Blutdrucktherapie senkt Demenzrisiko

Die Therapie von Bluthochdruck mit Medikamenten senkt zugleich das Risiko an einer Demenz zu erkranken. Eine gute Nachricht, denn dementielle Erkrankungen nehmen immer weiter zu.

Krankenschwester misst Blutdruck. © iStock
(Berlin – 21.02.2020) Seit einigen Jahren ist ein Zusammenhang zwischen Demenz und Bluthochdruck bekannt. Menschen, die chronisch zu hohe Blutdruckwerte haben, erkranken offensichtlich häufiger an Demenz. Doch lässt sich dieses erhöhte Demenz-Risiko umgekehrt auch durch eine medikamentöse Blutdrucktherapie senken? Eine Metanalyse kam zu dem Ergebnis, dass die erfolgreiche medikamentöse Einstellung eines Bluthochdrucks das Demenzrisiko um zwölf Prozent und das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, um 16 Prozent senkt.

Demenz und seine Formen

In Deutschland leben derzeit etwa 1,2 Millionen Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Pro Jahr kommen schätzungsweise 244.000 Betroffene neu hinzu. Die Demenz kann Ausdruck und Folge verschiedener Erkrankungen sein wie der Alzheimer-Krankheit, der Lewy-Körperchen-Demenz oder Folge gefäßbedingter Schädigungen im Gehirn, zum Beispiel nach einem Schlaganfall, dann spricht man von vaskulärer Demenz. Laut S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie sind etwa 50 bis 70 Prozent der Demenzerkrankten der Alzheimer-Demenz und zirka 15 bis 25 Prozent der vaskulären Demenz zuzuordnen.

Blutdrucksenkung reduziert Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko

Nachgewiesen ist, dass die medikamentöse Blutdrucksenkung beispielsweise das Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko signifikant reduziert – doch hat sie auch einen Effekt auf die Demenzrate? Und wenn ja, welche Substanzklasse von BlutdrucksenkernACE-Hemmer, Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker, Betablocker, Calciumkanalblocker oder Diuretika – ist diesbezüglich besonders effektiv? Diesen Fragen ging eine Metaanalyse nach, die in der Januarausgabe von „Lancet Neurology" publiziert wurde.

Die Studie: Blutdrucktherapie schütz vor Demenz

Die Metaanalyse wertete sechs große Kohorten prospektiver Beobachtungsstudien mit insgesamt knapp über 31.000 Menschen ohne vorbestehende Demenzerkrankung im Alter von über 55 Jahren aus – und unterteilte sie in zwei Gruppen: Eine Gruppe umfasste Studienteilnehmer, die zum Zeitpunkt des Studieneinschlusses normale Blutdruckwerte (< 140/< 90 mm Hg) aufwiesen (n=15.553), die andere jene mit erhöhten Blutdruckwerten (n=15.537). Der Anteil der Studienteilnehmer, die eine medikamentöse blutdrucksenkende Therapie erhielten, variierte in den sechs Studien, die in die Analyse eingegangen waren, und lag zwischen 32,5 Prozent und 62,1 Prozent.

Im Ergebnis erkrankten insgesamt 3.728 Studienteilnehmer während des Beobachtungszeitraums neu an einer Demenz, bei 1.741 Patienten handelte es sich um eine Alzheimer-Demenz. Verglich man die Erkrankungsrate von Patienten mit Bluthochdruck, die medikamentöse Blutdrucksenker einnahmen, mit denjenigen, die unbehandelt waren, zeigte sich, dass die medikamentöse Bluthochdrucktherapie vor Demenz schützt: Die Patienten, deren Bluthochdruckerkrankung behandelt wurde, hatten ein um zwölf Prozent signifikant geringeres Risiko, an Demenz beziehungsweise ein um 16 Prozent niedrigeres Risiko an Alzheimer zu erkranken. Hatte es zuvor zum Teil widersprüchliche Daten zur Rolle des Bluthochdrucks gegeben, zeigt diese Metaanalyse deutlich einen positiven und klinisch relevanten Einfluss der Bluthochdruckkontrolle.

Großes Potenzial für die Prävention

„Bluthochdruck ist ein immenses Gesundheitsproblem in unserer Bevölkerung. Im Alter von über 60 ist fast jeder Zweite davon betroffen und viele Patienten sind unbehandelt oder unzureichend eingestellt. Wir wissen nun, dass diese Menschen durch die medikamentöse Blutdrucksenkung nicht nur ihr Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen verringern können, sondern auch das Risiko, später an Demenz zu erkranken. Dieses Präventionspotenzial sollte unbedingt ausgeschöpft werden, letztlich auch, weil wir bis heute keine krankheitsmodifizierende Therapie gegen Demenz haben und die Zahl der Erkrankten weiter steigt.", sagt Prof. Richard Dodel, Experte der Deutschen Gesellschaft für Neurologie e.V. für dementielle Erkrankungen.

Die Auswertung zeigte außerdem, dass es nicht entscheidend war, mit welcher Substanzklasse die Patienten behandelt worden waren, keine der fünf verschiedenen Substanzklassen erwies sich hinsichtlich der Risikoreduktion gegenüber den anderen als überlegen. „Es ist also nicht so, dass eine bestimmte Klasse von Blutdrucksenkern einen ‚Anti-Demenz-Effekt' hätte, sondern, dass eine erfolgreiche Blutdrucksenkung in den Zielwertbereich unter 140/90 mm Hg zur Reduktion des Demenzrisikos führt", sagt Prof. Dodel. Dementsprechend zeigte sich auch bei den Studienteilnehmern mit normalen Blutdruckwerten, die Blutdrucksenker eingenommen hatten, im Hinblick auf die Demenzrate kein Effekt.

„Wir Neurologen können gar nicht oft genug daran appellieren, dass Menschen mit Bluthochdruck konsequent behandelt werden und die Blutdrucksenker wie verschrieben regelmäßig einnehmen. Damit schützen sie sich gleich vor zwei neurologischen ‚Volkskrankheiten': Schlaganfall und Demenz", sagt Professor Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie e.V., abschließend.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 21.02.2020
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung des Robert Koch-Instituts vom 17.12.2019: Neue Zahlen zu Krebs in Deutschland
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