Hitze verstärkt MS-Symptome

Bei Hitze verstärken sich die Symptome von Multiple Sklerose. Warum das so ist und wie Sie die Beschwerden lindern können.

Wasser läuft in Hände © iStock
(Dresden – 20.08.2018) Mit Hitze kämpfen besonders Multiple-Sklerose-Erkrankte: Sie fühlen sich schlapp, müde, benommen und ihre Sehfähigkeiten oder motorischen Fähigkeiten verschlechtern sich. Darauf weisen Mitarbeiter des Multiple Sklerose Zentrums am Zentrum für klinische Neurowissenschaften am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus hin.

Warum sich bei Hitze die Symptome von MS verschlechtern

Multiple Sklerose (kurz: MS) ist eine Autoimmunerkrankung, die Entzündungen im Gehirn und Rückenmark auslöst. „Dort bilden sich nach Abheilen der aufgetretenen Entzündungsherde Narben im Bereich der Nervenfasern, die bei Erhöhung der Körpertemperatur schlechter die Informationen weiterleiten können und somit zum Wiederauftreten von Beschwerden führen können.“, sagt Prof. Dr. Tjalf Ziemssen, Direktor am Multiple Sklerose Zentrum. Die Folge: Der MS-Patient spürt bei Hitze eine deutliche Verstärkung der schon vorhandenen Beschwerden – einen sogenannten Pseudoschub, der als Uhthoff-Phänomen bezeichnet wird.

Der Pseudoschub: das Uhthoff-Phänomen

Das Uhthoff-Phänomen: Es bedeutet, dass sich die Beschwerden von Multipler Sklerose vorübergehend verschlechtern, wenn sich die Körpertemperatur erhöht. Das ist bei Fieber oder erhöhter Umgebungstemperatur der Fall. Mehr als 80 Prozent der MS-Erkrankten sind davon betroffen. Die Ursache: Es wird angenommen, dass sich durch die erhöhte Körpertemperatur die Leitfähigkeit der geschädigten Nervenfasern im Gehirn und Rückenmark verschlechtert. Das Phänomen wurde erstmals vom deutschen Augenarzt Wilhelm Uhthoff (1853-1927) beschrieben.

So können Sie dem Uhthoff-Phänomen vorbeugen und Beschwerden lindern

Extrem anstrengende körperliche Betätigung sollten Sie vermeiden. Ebenso Umstände – wie Fieber und Hitze –, da sie die Körpertemperatur erhöhen. Die Beschwerden können Sie lindern, wenn Sie Kühlkleidung tragen. Dazu gehören: Kühlwesten, Kühlhauben und Kühlstrümpfe. Oder eine Schüssel mit kaltem Wasser, in die Sie Füße und Arme tauchen. Wichtig ist auch, dass für Sie möglichst viel trinken, um einem Flüssigkeitsverlust vorzubeugen, der zusätzlich die Beschwerden verschlimmern kann. Am besten eignet sich Wasser.

Gerüchte über die Krankheit und neue Therapieformen

„Leider gibt es im Bereich der Multiplen Sklerose immer noch viele Mythen und Gerüchte, die den Patienten einschränken.“, sagt Prof. Tjalf Ziemssen. „So wird zum Beispiel berichtet, dass MS-Patienten aufgrund der Hitzeempfindlichkeit nicht in die Sauna gehen können.“ Dies ist als allgemeiner Grundsatz nicht richtig, viele Patienten profitieren von der Sauna. Zudem gibt für die schubförmige, aber auch für die progrediente Multiple Sklerose mehr und mehr therapeutische Möglichkeiten, die individuell für den einzelnen Patienten ausgewählt werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 20.08.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden vom 03.08.2018: Extreme Sommerhitze macht Multiple Sklerose-Erkrankten zu schaffen
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