Nach einem Schlaganfall wieder sprechen lernen – mit EEG und Computer

Um nach einem Schlaganfall wieder sprechen zu lernen, nutzt ein neuer Therapieansatz die Anpassungsfähigkeit des Gehirns und moderne Technik: Ein EEG misst die Hirnströme des Betroffenen, während er Sprachübungen durchführt. Darauf basierend gibt ihm ein Computer sofort Feedback, wie erfolgreich er damit ist.

Alter Mann mit Laptop © iStock
(Berlin – 24.04.2019) Der Schlaganfall ist der häufigste Grund für bleibende Behinderung im Erwachsenenalter. Trotz Sofortbehandlung in flächendeckenden Kompetenzzentren erholt sich nach wie vor nur ein Teil der Patienten vollständig – oft bleiben Defizite zurück.

Sprachübungen mit dem neuen Therapieansatz

Häufig ist nach einem Schlaganfall das Sprachvermögen beeinträchtigt. Ein neuer Therapieansatz nutzt dafür die Neuroplastizität, also die Fähigkeit des Gehirns, seine Strukturen ein Leben lang ändern zu können. Er setzt an der „Reparatur" der durch Einblutung oder Blutgerinnsel gestörten Gehirnregelkreise für die Sprache an. Dabei misst ein EEG, das mit einem PC verbunden ist, live die Gehirnaktivität des Patienten (Brain-Computer-Interface (BCI)), während dieser Sprachübungen macht – und gibt ihm zeitgleich eine Rückmeldung, wie erfolgreich er dabei ist. Durch dieses Sofort-Feedback können die Patienten die geeignete Strategie finden, mit der eine Erholung ihrer Sprachfunktion möglich ist.

Jeder Schlaganfall ist anders – was gleich ist

Jeder Schlaganfall ist anders, sowohl was das Ausmaß als auch die betroffenen Bereiche angeht. „Wie wir heute wissen, stellt er jedoch fast immer eine komplexe Netzwerkstörung dar", sagt Professor Dr. Cornelius Weiller, Direktor der Neurologischen und Neurophysiologischen Universitätsklinik Freiburg. Beim Gesunden werden Gedanken, Wahrnehmung und Handlungen fortwährend über interne Regelkreise im Gehirn abgeglichen, sodass Verhalten und Hirnaktivität aufeinander abgestimmt sind.

Maßgeschneiderte Rehabilitation für Betroffene

Ein Schlaganfall zerstört nicht nur das direkt geschädigte Hirnareal, sondern beeinflusst vor allem auch die Netzwerkstruktur und -funktion des Gehirns. „Eine komplexe Leistung wie etwa die Sprache besteht aus vielen Einzelfunktionen wie Worterkennung oder Lippenbewegung, die in verschiedenen Teilen des Gehirns angesiedelt sind. Diese Regelkreise werden durch ein Netzwerk koordiniert – und bei einem Schlaganfall beeinträchtigt“, sagt Prof. Weiller. Entsprechend umfassend und anspruchsvoll ist die Behandlung: „Wir kommen deshalb weg von einer Rehabilitation, die für alle Patienten identisch ist, hin zu einer nach Möglichkeit maßgeschneiderten persönlichen Therapie.“, sagt Prof. Weiller.

Wie Hirnforschung die Schlaganfalltherapie verändert

Um nach einem Schlaganfall wieder sprechen zu lernen, nutzt man die Erkenntnisse über die sogenannte Neuroplastizität des Gehirns: „Die Hirnforschung hat gezeigt, dass im Falle einer Schädigung eines Teiles des Gehirns andere Teile die Funktion für das geschädigte Gebiet übernehmen können. Und diesen Prozess der Übernahme können wir durch gezielte Modulation zunehmend beeinflussen", sagt Prof. Weiller.

„Ein Ansatz besteht darin, den Patienten das gestörte Netzwerk durch ein Feed-Back-System selbst ,reparieren' zu lassen". Der Betroffene muss das richtige Wort am Ende eines Satzes erkennen und bekommt sofort eine Rückmeldung über seine dafür eingesetzte Gehirnaktivität. „Konkret werden von dem Brain-Computer-Interface-System typische Gehirnaktivitäten gemessen, die beim Verarbeiten von Zielwörtern und Nicht-Zielwörtern anders als bei Gesunden ausfallen. Das System gibt dem Patienten ein Feedback, ob er die Aufgabe gut gelöst hat, also ob er beim richtigen Wort eine dem Zielwort entsprechende Hirnaktivität verwendet hat". Der Therapieerfolg bleibt dabei nicht auf die Übung selbst beschränkt, sondern „generalisiere".
Autoren und Quellen Aktualisiert: 24.04.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. vom 25.03.2019: DGKN-Kongress: Nach Schlaganfall wieder sprechen lernen - Neuroplastizität therapeutisch nutzen
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