vorgelegt. Gregor Bornes von der Kompetenzstelle Zahngesundheit der Unabhängigen Patientenberatung in Köln hält zwei Ergebnisse für wichtig, die in die Entscheidung für oder gegen eine Zahnspange einbezogen werden sollten: „Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die Kieferorthopädie dazu führt, dass die Zähne länger halten oder man mit gerade stehenden Zähnen besser kauen kann“, sagt Bornes. „Mit einer Zahnspange greift man in der Regel in ein funktionierendes System ein und kann die Folgen vorher nicht genau abschätzen.“ So kann es beispielsweise vorkommen, dass Erwachsene nach der Zahnspange mit dem Knirschen beginnen oder sich nur noch mit ihren Zähnen beschäftigen.

Die Gefahr bei Zahnspangen

Über die Nebenwirkungen einer Zahnkorrektur bei Erwachsenen ist noch nichts bekannt. „Wenn man einen Zahn bewegen möchte, wird eine kontrollierte Entzündung produziert“, erklärt Bornes. Die Spange übt auf den Zahn in der Zahntasche Druck und Zug aus. Dort, wo Druck entsteht, baut sich der Knochen ab und dort, wo die Zugkraft der Spange wirkt, baut sich Knochen auf. Der Zahn bewegt sich so in die gewünschte Richtung. „Die Entzündung, die dabei entsteht, kann beispielsweise auf die Zahnwurzel übergehen und dazu führen, dass sie sich abbaut“, warnt Bornes. Über die Ursachen der sogenannten Wurzelresorption ist bisher wenig bekannt. „Die Umstellung der Zähne ist aufwendiger und aufgrund der unterschiedlichen knöchernen Reaktion oft auch schwieriger als bei Jugendlichen“, sagt auch Mindermann. „Aber Wurzelverkürzungen können sowohl im Jugend- wie im Erwachsenenalter auftreten.“

Kieferorthopädin Gundi Mindermann weist auf die positiven Aspekte einer Spangenbehandlung hin: „Wenn gekippte Zähne aufgerichtet werden, entstehen weniger riskante Zahnfleischtaschen und wenn Zähne, die nur noch wenig im Knochen stehen, in diesen wieder hineinbewegt werden, bieten sie besseren Halt für eine lange Kaubelastung.“

Ausführliche Beratung ist unerlässlich

„Fragen Sie Ihren Kieferorthopäden nach den Risiken und Nebenwirkungen und behalten Sie im Hinterkopf, dass die Zahnkorrektur ein starker Markt ist“, sagt Bornes. Denn die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die meist ein- bis zweijährige Behandlung in Höhe von mehreren Tausend Euro nicht, wenn der Patient bei Beginn über 18 Jahre alt ist. Es sei denn, es ist eine kombinierte chirurgisch-kieferorthopädische Behandlung oder sie ist nach einem Unfall nötig.  

„Auch wenn Kieferorthopäden sagen, eine Korrektur sei medizinisch notwendig, sollte man sich eine zweite Meinung holen“, rät der Experte. Eine ausführliche Beratung hält auch Mindermann für notwendig: „Eine fundierte Diagnostik ist für den Patienten die Grundlage seiner Behandlungsentscheidung“, sagt die Kieferorthopädin. Der Arzt sollte in einem Beratungsgespräch auf die Intensität der Fehlstellung eingehen, auf die Wurzelresorption hinweisen und individuell auf den Patienten bezogen einschätzen, ob die Zahnspange wirklich die richtige Entscheidung ist.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 06.08.2012
  • Autor/in: vitanet.de-cd
  • Quellen: dapd
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