Ursache der Schlafkrankheit Narkolepsie: geklärt

Bisher war die Ursache für die seltene Schlafkrankheit Narkolepsie nicht bekannt. Jetzt sind ihr Forscher auf den Grund gegangen – mit Erfolg.

Frau ist eingeschlafen © iStock
(Witten – 12.11.2018) Bei der Schlafkrankheit Narkolepsie werden Nervenzellen zerstört, die Hypocretin produzieren. Das war bekannt. Die Ursache dafür nicht. Ein Forscherteam aus der Schweiz konnte nun nachweisen, dass autoreaktive T-Lymphozyten dafür verantwortlich sind. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht.

Narkolepsie: Symptome und Erscheinungsbild

Narkolepsie ist eine seltene neurologische Erkrankung und betrifft zirka 40.000 Menschen in Deutschland. Hauptsymptome der Erkrankung sind eine chronische und schwere Tagesschläfrigkeit, Einschlafattacken und kataplektische Anfälle, also ein plötzlicher Verlust der Muskelanspannung, ausgelöst durch Emotionen. Zudem können neuropsychiatrische, motorische und metabolische Störungen auftreten. Das sind Störungen, die Nerven und Psyche, den Bewegungsablauf oder den Stoffwechsel betreffen. Personen, die an Narkolepsie leiden, sind weniger leistungs- und arbeitsfähig. Ihre Lebensqualität ist stark beeinträchtigt.

Erste Symptome treten oft während der Pubertät beziehungsweise im jungen Erwachsenenalter auf, aber auch kleine Kinder können betroffen sein. Derzeit vergehen von den ersten Beschwerden bis zur Diagnose im Durchschnitt über zehn Jahre. Die Diagnose wird in der Regel durch die Anamnese, Schlaflaboruntersuchungen und eine Nervenwasseruntersuchung, in der der Hypocretinwert untersucht wird, gestellt.

Die Ursachen von Narkolepsie

Verursacht wird Narkolepsie durch einen allmählichen und vermutlich irreversiblen Verlust von Nervenzellen, die Hypocretin produzieren. Hypocretin ist ein Neuropeptid, das wesentlich für die Erhaltung von Schlaf- und Wachzuständen ist, aber auch relevant für das Emotions-, Ernährungs- und Belohnungsverhalten. Bisher ist bekannt, dass dafür sowohl eine bestimmte genetische Veranlagung – das Vorliegen des sogenannten HLA-Allel DQB1*0602 Haplotyps – wie auch Umweltfaktoren, wie bestimmte Infektionen oder einzelne Impfstoffe, gemeinsam vorliegen müssen. Der Mechanismus, der zu der Zerstörung der Neurone geführt hat, war bisher unbekannt.

T-Zellen zerstören Neurone

In der aktuellen Studie untersuchte die Forschungsgruppe den Bestand von T-Zellen – also T-Lymphozyten, die eine wichtige Rolle im Immunsystem spielen – im Blut von Narkolepsie-Erkrankten. Es gelang erstmalig T-Lymphozyten des Untertyps CD4,  in einigen Fällen auch solche des Untertyps CD8, zu identifizieren, die gegen Hypocretin und gegen ein anderes Protein („TRIB2“) reagieren. Diese T-Zellen können eine Entzündung hervorrufen, wodurch Neurone zerstört werden oder sie können möglicherweise auch unmittelbar spezifisch die Neurone zerstören, in denen Hypocretin produziert wird.

Behandlung der Schlafkrankheit: bisher rein symptomatisch

Die Behandlung der Narkolepsie ist rein symptomatisch. Eine Heilung – bisher nicht möglich. Neben Verhaltensmaßnahmen, also dass Schlafzeiten auch tagsüber eingeplant sind, helfen Medikamente. Verschiedene Stimulanzien beziehungsweise wachfördernde Medikamente können die Tagesmüdigkeit, andere Medikamente die kataplektischen Anfälle lindern.

Hoffnung auf schnellere Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten

Die Ergebnisse der Studie können dazu beitragen, dass durch eine Blutuntersuchung auf autoreaktive T-Lymphozyten gegenüber Hypocretin, die Narkolepsie einfacher und schneller diagnostiziert wird und somit auch schneller behandelt werden kann. So könnten Betroffene beispielsweise die Schule erfolgreich abschließen oder studieren. Außerdem können durch die Kenntnis der genauen Ursache – die autoreaktiven T-Zellen – diese Zellen nun möglicherweise zu Beginn der Erkrankung unterdrückt werden, sodass der weitere Zelluntergang verlangsamt oder sogar gestoppt wird. Die Schwere der Narkolepsie oder sogar das Fortschreiten der Erkrankung insgesamt könnten dadurch beeinflusst werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 12.11.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Universität Witten/Herdecke vom 12.10.2018: Forscher decken Ursachen der seltenen Schlafkrankheit Narkolepsie auf
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