Stress für die Zähne

Viele Menschen bauen unbewusst Stress ab, indem sie mit den Zähnen knirschen – mit ungeahnten, gesundheitlichen Folgen.

(Aachen – 22.11.2011) Muskelverspannungen beim Aufwachen, Muskelkater in der Kaumuskulatur, Kopfschmerzen im vorderen Schläfenbereich: „All diese Beschwerden können darauf hinweisen, dass ein Mensch beim Schlafen regelmäßig mit den Zähnen knirscht“, erklärt die Vorsitzende des Berufsverbandes der Deutschen Kieferorthopäden Gundi Mindermann.

Um einen solchen Verdacht abzuklären, brauchen Zahnärzte meist nur einen kurzen Blick in den Mund der Betroffenen zu werfen. „Eckzähne mit abgeschmirgelten Spitzen, wellige Schneidezähne und alle Arten von Abriebstellen zeigen uns sofort, welche Kräfte am Wirken sind“, erklärt Mindermann. Wer über Jahre knirscht, kann seine Zähne schlimmstenfalls bis auf das Zahnfleisch heruntermahlen. Gegen Zähneknirschen sollte also unbedingt etwas unternommen werden.

Zähneknirschen: Ein Ventil für Stress

Wer knirscht, arbeite sich in den meisten Fällen an beruflichem oder persönlichem Stress ab, sagt Sabine Köhler, Leiterin des Medizinischen Beratungsdienstes der Zahnärzte (MDZ). Geknirscht wird meist unbewusst und vor allem im Schlaf. Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) schätzt, dass etwa ein Drittel aller Deutschen mit den Zähnen knirscht.

Bei Kindern und Jugendlichen ist der Anteil noch höher. „Das liegt aller Wahrscheinlichkeit nach daran, dass der Druck, den Schule und Gesellschaft auf Kinder und Jugendliche ausüben, größer geworden ist“, erklärt Mindermann. Auch junge Erwachsene zwischen 30 und 40 zählen häufig zu den Knirschern.

Was kann man gegen das Knirschen tun?

Um gegenzusteuern, empfiehlt Mindermann Stressabbau und Entspannungstechniken wie Autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Yoga und Sport. „Wichtig ist, dass sich die Betroffenen ihres Knirschens bewusst werden und sich für Gegenmaßnahmen täglich Zeit nehmen“, ergänzt Sabine Köhler vom MDZ.

Faktoren wie Anspannung, Stress oder Ängste sind aber nicht immer für das Problem verantwortlich. Manchmal hat Zähneknirschen anatomische Ursachen. Fehlstellungen von Kiefer und Zähnen können Knirschen fördern oder sogar hervorrufen. Zähneknirschen ist in der Regel übrigens nicht mit Schmerzen am Zahn selbst verbunden. Der entsprechende Nerv zieht sich bei dauerhaftem Zähneknirschen Stück für Stück zurück, sodass die Schmerzempfindung unterbunden wird.

Aufbissschienen helfen

Zahnmedizinisch kann das Knirsch-Problem mit einer Aufbissschiene gelöst werden: „Der Patient zerstört ab sofort nicht mehr seine Zähne sondern die Schiene", sagt Kieferorthopädin Mindermann. Auch Kaumuskeln und Kieferknochen werden so weniger belastet. Folgen wie Muskelverspannungen und Kieferschmerzen werden gemindert. Es sei jedoch wichtig, die Ursachen anzugehen, betont Mindermann: „Die Schiene bietet einen wirkungsvollen Schutz – aber sie heilt nicht."
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