Unsichtbare Folgen eines Schlaganfalls: „Ich spüre was, was du nicht siehst“

Von außen oft nicht sichtbar – die Folgen eines Schlaganfalls. Zum heutigen Tag gegen den Schlaganfall ein Ratgeber für Betroffene und Angehörige, die mit unsichtbaren Folgen nach einem Schlaganfall zu kämpfen haben und wie Sie einen Schlaganfall in wenigen Sekunden erkennen.

Verdacht auf Schlaganfall © iStock
(Gütersloh, Hannover – 10.05.2019) Ein hinkender Gang, die gelähmte Hand – das verbinden viele Menschen mit einem Schlaganfall. 270.000 Menschen pro Jahr sind in Deutschland von einem Schlaganfall betroffen. Er ist die häufigste Ursache für Behinderungen im Erwachsenenalter. Was viele nicht wissen: Rund 80 Prozent der Betroffenen leiden an den unsichtbaren Folgen dieser Krankheit. Die Auswirkungen für die Betroffenen sind nicht weniger tragisch – und die ambulante therapeutische Versorgung weist große Lücken auf. Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe stellt den bundesweiten „Tag gegen den Schlaganfall“ am 10. Mai deshalb unter das Motto „Ich spüre was, was du nicht siehst …“.

Wenn der Alltag überfordert

Patientengeschichten wie diese kennt man in jeder neurologischen Rehabilitationsklinik: Ein jüngerer Mensch erleidet einen Schlaganfall, übersteht ihn äußerlich nahezu unbeschadet und kehrt zurück an seinen Arbeitsplatz. Doch wenige Wochen später bricht er zusammen und muss in die Reha. Viele Betroffene merken erst im Alltag, dass sie den Anforderungen ihres bisherigen Lebens nicht mehr gewachsen sind.

Unsichtbare Folgen eines Schlaganfalls

„Das Gehirn braucht in den ersten 18 bis 36 Monaten nach dem Schlaganfall extrem viele Erholungspausen“, sagt Dr. Caroline Kuhn, Leiterin der Neuropsychologischen Lehr- und Forschungsambulanz der Universität des Saarlandes. Zu den häufigsten neuropsychologischen Funktionsstörungen nach einem Schlaganfall zählen Aufmerksamkeits- und Konzentrationsdefizite, die oft mit Gedächtnislücken und Planungsstörungen einhergehen. Nicht selten sind Betroffene schon mit der Organisation ihres Einkaufs überfordert. Ebenfalls häufig kommt es zu Sprach- oder Sehstörungen. Hinzu kommen oft emotionale Veränderungen, die vor allem die Beziehung zu Partnern und Angehörigen belasten.

Wo Sie professionelle Hilfe erhalten

Betroffene sollten sich professionelle Hilfe holen. Außerhalb von neurologischen Rehabilitationskliniken sind niedergelassene Neuropsychologen die erste Adresse. Allerdings ist die ambulante Versorgungssituation häufig mangelhaft und Patienten müssen oft monatelang auf einen Termin warten. Dr. Thomas Guthke, erster Vorsitzender der Gesellschaft für Neuropsychologie, spricht von einem „extremen Defizit im Angebot neuropsychologischer Leistungen, das insbesondere im ambulanten Bereich sehr deutlich wird.“ Die Fachgesellschaft schätzt, dass in Deutschland mindestens 1.000 ambulante Neuropsychologen benötigt werden, aktuell sind es rund 200.

Die Gründe für den Mangel an Neuropsychologen: Neuropsychologen haben eine spezielle, umfangreiche Weiterbildung, die sie seit einigen Jahren auch berechtigt, ambulante Behandlungen mit den Kassen abzurechnen. Die Ausbildung ist jedoch sehr langwierig, was viele Interessenten abschreckt. Und die Zulassungsverfahren sind in manchen Regionen sehr langwierig.

Betroffene, die keinen Termin bekommen, können sich zunächst an einen Ergotherapeuten wenden. „Dabei sollte man bei der Auswahl der Praxis darauf achten, dass die Therapeuten auf neurologische Erkrankungen spezialisiert sind“, sagt Dr. Kuhn.

Offene Kommunikation

Familie, Freunde und Arbeitskollegen sollten insbesondere in der ersten Zeit nach dem Schlaganfall besonders einfühlsam mit den Betroffenen umgehen. Betroffenen rät Dr. Kuhn, „offen zu kommunizieren, dass meine Belastungsgrenzen reduziert sind. Dann kann auch mein Umfeld besser damit umgehen. Das ist kein Grund, sich zu schämen“.
Erste Hilfe: FAST-Test – so erkennen Sie einen Schlaganfall
Der sogenannte FAST-Test hilft, innerhalb von wenigen Sekunden einen Schlaganfall zu erkennen und so Folgeschäden oder Todesfälle zu verhindern. F-A-S-T steht für Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit).
  • Face: Bitten Sie die Person zu lächeln. Ist das Gesicht einseitig verzogen? Das deutet auf eine Halbseitenlähmung hin.
  • Arms: Bitten Sie die Person, die Arme nach vorn zu strecken und dabei die Handflächen nach oben zu drehen. Bei einer Lähmung können nicht beide Arme gehoben werden. Sie sinken oder drehen sich.
  • Speech: Lassen Sie die Person einen einfachen Satz wie „Ich benötige keine Hilfe!“ nachsprechen. Ist sie dazu nicht in der Lage oder klingt die Stimme verwaschen, liegt vermutlich eine Sprachstörung vor.
  • Time: Wählen Sie unverzüglich den Notruf 112. Weisen Sie auf die vorliegenden Schlaganfall-Symptome hin und äußern Sie deutlich: „Verdacht auf einen Schlaganfall“. Denn nur im Krankenhaus kann die Ursache des Schlaganfalls ermittelt und die richtige Therapie eingeleitet werden!

Was Sie im Notfall noch beachten sollten

  • Geben Sie dem Betroffenen nichts zu essen oder zu trinken. Der Schluckreflex kann gestört sein – es droht Erstickungsgefahr!
  • Entfernen oder öffnen Sie einengende Kleidungsstücke.
  • Achten Sie auf freie Atemwege, entfernen Sie ggf. Zahnprothesen.
  • Teilen Sie dem Notarzt die Symptome und den Zeitpunkt des Auftretens mit.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 10.05.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der KKH Kaufmännischen Krankenkasse vom 07. Mai 2019: Risiko Schlaganfall: Schnell erkennen – sofort handeln!
  • Pressemitteilung der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe vom 06. Mai 2019: Schlaganfall-Folgen sind oft unsichtbar
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