Immer mehr Menschen erkranken an Morbus Parkinson

Die Zahl der Parkinson-Erkrankten steigt rasant. Der Welt-Parkinson-Tag hat deshalb zum Ziel mehr Aufmerksamkeit auf die Krankheit zu lenken.

Frau hält Kaffeetasse © iStock
(Berlin – 11.04.2019) Der Welt-Parkinson-Tag soll ein stärkeres Bewusstsein in der Bevölkerung für die Parkinson-Krankheit schaffen, deren Verständnis fördern und somit zur früheren Diagnosestellung und besseren Therapiemöglichkeiten beitragen. Morbus Parkinson ist eine chronisch fortschreitende Erkrankung, bei der es zur Neurodegeneration kommt. In den vergangenen Jahren sind deutlich mehr Menschen erkrankt, der Leidensdruck der Betroffenen ist immens und obwohl sich in der Therapie bereits viel getan hat, sind neue Behandlungsoptionen dringend notwendig.

Morbus Parkinson in Deutschland und weltweit

In Deutschland gibt es, Frühstadien eingeschlossen, 400.000 Menschen, die von Parkinson betroffen sind. Damit ist die Parkinson-Krankheit bereits jetzt die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. In den letzten Jahrzehnten sind deutlich mehr Menschen erkrankt: Im Jahr 2016 gab es laut einer systematischen Analyse der weltweiten Krankheitslast 6,1 Millionen Betroffene, während es 1990 noch 2,5 Millionen waren. Dieser immense Anstieg kann nicht allein durch den demographischen Wandel erklärt werden, wie die Autoren der Analyse betonen, sie berechneten einen altersunabhängigen Anstieg der Erkrankung von 21,7 Prozent in den letzten 25 Jahren. Neben dem Alter werden daher auch immunologische, metabolische oder umweltbedingte Ursachen als Krankheitsauslöser vermutet.

Die Krankheit Morbus Parkinson

Die Parkinson-Krankheit ist eine chronisch fortschreitende Erkrankung, bei der unter anderem Nervenzellen einer bestimmten Hirnregion, der sogenannten schwarzen Substanz (Substantia nigra), absterben. Diese Zellen produzieren normalerweise den Botenstoff Dopamin. Ein Dopamin-Mangel aufgrund des Zellunterganges führt letztendlich zu einer Unteraktivierung der Hirnrinde, die die Motorik steuert. Daher treten im Verlauf die typischen motorischen Symptome auf wie ein kleinschrittiger Gang, Verlangsamung von Bewegungen, Sprachstörungen, reduzierte Mimik, Zittern, Muskelsteifigkeit in Armen und Beinen sowie zunehmende Bewegungslosigkeit und plötzliches Einfrieren („Freezing“) von Bewegungen. Vor diesen motorischen Symptomen kommt es meistens zu vegetativen und psychisch-kognitiven Störungen, auch zu Beeinträchtigungen der Sinnesorgane wie einem gestörten Geruchssinn, Depressionen, Sehstörungen, Konzentrationsstörungen, Problemen bei der Ausführung alltäglicher Arbeiten und Erledigungen sowie Störungen des REM-Schlafes.

All diese Symptome beeinträchtigen das Leben der Betroffenen massiv. Der Welt-Parkinson-Tag soll diese Probleme bekannter machen – in Umfragen der „European Parkinson's Disease Association“ wussten fast die Hälfte der Befragten nicht, wie weit Parkinson verbreitet ist und mit welchen gravierenden Symptomen und Einschränkungen die Erkrankung einhergeht. Als Frühwarnzeichen gelten Bewegungseinschränkungen, Zittern, Verminderung des Riechsinns, Schlafstörungen, verkleinerte Handschrift, leise Stimme, Verstopfung, reduzierte Mimik („Maskengesicht“) und eine gebeugte Körperhaltung.

Bisherige Therapie – rein symptomatisch

Als Ursache oder Begleiterscheinung des „Neuronen-Untergangs“ wird die Ablagerung des Proteins Alpha-Synuclein in den Nervenzellen diskutiert. Grund der Ablagerungen ist ein Fehler in der Molekülstruktur des Alpha-Synuclein, eine sogenannte Protein-Fehlfaltung. Es bilden sich in den Nervenzellen sogenannte Lewy-Körperchen, die vor allem aus Alpha-Synuclein-Aggregaten bestehen und zum Absterben von Gehirnzellen führen. Die bisherige medikamentöse Therapie mit herkömmlichen Parkinson-Medikamenten ist rein symptomatisch und besteht im Ausgleich des Dopaminmangels.

Dazu wird Dopamin beziehungsweise seine Vorstufe Levo(L)-Dopa oral verabreicht. Außerdem kann durch sogenannte MAO-B-Hemmer zusätzlich der Abbau von Dopamin verlangsamt werden. Darüber hinaus gibt es weitere Substanzen wie die Dopamin-Agonisten (direkte Dopamin-Rezeptor-Agonisten), die die Wirkung von Dopamin nachahmen. „Alle bisherigen Therapien können lediglich die Symptome von Parkinson verlangsamen, nicht jedoch die Ursache der Krankheit bekämpfen. „Angesichts der steigenden Parkinson-Prävalenz suchen wir dringend nach Medikamenten, die den Krankheitsfortschritt verzögern oder gar stoppen können“, sagt Prof. Dr. Günter Höglinger, Erster Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen e.V. „Derzeit werden weltweit zahlreiche innovative Therapieformen in klinischen Studien getestet.“

Forschung gegen Parkinson: Neue Therapien werden erprobt

Die zunehmende Aufklärung der Parkinson-Genetik und der damit zusammenhängenden komplexen Pathomechanismen hat in den letzten Jahren eine Vielzahl möglicher Angriffspunkte für neue Therapien gebracht. Moderne zielgerichtete Therapien haben vor allem das Protein Alpha-Synuclein und seine biochemischen Stoffwechselwege im Fokus. Zwei Prinzipien könnten dabei besonders vielversprechend sein: zum einen die Beseitigung pathologischer Formen des Alpha-Synucleins aus den Zellen, zum anderen die Verringerung seiner Produktion. Zur Beseitigung von Alpha-Synuclein aus den Zellen wird versucht, den körpereigenen, lysosomalen Reinigungs- beziehungsweise Autophagieprozess anzuregen. Zur Verminderung der Alpha-Synuclein-Produktion werden sogenannte Antisense-Oligonukleotide eingesetzt, das heißt, man bietet den Zellen sozusagen falsche RNA-Bausteine an, wodurch es zum Abbruch der RNA-Ablesung und zum Synuclein-Produktionsstopp kommt. Auch immunologische Strategien, Impfungen und Antikörper-Therapien gegen Synuclein werden bereits klinisch getestet, um pathologisches extrazelluläres Alpha-Synuclein aus dem Gehirn zu entfernen.

Die andere Gruppe neuer zielgerichteter Therapien sind Gentherapien im engeren Sinne, da hier direkt Gene (DNA-Abschnitte) in den betroffenen Zellen ausgetauscht oder modifiziert, zum Beispiel stummgeschaltet, werden. Dabei werden DNA-Veränderungen über bestimmte harmlose Viren als Transportmittel („virale Vektoren“) in die Zellen eingeschleust. Der Vorteil dieses Vorgehens ist, dass spezifisch eine DNA-Mutationsstelle in Gehirnzellen angesteuert wird und „Off-Target“-Effekte vermieden werden, das heißt, mögliche Synuclein-abhängige Prozesse in anderen Körpergeweben oder Organen, die noch weitgehend unerforscht sind, bleiben unberührt.

Mit einem viral-vermittelten Transfer des AADC-Gens könnte direkt die Stimulation der körpereigenen Dopamin-Produktion im Gehirn angeregt werden. In der Folge stehen den Zellen mehr AADC zur Verfügung, ein Enzym, das die Umwandlung der Vorstufe L-Dopa in Dopamin bewirkt. Allerdings befindet sich dieser Ansatz erst in der Phase-1-Prüfung und es bedarf noch großer Studien, um die Sicherheit und Wirksamkeit nachzuweisen. Auch der Gentransfer des Enzyms GAD in spezielle Hirnregionen (Basalganglien/Putamen) wird derzeit in klinischen Studien untersucht. Das Enzym GAD ist ebenfalls an der Dopamin-Produktion beteiligt und in den Studien kam es zu signifikanten Verbesserungen der Motorik der Patienten, die auch noch nach zwölf Monaten anhielten.

„An den Fortschritten krankheitsmodifizierender und sogar ursächlicher Therapien der Parkinson-Erkrankung zeigt sich erneut, welche Relevanz die Grundlagenforschung in der Neurologie hat. Sie ist notwendig für die Entwicklung einer personalisierten Präzisionsmedizin, die zielgerichtet in die Erkrankungskaskade eingreifen kann und hoffentlich in wenigen Jahren zu einem Durchbruch in der Parkinsontherapie führen wird“, sagt Prof. Dr. Christine Klein, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 11.04.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie e.V. vom 03.04.2019: Welt-Parkinson-Tag am 11. April: Bewusstsein erhöhen und Forschung fördern!
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