Psychische Probleme im Job

Eine Studie der Betriebs- und Werksärzte zeigt Auswirkungen seelischer Probleme im Beruf auf: Jeder Vierte fühlt sich in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt.

Ein nachdenklicher Mann © Thinkstock
(Berlin – 24.10.2012) Wegen psychischer Belastungen vernachlässigen Millionen deutsche Arbeitnehmer laut einer Befragung permanent oder oft ihren Job. Mehr als jeder Vierte (29 Prozent) schaffte es demnach nicht, seine Arbeit so sorgfältig wie gewünscht zu erledigen, wie aus einer am Dienstag in Berlin vorgestellten Studie im Auftrag des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte hervorgeht. Verbandspräsident Wolfgang Panter forderte Chefs auf, sensibler auf ihre Mitarbeiter zuzugehen und ihnen bei drohendem Burnout die Hand zu reichen.

Einschränkungen im Berufs- und Privatleben

Neben den völlig eingeschränkten Arbeitnehmern gab jeder Dritte (34 Prozent) in der Umfrage an, dass seelische oder emotionale Probleme ihn zumindest manchmal einschränkten. Nur 37 Prozent der Befragten sagten, dass solche Probleme sie nie oder fast nie im Beruf belasten.

Ein großer Teil der Arbeitenden trägt den Stress auch mit nach Hause: 39 Prozent gaben an, sie kämen privaten Pflichten wegen des Stresses auf der Arbeit kaum noch nach. Gefragt wurden 240 Arbeitnehmer verschiedener Berufsgruppen. Die vom Forschungsinstitut GfK Mitte Oktober online durchgeführte Erhebung ist nicht repräsentativ. Sie wirft laut Panter aber ein Schlaglicht auf die deutsche Arbeitswelt.

Chefs sollen helfen, aber nicht Arzt spielen

Panter sieht vor allem Führungskräfte in der Verantwortung, gefährdete Mitarbeiter frühzeitig anzusprechen. Zugleich warnte er Laien davor, den Arzt zu spielen: „Stellt um Gottes Willen keine Diagnose! Da können Sie so viel kaputt machen, dass irgendwann gar nichts mehr geht.“ Stattdessen sollten Vorgesetzte ihren Mitarbeitern aber stets sagen können, wer ihnen bei psychischen Problemen helfen kann.

Jährlich etwa 70.000 Vorruheständler aufgrund psychischer Probleme

Für Betriebs- und Werksärzte sind seelische Belastungen der Arbeitnehmer ein zunehmendes Problem. Mittlerweile geben 40 Prozent der Vorruheständler ihre Arbeit wegen psychischer Erkrankungen auf, zum Beispiel aufgrund einer depressiven Störung. Von 170.000 Arbeitnehmern wären das etwa 70.000 Menschen, die Jahr für Jahr wegen gesundheitlicher Probleme aussteigen oder ihre Arbeitszeit reduzieren, sagte Panter unter Berufung auf Zahlen des Bundesarbeitsministeriums. Zugleich wies er darauf hin, dass Arbeit nicht nur krank machen, sondern Menschen auch gesund halten könne. Für viele sei der Job ein wichtiger Anker in ihren sozialen Beziehungen.

Die Ärzte in deutschen Betrieben und Werken wollen die psychische Gesundheit künftig stärker in den Fokus rücken.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 24.10.2012
  • Autor/in: vitanet.de-cd
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung