Ohnmacht erblich?

Eine Studie zeigt: Treffen bestimmte väterliche und mütterliche Gene aufeinander, kann es zu einer Anfälligkeit für Blackouts kommen.

Frau fällt in Ohnmacht. © Thinkstock
(Minneapolis – 07.08.2012) Wer häufig in Ohnmacht fällt, dem liegt dies wahrscheinlich in den Genen: Die Neigung, bei Schmerzen, Schock oder beim Anblick von Blut das Bewusstsein zu verlieren, wird von Eltern und Vorfahren vererbt – das zeigt die Studie eines deutsch-australischen Forscherteams an 51 ein- und zweieiigen Zwillingspaaren.

Neigung zu Ohnmachtsanfällen veranlagungsbedingt

Bei den eineiigen Zwillingen waren doppelt so oft beide Geschwister von häufigen Ohnmachtsanfällen betroffen wie bei den zweieiigen. Das sei ein starkes Indiz für eine genetische Komponente, berichten Karl-Martin Klein von der Philipps-Universität Marburg und seine Kollegen im Fachmagazin „Neurology“. Allerdings ist nicht ein einzelnes Gen für die Neigung zur Ohnmacht verantwortlich: Das Ergebnis deutet auf eine komplexe Vererbung hin, an der zahlreiche Gene beteiligt sind.

„Jeder Vierte erlebt mindestens einmal in seinem Leben eine sogenannte vasovagale Ohnmacht“, schreiben die Forscher. Dabei handelt es sich um eine Reflexreaktion, bei der sich die Blutgefäße weiten. Blutdruck und Herzfrequenz sinken kurzzeitig ab und das Gehirn wird schlechter durchblutet – es wird einem schwummerig und man fällt in Ohnmacht. Ausgelöst wird diese Reaktion oft durch starke emotionale Reize wie Schreck oder plötzlicher Stress.

„Bislang ist umstritten gewesen, ob die Neigung zu solchen Ohnmachtsanfällen eher genetisch bedingt oder durch Umweltfaktoren beeinflusst ist“, sagt Studienleiter Samuel Berkovic von der University of Melbourne in Australien. Jetzt zeigt sich: Die erbliche Veranlagung ist ausschlaggebend, wenn die Ohnmachtsanfälle häufig auftreten und durch die typischen Auslöser verursacht werden. Bei seltenen Blackouts ohne klassische Auslöser spielen dagegen Umweltfaktoren die dominierende Rolle.

51 Zwillingspaare mit Ohnmachtsanfällen

Für ihre Studie hatten die Forscher in Australien gezielt nach Zwillingspaaren gesucht, bei denen wenigstens eines der beiden Geschwister an häufigen Ohnmachten litt. Bei 51 Paaren, davon 33 eineiigen und 18 zweieiigen Zwillingen, wurden sie fündig. Darunter waren sowohl Männer als auch Frauen im Alter von neun bis 69 Jahren. In Telefoninterviews und durch Auswertung der medizinischen Unterlagen ermittelten die Forscher den Gesundheitszustand aller Studienteilnehmer und die Häufigkeit und Umstände der Ohnmachten – sowohl bei ihnen selbst als auch bei ihren Familienangehörigen.

Bei drei Viertel der eineiigen Zwillinge fiel auch das Geschwisterkind sehr schnell und häufig in Ohnmacht, bei den zweieiigen war dies nur halb so oft der Fall. Diese unterschiedlichen Übereinstimmungsraten seien ein deutliches Zeichen für genetische Faktoren, sagen die Forscher. Weil eineiige Zwillinge aus derselben Eizelle hervorgehen, besitzen sie die gleichen Gene. Zweieiige Zwillinge entstehen aus zwei verschiedenen Eizellen und haben daher die gleichen genetischen Unterschiede wie zwei nacheinander geborene Geschwister.

Bei fast zwei Dritteln der eineiigen Zwillingspaare waren keine oder nur wenige andere Familienmitglieder betroffen, bei den restlichen teilweise gleich mehrere. Dieses Muster passe nicht zu einem einzigen, dominant vererbten Auslöse-Gen, erklären die Forscher. Denn bei einer solchen Form der Vererbung zeigt jeder Träger dieses Gens die Krankheitsmerkmale. Daher müssten auch die Eltern der betroffenen Zwillinge an häufigen Ohnmachten leiden. Da das nicht der Fall sei, deutet dies darauf hin, dass mehrere Genvarianten zusammenkommen müssten, um die Ohnmacht-Neigung hervorzurufen, sagen die Wissenschaftler.

Die Eltern vererben dann jeweils einige dieser Genvarianten an ihre Nachkommen und erst in dem betroffenen Kind führt die Kombination dieser Gene dazu, dass es schnell ohnmächtig wird. Hinweise auf eine geschlechtsspezifische Weitergabe der Veranlagung habe man nicht gefunden, berichten die Forscher. Jungen und Mädchen sind demnach gleichermaßen betroffen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 07.08.2012
  • Autor/in: vitanet.de-cd
  • Quellen: dapd
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