Depressionstherapie per App

Forscher der amerikanischen Indiana Universität haben herausgefunden, dass Internet-basierte Therapieplattformen die Krankheit lindern können – auch bei mittleren bis schweren Verläufen.

Frau traurig Handy © iStock

Wie wirksam Internet-basierte Depressionstherapien wirklich sind

(Bloomington (Indiana, USA) 11.01.2019) Depressionen bekämpfen – hierfür gibt es auf dem Markt spezielle Apps und Websites. Um herauszufinden, wie wirksam Internet-basierte Therapieangebote wirklich sind, haben Wissenschaftler der amerikanischen Indiana Universität in Bloomington in einer Metastudie 21 bereits existierende Studien ausgewertet, an denen insgesamt 4.781 Personen teilgenommen haben. Die Studien untersuchten vor allem Apps, die auf der Therapieform der Kognitiven Verhaltenstherapie basieren. Bei der Kognitiven Verhaltenstherapie liegt der Fokus darauf, Gedanken- und Verhaltensmuster zu verändern, um die Symptome der Depression oder anderer psychischer Erkrankungen zu lindern.

Bisherige Studien: Wurden die Effekte zu positiv bewertet?

Studien, die die Wirksamkeit von Internet-basierten kognitiven Therapie-Apps belegen, existieren bereits. Allerdings war bisher unklar, ob deren Effekte zu positiv dargestellt wurden, weil Betroffene mit schweren Depressionen oder zusätzlichen gesundheitlichen Problemen wie Angststörungen oder Alkoholismus ausgeschlossen wurden.  

Die Kernfrage der neuen Metastudie war deshalb, ob vorhergehende Studien die Wirksamkeit dieser Systeme als zu positiv dargestellt haben, indem sie Personen mit schweren Depressionen ausschlossen. „Vor unserer neuen Untersuchung dachte ich, dass sich die vergangenen Studien wahrscheinlich auf Personen mit sehr leichter Depression bezogen, also solche die keine weiteren psychischen Probleme und ein geringes Suizidrisiko hatten“, sagt Prof. Lorenzo Lorenzo-Luaces, Professor an Indiana Universität Bloomington am Lehrstuhl für Psychologie und Hirnforschung und Leiter der Metastudie. „Zu meiner Überraschung war das nicht der Fall. Die Wissenschaft weist darauf hin, dass diese Apps und Plattformen einer großen Anzahl an Menschen helfen können.“

Die Apps helfen – bei leichten, mittleren und schweren Depressionen

Nachdem die Wissenschaftler die 21 Studien ausgewertet hatten, kamen sie zu dem Ergebnis, dass Internet-basierte Therapieprogramme Depressionen effektiv mildern können. Das gilt sowohl für leichte wie auch für mittlere und schwere Depressionen.    

„Das heißt nicht, dass man aufhören sollte seine Medikation zu nehmen und stattdessen zum nächsten App Store gehen sollte”, sagt Prof. Lorenzo Lorenzo-Luaces. Persönliche Therapie und Antidepressiva sind immer noch effektiver als Internet-basierte kognitive Verhaltenstherapie-Apps. „Personen neigen dazu, sich besser zu verhalten, wenn sie etwas Führung erhalten.” Für viele Menschen kann aber ein Kontrolltermin von zehn bis 15 Minuten ausreichend sein, sodass der Therapeut mehr Zeit hat, weitere Patienten zu behandeln.

Potenziale von Internet-basierten kognitive Verhaltenstherapie-Apps

Für Lorenzo-Luaces sind Apps zur kognitiven Verhaltenstherapie ein wichtiges Mittel, um einem großen Gesundheitsproblem zu begegnen: dem Versorgungsmangel. Denn die Anzahl an Personen, die an psychischen Krankheiten, wie Depression, leidet, übersteigt jene, die effektiv behandelt werden können. „Fast jeder Vierte erfüllt die Kriterien einer Major Depression. Wenn man Personen mit einer Minor Depression mit einrechnet oder die, die für eine Woche, einen Monat depressiv sind oder nur wenige Symptome aufweisen, steigt diese Zahl und übersteigt die Anzahl an Psychologen, die sie behandeln können.“  

Außerdem ist die Behandlung von psychischen Erkrankungen kostenintensiv. Depressive Menschen neigen dazu, häufiger Allgemeinärzte aufzusuchen, haben mehr medizinische Probleme und außerdem kann ihre Depression dazu führen, dass sie Medikamente für andere gesundheitliche Probleme nicht einnehmen.  

Ein weiterer Vorteil von App-basierter Therapie ist, dass sie orts- und zeitunabhängig stattfinden kann. Beispielsweise, wenn die räumliche Distanz zwischen Therapeut und Patient zu groß ist oder Arbeitszeiten einen Therapiebesuch nicht ermöglichen. „Internet-basierte kognitive Verhaltenstherapie-Apps können die Methoden, die wir gelernt haben, übernehmen und vielen Menschen, die davon profitieren können, zugänglich machen.“, sagt Prof. Lorenzo Lorenzo-Luaces.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 11.01.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Lorenzo-Luaces L, Johns E, Keefe JR.: The Generalizability of Randomized Controlled Trials of Self-Guided Internet-Based Cognitive Behavioral Therapy for Depressive Symptoms: Systematic Review and Meta-Regression Analysis. J Med Internet Res 2018;20(11):e10113. doi: 10.2196/10113.