Diabetes Medikament gegen Parkinson

Das Diabetes Medikament Exenatid kann auch die Symptome der Parkinson-Erkrankung lindern – das ergab eine Studie. Eine Subanalyse dieser Studie fand nun heraus, dass bestimmte Personen mit Parkinson besonders von dem Medikament profitieren. 

Senior hält Tasse © iStock
(Berlin – 04.03.2019) Exenatid ist ein GLP-1-Agonist, also eine Substanz, die auf das Protein Glucagon-like Peptid 1 (GLP-1) wirkt. Exenatid wird zur Behandlung von Diabetes mellitus eingesetzt. Allerdings verbessert es auch signifikant die motorischen Symptome bei Menschen mit Parkinson. Das ergab eine Studie aus dem Jahr 2017. Nun wurde eine Subgruppenanalyse dieser Studie veröffentlicht, die zeigt, dass der Effekt über alle Studiengruppen zu beobachten war. Das beste motorische Therapie-Ansprechen zeigte sich aber bei Patienten mit tremordominantem Parkinson-Phänotyp, also wenn das symptomatische Zittern besonders ausgeprägt war. Zudem sprachen ältere und Betroffene mit einer Krankheitsdauer von über zehn Jahren weniger gut an als jüngere mit kürzerer Erkrankungsdauer.

Die Krankheit Parkinson: Verbreitung, Ursache und Therapie

Parkinson ist die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung, an der etwa zwei bis drei Prozent der über 65-jährigen erkranken. „Seit 1990 hat sich weltweit die Zahl der an Parkinson erkrankten Menschen mehr als verdoppelt ", so Univ.-Prof. Dr. med. Werner Poewe, Direktor der Neurologie der Universitätsklinik Innsbruck. „Das macht die Suche nach krankheitsmodifizierenden Therapien besonders dringlich.“

Die bisherige medikamentöse Therapie mit herkömmlichen Parkinson-Medikamenten soll in erster Linie den Dopaminmangel ausgleichen und das Gleichgewicht der neurologischen Botenstoffe wieder herstellen.

Originalstudie: Exenatid gegen Parkinson

Zuletzt machte eine Studie Hoffnung, dass Exenatid die Symptome von Morbus Parkinson effektiv lindern kann. So können nervenschützende Eigenschaften des GLP-1-Agonisten erreicht werden, wenn GLP-1-Rezeptoren stimuliert werden. GLP-1-Rezeptoren befinden sich nicht nur im Magen-Darm-Trakt, wo die Substanz antidiabetische Wirkung entfaltet, sondern auch im Gehirn. Das scheint Neuronenverbindungen, die auf Dopamin reagieren, zu stabilisieren und die Symptome von Parkinson anhaltend zu verbessern.

Studie und Studienaufbau

An der Studie aus dem Jahr 2017 nahmen 62 Patienten mit moderater Parkinsonerkrankung teil. Die Patienten waren zwischen 25 und 75 Jahre alt und wiesen eine leichte Symptomatik auf. Vor Studieneinschluss waren sie durchschnittlich sechs Jahre mit symptomatischen Parkinson-Medikamenten behandelt worden, allerdings hat in der Zeit die Wirkung der Therapie nachgelassen und sich ein sogenannter „wearing-off“-Effekt eingestellt.

Ein Teil der Studienteilnehmer, die Verumgruppe, erhielt randomisiert einmal wöchentlich, 48 Wochen lang, zwei Milligramm Exenatid, zusätzlich zur medikamentösen Therapie. Die Kontrollgruppe erhielt ebenfalls weiter die Standardtherapie sowie Placebo-Injektionen. Nach 60 Wochen wurde untersucht, inwieweit sich die motorischen Symptome von Parkinson verändert hatten. Die Veränderungen wurden auf Grundlage der MDR-UPDRS Punkteskala („Movement Disorders Society Unified Parkinson`s Disease Rating Scale Part III“) beurteilt. So zeigte die Verumgruppe, zwölf Wochen nach Absetzen von Exenatid, eine Verbesserung in der motorische MDS-UPDRS-Subskala von +1,0 – wohingegen es in der Placebogruppe zu einer Verschlechterung von -2,1 Punkten gekommen war.

Neue Analyse: Wer am besten auf Exenatid anspricht

Die neue Analyse, die das Ergebnis weiter untersucht hat, sollte nun klären, ob es Patientenmerkmale gibt, die ein Ansprechen der Therapie mit Exenatid vorhersagen lassen, und ob die Therapieeffekte von Exenatid in verschiedenen Patienten-Subgruppen vergleichbar sind. Die Subgruppen waren nach Alter, dem motorischen Erscheinungsbild der Erkrankung, der Erkrankungsdauer und Schwere der Erkrankung klassifiziert.

Das Ergebnis: In allen Subgruppen zeigten sich umfassende Verbesserungen der motorischen, aber auch der nichtmotorischen Symptome. Die Patienten profitierten auch hinsichtlich der Kognition und der Lebensqualität. Das beste motorische Therapie-Ansprechen zeigten Patienten mit tremordominantem Parkinson-Phänotyp und niedrigeren Scores des zweiten Teils des MDR-UPDRS, dieser umfasst motorische Fähigkeiten, wie Sprechen, Speichelfluss, Kauen/Schlucken, Ankleiden, Körperpflege, Handschrift, Drehen im Bett, Aufstehen aus dem Sitzen, Gehen und/Gleichgewicht und „Freezing“/Gangblockaden. Allerdings sprachen ältere Patienten und Patienten mit einer Krankheitsdauer von über zehn Jahren weniger gut auf die Therapie an als jüngere Patienten mit kürzerer Erkrankungsdauer.

„Die Daten zur Wirksamkeit von Exenatid bei der Parkinson-Krankheit sind von großem Interesse, da sie auf einen völlig neuartigen Wirkmechanismus mit Bezug zur Insulin-Signaltransduktion hinweisen“, sagt Prof. Poewe. „Dennoch sind weitere Studien erforderlich, um einen möglichen krankheitsmodifizierenden Effekt sicher nachzuweisen.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 04.03.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie e.V. vom 12.12.2018: Subanalyse bestätigt: Antidiabetikum könnte gerade jüngeren Parkinsonpatienten helfen
  • Poewe W, Seppi K. Insulin signalling: new target for Parkinson's treatments? Lancet 2017; 390(10103): 1628-30
  • GBD 2016 Parkinson's Disease Collaborators. Global, regional, and national burden of Parkinson's disease, 1990-2016: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2016. Lancet Neurol. 2018 Nov;17(11):939-953
  • Athauda D, Maclagan K, Skene SS et al. Exenatide once weekly versus placebo in Parkinson's disease: a randomised, double-blind, placebo-controlled trial. Lancet 2017; 390(10103): 166475
  • Athauda D, Maclagan K, Budnik N et al. Post hoc analysis of the Exenatide-PD trial-Factors that predict response. Eur J Neurosci 2018 Aug 2. doi: 10.1111/ejn.14096. [Epub ahead of print]
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