Gestörtes Gedächtnis

Mit Antidepressiva lassen sich Depressionen wirksam behandeln – die Mittel beinträchtigen aber auch das Lernen und können zu Gedächtnisstörungen führen.

Frau nimmt Tablette © Thinkstock
(Berlin – 04.09.2014) Menschen mit Depressionen sind antriebslos, wirken nach außen müde und schlapp. Doch innerlich sind sie angespannt und das Gehirn arbeitet auf Hochtouren. Eine der wirksamsten Therapien ist nach wissenschaftlichen Erkenntnissen die Unterdrückung des sogenannten REM-Schlafs mit bestimmten Antidepressiva. Dieser Wirkmechanismus beeinflusst jedoch auch die kognitiven Leistungen: In den REM-Schlafphasen werden Erinnerungen im Langzeitgedächtnis verfestigt und fördern damit das prozedurale Lernen. Das sind automatisierte Lernvorgänge wie etwa Klavierspielen oder Fahrradfahren.

Symptome der Erkrankung oder Nebenwirkungen der Medikamente?

Bisherige Studien zeigten, dass depressive Menschen in ihrem prozeduralen Lernen beeinträchtigt sind und ein erhöhtes Risiko haben, an kognitiven Störungen oder Demenz zu erkranken. Doch sind diese Symptome Ausdruck der Erkrankung oder werden sie erst durch die Antidepressiva hervorgerufen? Dieser Frage ging die Arbeitsgruppe um Privatdozent Dr. Dieter Kunz vom Institut für Physiologie der Charité - Universitätsmedizin Berlin in einer experimentellen Studie nach.

Vor dem Zubettgehen sollten sich 25 gesunde Teilnehmer visuelle Muster merken. Anschließend bekamen sie entweder ein Placebo oder das Antidepressivum Amitriptylin verabreicht. Am nächsten Abend wurde der Lernerfolg getestet: Die Probanden mit dem Placebo-Präparat konnten die Muster deutlich schneller erkennen als diejenigen, die das Antidepressivum erhalten haben.

„Unsere Ergebnisse lassen vermuten, dass kognitive Störungen bei depressiven Patienten durch das Antidepressivum Amitriptylin zumindest mitverursacht werden. Das Eindringen von psychoaktiven Substanzen in die komplizierten Schlafabläufe kann eine Vielzahl der bekannten Nebenwirkungen wie kognitive Defizite, Gewichtszunahme und morgendliche Apathie erklären“, sagt Schlafforscher Dr. Kunz. „Die Entwicklung von neuen Substanzen, die nicht nur tagsüber das Befinden von depressiven Menschen verbessern, sondern auch deren Schlafqualität fördern, ist voranzutreiben.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 04.09.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Charité – Universitätsmedizin Berlin: Erinnerungslücken durch Antidepressiva? Unterdrückung des REM-Schlafs stört Lernprozesse
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