ADHS bei Erwachsenen

Immer häufiger wird ADHS auch bei Erwachsenen diagnostiziert. Doch die Störung äußert sich bei Erwachsenen anders als bei Kindern. Die Symptome und mögliche Folgen von ADHS im Erwachsenenalter.

Frustrierter Student © iStock
(Hannover – 20.01.2020) Ständige Stimmungsschwankungen, Jähzorn, Impulsivität, Beziehungsunfähigkeit, Chaos: Die wenigsten denken bei diesen Symptomen an eine Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) – schon gar nicht bei Erwachsenen. Zwar beginnt die ADHS in der Regel im Kindes- und Jugendalter und bei den meisten gehen die Symptome im Laufe der Jahre zurück. Doch nicht immer.

Deutlicher Anstieg von ADHS bei Erwachsenen

Immer häufiger bleiben die Symptome von ADHS bis ins Erwachsenenalter bestehen oder werden erst spät erkannt. Das zeigt eine Datenauswertung der KKH Kaufmännische Krankenkasse.
Demnach hat sich die Zahl der ab 19-Jährigen mit einer ärztlich diagnostizierten ADHS von 2008 auf 2018 nahezu verdreifacht. Zwar ist der Anteil der Kinder bis 18 Jahre, die an der Hyperaktivitätsstörung leiden, mit 4,7 Prozent deutlich höher als der der Erwachsenen (0,4 Prozent), doch der große Anstieg bei den ab 19-Jährigen zeigt, dass eine ADHS bei Älteren zunehmend zum Problem wird. Zuletzt erhielten insgesamt rund 20.000 KKH-Versicherte eine entsprechende Diagnose, davon mittlerweile rund 6.000 Erwachsene.

Die Symptome und Folgen von ADHS bei Erwachsenen

Das Tückische: Eine ADHS äußert sich bei Erwachsenen häufig anders als bei Kindern und Jugendlichen. Anstelle der Hyperaktivität stehen dann Unaufmerksamkeit und verminderte Konzentrationsfähigkeit im Vordergrund. Erwachsene mit ADHS haben vor allem Probleme, ihren Alltag, ihre Arbeit und ihre Finanzen zu organisieren, sich über längere Zeit auf Aufgaben zu fokussieren, Termine einzuhalten und ihre Gefühle zu kontrollieren. Sie sind hochimpulsiv, leicht reizbar, neigen zu Wutausbrüchen und haben eine niedrige Frustrationstoleranz. Unbehandelt kann eine ADHS tragische Konsequenzen haben, etwa schlechtere Abschlüsse in Schule, Ausbildung und Studium, häufigen Arbeitsplatzverlust, Scheitern von sozialen Beziehungen, höheres Unfallrisiko durch rücksichtsloses Fahren, Suchtprobleme, Depressionen und Persönlichkeitsstörungen.

Die Diagnose ADHS bei Erwachsenen

Wichtig ist, dass die Diagnose sorgfältig gestellt wird, damit es nicht zu unnötigen oder falschen Behandlungen kommt. Experten diagnostizieren eine ADHS nach bestimmten Kriterien, unter anderem je nach Ausprägung von Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Eine Diagnose ist oft nicht leicht, denn gerade im Erwachsenenalter haben ADHS-Patienten häufig zusätzliche Begleiterkrankungen wie soziale Verhaltensstörungen, Depressionen, Alkohol- und Drogenabhängigkeit.

Bei psychischen Problemen, die die Lebensqualität deutlich und über längere Zeit beeinträchtigen, wird empfohlen, dass sich Betroffene dringend professionelle Hilfe suchen. Für Erwachsene mit einer ADHS kann dies allerdings schwierig sein, da die Beratungs- und Behandlungsangebote noch nicht so weit verbreitet sind wie für Kinder und Jugendliche. Betroffene sollten sich daher zunächst an ihren Hausarzt wenden, der alle weiteren Schritte zur Diagnostik und Behandlung einleiten kann – in erster Linie die Überweisung an einen Facharzt für Psychiatrie, psychosomatische Medizin, Neurologie oder einen psychologischen Psychotherapeuten.

Häufigkeit von ADHS: Datenauswertung im Detail

Von 2008 bis 2018 stieg der Anteil der Patienten mit ADHS-Diagnose bei den 0- bis 18-Jährigen von 4,3 Prozent auf 4,7 Prozent (maximaler Anstieg auf 10,7 Prozent bei den 11- bis 14-jährigen Jungen) und bei den ab 19-Jährigen von 0,1 Prozent auf 0,4 Prozent (maximaler Anstieg auf 2,5 Prozent bei den 19- bis 24-Jährigen Männern). Das entspricht einer Steigerung von rund 10 Prozent bei den bis 18-Jährigen und von rund 197 Prozent bei den ab 19-Jährigen.In den vergangenen Jahren hat also die Häufigkeit von ADHS-Diagnosen bei den Erwachsenen drastisch zugenommen, was unter anderem an einer mittlerweile höheren Sensibilität bei Ärzten und Patienten für eine ADHS im Erwachsenenalter liegen dürfte.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 20.01.2020
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der KKH Kaufmännischen Krankenkasse vom 07. Januar 2020: ADHS: Immer mehr Diagnosen bei Erwachsenen. Zahl der Betroffenen ab 19 Jahre fast verdreifacht
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