Migräne ist Frauensache

Immer wiederkehrende, unerträgliche Kopfschmerzen – oft mit Übelkeit verbunden. Warum leiden deutlich mehr Frauen als Männer unter Migräne?

(Hamburg – 29.11.2011) Migräne ist überwiegend Frauensache: Fast neun Millionen Menschen in Deutschland leiden an Migräne. 70 Prozent, also rund 6,3 Millionen, sind Frauen. Der aktuelle Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt, dass die Zahl der Frauen, die im Jahr 2010 Medikamente gegen Migräne (Triptane) verschrieben bekommen haben, in einzelnen Altersgruppen sogar sechsmal höher ist als die Zahl der Männer.

Warum sind Frauen häufiger betroffen?

Wissenschaftler vermuten zwei Gründe: Viele Formen der Migräne sind vom Hormonhaushalt der Frauen abhängig. Zudem scheint es eine Rolle zu spielen, dass das Schmerzempfinden im Gehirn bei Frauen anders funktioniert als bei Männern.

Kopfschmerzen und Migräne plagen Frauen besonders in der Zeit zwischen der Pubertät und den Wechseljahren. Die TK-Gesundheitsexpertin Gudrun Ahlers erklärt: „In der Pubertät steigt der Anteil der jungen Frauen mit Migräne stark an. 13 von 1.000 Mädchen und jungen Frauen zwischen 15 und 19 Jahren müssen mit Triptanen behandelt werden, aber nur drei von 1.000 männlichen Jugendlichen in dieser Altersgruppe.“

Dabei spielen die Hormone eine entscheidende Rolle: Testosteron scheint die Schmerzempfindlichkeit zu reduzieren, dagegen scheinen Östrogene die Schmerzempfindlichkeit ansteigen zu lassen. Nach den Wechseljahren, wenn der Östrogenspiegel der Frauen sinkt, geht auch die Zahl der Migränefälle deutlich zurück.

Frauen empfinden Schmerzen anders als Männer

Neben dem Hormonhaushalt spielt womöglich auch das Schmerzempfinden an sich eine Rolle bei der Migräne. Der Kieler Schmerzforscher Professor Dr. Hartmut Göbel: „Bei Frauen wird das Zentrum im Gehirn stärker angesprochen, das für die gefühlsmäßige Tönung von Schmerzen verantwortlich ist. Das männliche Gehirn zeigt bei Schmerzreizen eine stärkere Aktivität in den kognitiven und analytischen Bereichen“. Wie diese unterschiedlichen Schmerzempfindungen genau mit Migräne zusammenhängen, ist allerdings bis heute unklar.
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