Lebensstil hat mehr Einfluss auf das Schlaganfallrisiko als Gene

Risikofaktoren für einen Schlaganfall sind: bestimmte Gene und ein ungesunder Lebensstil. Doch der Lebensstil hat mehr Einfluss. Kann ein gesunder Lebensstil den Einfluss der Gene ausgleichen?

Älteres Paar trinkt Wasser © iStock
(Berlin – 11.02.2019) Die falschen Gene steigern das Schlaganfallrisiko um ein Drittel, der falsche Lebensstil dagegen um zwei Drittel – beide Faktoren wirken unabhängig voneinander. Wer gesund lebt, kann also genetische Nachteile etwas kompensieren. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Wissenschaftsteam in einer neuen Studie, die im „British Medical Journal" veröffentlicht wurde. „Die Ergebnisse belegen, dass sich ein gesunder Lebensstil zur Schlaganfallprävention lohnt – unabhängig vom genetischen Risikoprofil", sagt Prof. Dr. med. Martin Dichgans, zweiter Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall Gesellschaft, der an der Studie beteiligt war.

Studienaufbau: Genprofile und Lebensstil analysieren

Die Forscher stützten ihre Untersuchungen auf die MEGASTROKE-Analyse, die anhand von genomweiten Assoziationsstudien, genetische Schlaganfall-Risikofaktoren bei 520.000 weißen Europäern aufgespürt hat. Bei genomweiten Assoziationsstudien werden Genomdaten von kranken und gesunden Menschen miteinander verglichen, um herauszufinden welche Gene möglicherweise eine Rolle in Bezug auf die Krankheit spielen. Die Forscher entdeckten 90 Genvarianten, die mit einem Schlaganfall assoziiert wurden. Auf dieser Basis entwickelten die Forscher einen Risiko-Score und wendeten ihn auf die britische prospektive Biobank-Kohortenstudie an. Die UK Biobank enthält die biologischen Informationen von 500.000 Briten im Alter zwischen 40 und 69 Jahren: Genprofile sowie detaillierte Angaben zur Ernährung und zum Lebensstil.

Anhand ihres genetischen Risiko-Scores wurden diejenigen Biobank-Teilnehmer, die bislang weder einen Schlaganfall noch einen Herzinfarkt erlitten hatten, in drei Gruppen eingeteilt: Solche mit hohem, mittleren und niedrigem genetischen Schlaganfallrisiko. Außerdem gruppierten die Forscher die Personen gemäß den Richtlinien der American Heart Association in Kategorien mit gesundem, mäßig gesundem und ungesundem Lebensstil. Gesund lebt laut American Heart Association, wer nicht raucht, nicht allzu dick ist (BMI unter 30), sich mit viel Obst, Gemüse und Fisch ernährt und pro Woche mindestens drei Stunden moderat beziehungsweise eineinhalb Stunden intensiv Sport treibt.

Rauchen und Übergewicht erhöhen das Schlaganfallrisiko deutlich

Das Schlaganfallrisiko war bei den Menschen mit hohem genetischen Risiko um 35 Prozent höher als bei denjenigen mit geringem genetischem Risiko – unabhängig vom Lebensstil. Bei moderatem genetischen Risiko war die Risikorate um 20 Prozent erhöht. Deutlicher war es beim Lebensstil: Teilnehmer mit einer ungesunden Lebensweise erlitten 66 Prozent häufiger einen Schlaganfall als gesund lebende Personen, unabhängig vom genetischen Risiko. Bei solchen, die mäßig gesund lebten, ergab sich eine um 27 Prozent erhöhte Schlaganfallrate.

Schlechte Gene und ungesunder Lebensstil addieren sich

Schlechte Gene und ein ungesunder Lebensstil erhöhen also unabhängig voneinander das Schlaganfallrisiko und addieren sich: Bei Personen mit ungünstigen Genen und zugleich ungesundem Lebensstil war die Schlaganfallrate rund 130 Prozent erhöht gegenüber Personen mit geringem genetischen Risiko und gesundem Lebensstil. Am stärksten trugen Rauchen und ein erhöhter BMI zum lebensstilbedingten Schlaganfallrisiko bei. Bei Männern wirkten sich sowohl Gene als auch Lebensstilfaktoren stärker aus als bei Frauen.

„Die Ergebnisse belegen, dass sich ein gesunder Lebensstil zur Schlaganfallprävention lohnt – unabhängig vom genetischen Risikoprofil. Männer sollten besonders auf eine gesunde Lebensweise achten", sagt Prof. Dr. med. Martin Dichgans, dessen Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung am Klinikum der Universität München an der Studie beteiligt war.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 11.02.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie e.V. vom 11.12.2018: Lebensstil wirkt sich stärker auf Schlaganfallrisiko aus als Gene
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung