Schlaganfallbehandlung im ländlichen Raum: Chancen und Grenzen der Telemedizin

Ein Schlaganfall im ländlichen Raum, bedeutet häufig: schlechtere Versorgung als in den Städten. Denn spezialisierte Schlaganfall-Stationen befinden sich meist im urbanen Raum. Telemedizin kann diesem Mangel entgegenwirken.

Mediziner diskutieren © iStock
(Berlin – 30.04.2019) Bei Schlaganfall-Patienten zählt jede Minute – je früher die Betroffenen die richtige medizinische Betreuung bekommen, desto größer sind ihre Chancen, Schäden im Gehirn zu vermeiden. Eine ideale Versorgung bieten spezialisierte Schlaganfall-Stationen – sogenannte Stroke Units – mit hochqualifizierten Fachärzten. Aber anders als in den urbanen Zentren, die in der Regel gut mit diesen Einrichtungen ausgestattet sind, mangelt es in ländlichen Regionen oft daran.

Chancen der Telemedizin für den ländlichen Raum

Die Telemedizin bietet hier wertvolle Chancen: Über Videokonferenzen unterstützen Experten aus städtischen Gebieten die Kollegen im ländlichen Raum – etwa in Bayern und Rheinland-Pfalz – rund um die Uhr mit ihrem Expertenwissen. Die Telemedizin ermöglicht so eine zeitnahe Diagnose und Therapie und damit die wohnortnahe Versorgung von Schlaganfallpatienten. Sie sollte nach Ansicht der Experten jedoch nur eine Übergangslösung darstellen bis ausreichender neurologischer Sachverstand jederzeit vor Ort verfügbar ist.

Bei einem Schlaganfall ist ein Blutgefäß im Gehirn verstopft oder geplatzt und ein Hirnbereich leidet unter Sauerstoffmangel. „Nur wenn die Versorgung der Nervenzellen schnell wiederhergestellt wird, können Spätschäden wie Lähmungen oder Sprachstörungen verhindert werden", sagt Professor Dr. med. Wolf-Rüdiger Schäbitz, Pressesprecher der Deutschen Schlaganfall Gesellschaft. Eine ideale Versorgung erhalten Patienten in Stroke Units – da hier Akuttherapien bestmöglich durchgeführt werden.

Während die städtischen Zentren meistens gut mit diesen spezialisierten Einrichtungen versorgt sind, fehlen in den Krankenhäusern auf dem Land oft entsprechende Abteilungen und vor allem neurologische Fachärzte. „Doch durch die Telemedizin können auch Schlaganfall-Patienten in diesen Gegenden schnell und fachmännisch versorgt werden", sagt Professor Dr. med. Armin Grau, Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall Gesellschaft. In Bayern, Rheinland-Pfalz und anderen Bundesländern gleichen telemedizinische Netzwerke in der Schlaganfallversorgung also die schlechtere medizinische Infrastruktur auf dem Land so weit wie möglich aus.

Rund um die Uhr erreichbar

Zentren mit spezialisierter Stroke Unit und Kliniken im ländlichen Raum haben sich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen und sich auf definierte Behandlungsstandards geeinigt. Der telemedizinische Konsiliardienst ist rund um die Uhr ansprechbar. Wenn bei einem Patienten ein Verdacht auf einen Schlaganfall besteht, kommt er in ein Krankenhaus, das dem Netzwerk angeschlossen ist. Die dortigen Ärzte stellen ihn sofort per Konferenzschaltung dem Spezialisten im städtischen Zentrum vor. Patient, behandelnder Arzt vor Ort und ein spezialisierter Neurologe stehen über Video und Audiokonferenzschaltung miteinander in Kontakt. Auch auf radiologische und andere medizinische Befunde kann der Experte zugreifen. Wird so die Diagnose Schlaganfall gestellt, spricht der Spezialist eine Empfehlung zur Therapie aus. In den meisten Fällen erfolgt die Therapie vor Ort im ländlichen Krankenhaus, nur ein Teil der Patienten muss in eine Spezialklinik verlegt werden.

Voraussetzung für eine hochwertige telemedizinische Versorgung

Doch wie kann eine qualitativ hochwertige Versorgung unter solchen Umständen gewährleistet werden? „Für eine erfolgreiche Umsetzung der Telemedizin müssen klare Vereinbarungen zwischen den Kliniken getroffen und eingehalten werden, die technischen und personellen Voraussetzung müssen stimmen", sagt Professor Grau, Direktor der Neurologischen Klinik mit Klinischer Neurophysiologie und Stroke Unit am Klinikum Ludwigshafen. Aus diesem Grund sollten regelmäßige gemeinsame Fortbildungsmaßnahmen der behandelnden Ärzte und Pflegekräfte in den Zentren und den Kliniken im ländlichen Raum auch die weitere adäquate ärztliche Versorgung und Pflege vor Ort sicherstellen.

Grenzen der Telemedizin

Im Moment profitieren Schlaganfall-Patienten aus dem ländlichen Raum von den telemedizinischen Netzwerken. Doch Professor Schäbitz sieht auch die Grenzen der Telemedizin: „Die Deutsche Schlaganfall Gesellschaft setzt sich weiter dafür ein, die medizinische Infrastruktur mit spezialisierten Einrichtungen auf dem Land zu verbessern. Die momentane Situation darf nur eine Übergangsphase sein, bis wir unser Ziel – eine flächendeckende Versorgung mit zertifizierten Stroke Units – erreicht haben.“ Die persönliche Betreuung der Patienten hat weiterhin höchste Priorität.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 30.04.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. vom 08.04.2019: DSG: Schlaganfallbehandlung im ländlichen Raum: Chancen und Grenzen der Telemedizin
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