Was kann Vitamin C?

Schnell die Vitamin-C-Tablette eingeworfen und der Schnupfen ist besiegt? Der Nutzen des Vitamins bei Erkältung ist umstritten.

Zitrone Vitamin C © Thinkstock
(Helsinki/Washington – 23.01.2012). Niesen, Husten, laufende Nase – bei nasskaltem Winter haben Erkältungen Hochsaison. Viele Menschen versuchen, einen drohenden Schnupfen mit der Einnahme von Vitamin C abzuwenden. Der Griff zur Vitamin-Sprudeltablette bei den ersten Anzeichen für eine Erkältung ist für viele Menschen Routine. Das Vitamin soll die Abwehrkräfte stärken und so dem Körper helfen, die Krankheitserreger zu bekämpfen. Aber wie gut wirkt die Substanz tatsächlich?

Vitamin C kann die Erkältung nicht aufhalten

Viele Forscher bezweifeln die These vom Allheilmittel Vitamin C. Verschiedene Studienergebnisse sprechen ebenfalls dagegen. So ergab eine Untersuchungen an mehr als 11.000 Menschen weltweit, dass ein Schnupfen weder verhindert noch verkürzt wird, wenn man täglich 200 Milligramm Vitamin C zu sich nimmt. Diese Dosis ist doppelt so hoch wie die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlene Tagesration von 100 Milligramm.

„Es ist daher nicht sinnvoll, 365 Tage im Jahr Vitamin C einzunehmen, nur um das Risiko eines Schnupfens zu verringern“, erklärt Harri Hemilä von der Universität von Helsinki, der sich seit Jahren mit dem Vitamin befasst. Eine hohe Vitamin C-Dosis wirkt nur bei den Menschen, die zuvor zu wenig davon im Körper hatten oder beispielsweise bei Extremsportlern, die starkem körperlichem Stress ausgesetzt sind. In diesen Fällen kann die Einnahme von Vitamin C die Schnupfenanfälligkeit reduzieren.

Ob eine einzige, besonders hohe Vitamin C-Dosis direkt am Anfang eines Schnupfens diesen noch stoppen kann, ist umstritten. „Das Vitamin C könnte dazu beitragen, eine Erkältung zu verkürzen, aber es scheint nicht gegen eine Infektion oder gegen den Ausbruch der Krankheit zu schützen“, erklärt die Medizinerin Linda Vorvick von der University of Washington.

Helfer für das Immunsystem

Vitamin C ist nach derzeitigem Kenntnisstand zwar kein Allheilmittel, aber auch nicht vollkommen nutzlos. Der Körper benötigt die Substanz, damit das Immunsystem richtig funktioniert. Das Vitamin wandelt aggressive chemische Substanzen, die sogenannten freien Radikale, zu harmloseren Verbindungen um.

In der Regel ist auch zu viel Vitamin C nicht schädlich. Überschüssiges Vitamin C kann dank seiner Wasserlöslichkeit einfach über den Urin ausgeschieden werden. Eine Überdosierung ist daher nicht möglich.

Trotzdem sollten beispielsweise Diabetiker im Umgang mit Vitamin-C-Präparaten vorsichtig sein. Studien haben gezeigt, dass bei ihnen eine dauerhafte Aufnahme hoher Vitamin-C-Dosen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen kann.

Besser Obst als Vitaminpillen

Viele Experten warnen ohnehin davor, wahllos Vitaminpillen zu schlucken. Nutzen und Risiken isolierter Wirkstoffe, wie sie in entsprechenden Präparaten vorkommen, sind nicht ausreichend untersucht. „Ob der Körper die in Tabletten, Kapseln oder Konzentraten vorhandenen Inhaltsstoffe überhaupt aufnehmen kann, ist nicht belegt", schreibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Es sei in jedem Fall sinnvoller und gesünder, regelmäßig Obst und Gemüse zu essen.
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