Das große Gähnen

Zurzeit quält viele die Frühjahrsmüdigkeit. Was sind eigentlich die Ursachen dafür? Und wie kommt man wieder in die Gänge?

Frau gähnt © Thinkstock
(Marburg – 12.03.2012) Licht macht wach. Man sollte also meinen, dass die Menschen in diesen Tagen, in denen die Sonne nach und nach den Wecker ersetzt, immer munterer werden. Stattdessen schleppen sich aber viele müde und mit bleiernen Gliedern durch den Tag. „Ein Grund dafür ist ein unbemerktes Schlafdefizit", erklärt der Diplom-Psychologe Werner Cassel vom Schlafmedizinischen Zentrum des Universitätsklinikums Gießen und Marburg.

„Wenn die Tage wieder länger werden, gehen die meisten Leute unwillkürlich ein bisschen später ins Bett und wachen ein bisschen früher auf“, erklärt der Psychologe. Das kann im Sommer-Winter-Unterschied bis zu einer halben Stunde pro Nacht ausmachen – und ist Erholungszeit, die erst einmal fehlt.

Schlafumstellung im Frühjahr

Die kürzere Schlafdauer ist dabei aber eigentlich nicht das Problem: Der Schlaf im Winter erstreckt sich über eine etwas längere Zeitspanne als der „Sommerschlaf“ und ist dadurch etwas weniger tief, erläutert Cassel: „Der Schlaf ist im Winter insgesamt etwas flacher. Was völlig in Ordnung ist, solange er auch länger dauert.“ Im Frühjahr treffen nun häufig der flachere Schlaf und die kürzer werdende Schlafdauer aufeinander.

Dazu kommt, dass der Speiseplan vieler Menschen im Winter eher süß und fett als vitamin- und mineralstoffreich ist. Das Immunsystem ist auf eine gute Nährstoffversorgung angewiesen und deshalb nach dem Winter oft besonders geschwächt. Das macht anfällig für Infekte, sondern auch müde. „Viele Leute erwischt eine Erkältung deshalb eher im März als im Dezember“, erklärt Cassel.

Gesunde Ernährung und frische Luft

Um wieder in die Gänge zu kommen, rät der Schlafexperte zu einer vollwertigen Ernährung mit viel Vollkornprodukten, Gemüse und Obst. Ebenso wichtig ist es, so viel Licht wie möglich auszusetzen. Sonnenlicht ist für den frühjahrsmüden Menschen wie Medizin – nicht zuletzt, weil er es braucht, um Vitamin D zu bilden.

Je mehr Licht ein Mensch vor allem in der ersten Tageshälfte bekommt – ob auf dem Weg zur Arbeit oder in der Mittagspause – desto tiefer kann er auch nachts schlafen. Das Licht aktiviert im Körper die Produktion des Hormons Serotonin, das für gute Stimmung und Wohlgefühl sorgt. Darüber hinaus kurbeln auch Bewegung an der frischen Luft und Wechselduschen Kreislauf und Hormonhaushalt an. Der nächtliche Tiefschlaf wird dadurch ebenfalls gefördert. „Nach einer Anpassungszeit von drei bis vier Wochen ist dann meist wieder alles im Lot“, beruhigt Cassel.
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