Bei Depressionen ist Hirnregion zur Stresskontrolle vergrößert

Bei depressiven Menschen ist der Hypothalamus – er reguliert auch die Stresskontrolle im Gehirn – vergrößert. Was das für Betroffene bedeutet. 

Depressiver Mann im Büro © iStock
(Leipzig – 07.11.2018) Er ist so groß wie eine Ein-Cent-Münze – der Hypothalamus – und reguliert die Stresskontrolle im Gehirn. Eine aktuelle Studie des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig und des Universitätsklinikums Leipzig hat nun herausgefunden, dass er bei Betroffenen vergrößert ist. Das könnte erklären, warum viele Betroffene einen erhöhten Spiegel des Stresshormons Cortisol haben und sich dauerhaft angespannt fühlen.

Verbreitung von Depressionen und Ursachenforschung

Laut der Weltgesundheitsorganisation waren 2015 rund 322 Millionen Menschen weltweit von Depressionen betroffen – das sind 4,4 Prozent der Weltbevölkerung. Die Ursachen von Depressionen sind noch nicht geklärt, obwohl sie zu den häufigsten psychischen Leiden in Deutschland  gehören. Allerdings ist die bisherige Forschung zunehmend zu der Erkenntnis gekommen, dass es sich um eine Kombination aus Veranlagung und Stressfaktoren aus dem Umfeld handeln muss.

Bei Depressionen ist ein Teil des Stresssystems gestört

Bislang ist bekannt, dass bei vielen Menschen mit einer erhöhten Veranlagung zur Depression eines der körpereigenen Stresssysteme nicht richtig funktioniert. Dieses System, die sogenannte Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse, kurz HPA-Achse, wird normalerweise hochgefahren, wenn wir uns in einer stressigen Situation befinden. Dann schüttet es vermehrt Cortisol aus, das wiederum bewirkt, dass der Körper mehr Energie bereitstellt und er sich seiner Herausforderung stellt. Sobald die Ausnahmesituation vorüber ist, sorgen verschiedene Stellschrauben innerhalb der HPA-Achse dafür, dass das System wieder heruntergefahren wird.

Bei Menschen mit Depressionen oder einem erhöhten Risiko dafür ist das nicht der Fall. Hier funktioniert der Rückkopplungsmechanismus nicht. Sie leiden unter einem hyperaktiven Stresssystem, das auf Hochtouren läuft, obwohl es keine offensichtliche Stresssituation gibt. Bisher ist jedoch wenig darüber bekannt, warum bei den Betroffenen das Stresssystem hyperaktiv ist und welche Rolle dabei möglicherweise der Hypothalamus als übergeordnete Steuereinheit dieses Systems spielt.

Hypothalamus bei Depressiven etwa fünf Prozent größer

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig und des Universitätsklinikums Leipzig haben nun in einer Studie mit insgesamt 84 Probanden herausgefunden, dass bei Personen mit einer sogenannten affektiven Störung, also einer psychischen Störung bei der die Stimmungslage verändert ist, der linke Hypothalamus um durchschnittlich fünf Prozent größer ist als bei Gesunden. „Wir haben beobachtet, dass diese Hirnregion sowohl bei Menschen mit einer Depression als auch mit einer bipolaren Störung, als zwei Formen der affektiven Störung vergrößert ist“, sagt Stephanie Schindler, Doktorandin an beiden beteiligten Forschungseinrichtungen. Dabei habe sich in einer der depressiven Patientengruppen auch gezeigt, dass die Hirnregion umso größer war, je schwerer die Krankheit war. Außerdem hatten Medikamente wie Antidepressiva keinen Einfluss auf die Größe des Hypothalamus.

Forschungsaufbau und Fazit

Untersucht haben die Leipziger Wissenschaftler diese Zusammenhänge mithilfe der hochaufgelösten 7-Tesla-Magnetresonanztomographie. Die Schwere des psychischen Leidens ermittelten sie mithilfe von standardisierten Fragebögen und Interviews. „Wir wissen bisher zwar noch nicht, welche Rolle der größere Hypothalamus innerhalb der Depression oder bipolaren Störung spielt. Frühere Studien haben jedoch gezeigt, dass er bei Betroffenen aktiver ist. Eine höhere Aktivität könnte möglicherweise zu plastischen Veränderungen und damit zu einem größeren Volumen dieser kleinen Hirnstruktur führen“, sagt Stefan Geyer, einer der Studienleiter.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 07.11.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften vom 20.09.2018: Bei Depressionen ist Hirnregion zur Stresskontrolle vergrößert
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