Ist Schlaflosigkeit nur ein böser Traum?

Schlaflose Nächte finden oft nur im Traum statt, fanden Forscher des Universitätsklinikums Freiburg heraus. Das macht sie zwar nicht weniger belastend – ermöglicht aber neue Therapien.

Mann liegt wach im Bett. © iStock
(Freiburg – 23.07.2018) Schlaflosigkeit belastet. Betroffene fühlen sich müde, wenig leistungsfähig und unkonzentriert. Doch messen lässt sich die subjektiv empfundene Schlaflosigkeit oft nicht – stattdessen träumen die Betroffenen „nur“ nicht schlafen zu können. Das fanden nun Forscher des Universitätsklinikums Freiburg heraus.

Betroffene schlafen rund 80 Prozent des normalen Pensums

„Die meisten Patienten, die eine stark ausgeprägte Schlaflosigkeit schildern, schlafen im Schlaflabor rund 80 Prozent des normalen Pensums“, sagt Dr. Bernd Feige, Forschungsgruppenleiter an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg. Warum sich subjektive Wahrnehmung und objektiv messbare Schlafdauer unterscheiden – dass versuchen Wissenschaftler seit rund 20 Jahren zu erklären. Erstmals liefern jetzt Forscher der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Freiburg eine objektiv messbare Erklärung.

Schlaflosigkeit ist manchmal nur ein böser Traum

Für ihre Studie baten die Freiburger Forscher 27 Probanden mit schweren Schlafstörungen und 27 gesunde Schläfer ins Schlaflabor. In den ersten beiden Nächten gewöhnten sich die Probanden an die Umgebung. In den beiden Folgenächten weckten die Forscher die Probanden mit einem Signalton aus der REM-Phase (Rapid Eye Movement-Phase) – sie wird auch als Traumphase bezeichnet. Sobald sie wach waren, drückten die Studienteilnehmer einen Knopf und ein Studienmitarbeiter fragte sie: ‚Haben Sie gerade geschlafen oder waren Sie wach?‘.  

Das Ergebnis: „Obwohl alle Probanden aus dem Traumschlaf geweckt wurden, war sich jeder sechste Proband mit Schlafproblemen sicher, wachgelegen zu haben“, sagt Dr. Feige. Gesunde Probanden dachten das fast nie. Befragt nach ihrer letzten Erinnerung vor dem Signalton – also nach ihren Träumen –, berichteten die vermeintlich wachen Probanden von quälenden Gedanken darüber, nicht schlafen zu können. „Offensichtlich bauen manche Menschen die Sorge vor einer Schlafstörung in ihre Träume ein. Sie träumen also ‚nur‘ von einer Schlafstörung“, sagt Dr. Feige. Bei der Befragung vermieden die Mitarbeiter Begriffe wie „Träumen“, „Wecken“ und „Schlafen“, um den Studienteilnehmern keinen Hinweis auf ihren Zustand zu geben.

Traumtherapie könnte helfen

„Ganz wichtig ist: Für die Belastung der Patienten macht es keinen Unterschied, ob die Schlafstörung objektiv messbar oder nur im Traum vorhanden ist. Aber die Erkenntnis gibt uns wertvolle Hinweise zur Behandlung der Schlafstörung“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Dieter Riemann, Sprecher des Schlafmedizinischen Zentrums am Universitätsklinikum Freiburg. So können etablierte Traumtherapien oder auch Medikamente den Betroffenen helfen – beide Therapien sollen die Traumphase stärken.

Schlaflosigkeit belastet seelisch und körperlich

„Schlaflosigkeit kann eine schwere Krankheit sein und das Risiko für andere schwere Krankheiten erhöhen, etwa Depression oder Schlaganfall“, sagt Prof. Riemann. Viele Insomnie-Patienten sind sehr leistungsorientiert, fokussiert und geplant. „Genau diese Strategie funktioniert aber beim Schlaf nicht. Schlaf kommt, wenn man sich von Erwartungen löst“, so Prof. Riemann.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 23.07.2018
  • Autor/in: vitanet.de; kw
  • Quellen: Pressemitteilung des Universitätsklinikums Freiburg vom 13.06.2018. Schlaflosigkeit – nur ein böser Traum?
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