Aggressive Abwehr: warum bei Parkinson bestimmte Nervenzellen absterben

Bei Menschen mit Morbus Parkinson sterben die Nervenzellen, die im Mittelhirn Dopamin produzieren. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sind jetzt einer Ursache der Parkinson-Krankheit auf die Spur gekommen. Sie fanden heraus: Abwehrzellen des Immunsystems – die sogenannten T-Zellen – greifen diese Nervenzellen an und töten sie.

Forscherin am Mikroskop © iStock
(Erlangen – 13.07.2018) Ist ein Mensch an Parkinson erkrankt, mangelt es im Gehirn am Botenstoff Dopamin. Der Grund: Es wird zu wenig Dopamin produziert, weil die Nervenzellen, die es produzieren, absterben. Warum das so ist, wusste man bisher nicht. Mediziner der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) konnten nun belegen, dass die Abwehrzellen des Immunsystems von Menschen mit Parkinson die eigenen dopaminproduzierenden Nervenzellen angreifen. Veröffentlicht wurden die Forschungsergebnisse im Magazin Cell Stem Cell.

Die Krankheit Morbus Parkinson: Symptome und Erkrankungen

Die Parkinson-Krankheit – früher als Schüttellähmung bezeichnet – zählt zu den häufigsten Bewegungserkrankungen des Nervensystems. Weltweit sind rund 4,1 Millionen Menschen an Parkinson erkrankt – in Deutschland leben mehr als 300.000 Betroffene. Typische Symptome der Erkrankung sind verlangsamte Bewegungen, Muskelsteifheit, heftiges Zittern und eine zunehmend gebeugte Körperhaltung. Die Ursache: ein Mangel an Dopamin im Gehirn.

Die Untersuchung: Abwehrzellen töteten eine große Anzahl an Nervenzellen

Ausgangspunkt der Untersuchungen war, dass Wissenschaftler im Mittelhirn von Parkinsonpatienten ungewöhnlich viele T-Zellen fanden – das ist oft bei Erkrankungen der Fall, bei denen das Immunsystem das Hirn angreift. Außerdem wurden im Blut der Betroffenen ebenfalls besonders viele T-Zellen – genau gesagt Th17-Zellen – gefunden. Auch bei Autoimmunerkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis sind viele dieser Zellen im Blut der Erkrankten vorhanden.  

Diese Ergebnisse nahmen die Forscher zum Anlass eine Zellkultur aus menschlichen Zellen zu entwickeln. Zu Beginn wurde Betroffenen und gesunden Testpersonen eine kleine Hautprobe entnommen. Diese Hautzellen wurden in Stammzellen umgewandelt, denn Stammzellen können sich zu jedem beliebigen Zelltyp entwickeln. Das Forschungsteam differenzierte die Stammzellen weiter zu patienteneigenen Mittelhirnnervenzellen.  

Diese Mittelhirnzellen wurden dann mit frischen Abwehrzellen des Immunsystems desselben Patienten in Kontakt gebracht. Das Ergebnis: Die Abwehrzellen von Parkinsonpatienten töteten eine große Anzahl ihrer eigenen Nervenzellen. Bei gesunden Testpersonen konnte das nicht nachgewiesen werden.

Hoffnungsträger gegen die Parkinson-Krankheit: Antikörper

Daneben fanden die Forscher heraus, dass bestimmte Antikörper, die Wirkung der Th17-Zellen blockierten. Ein Antikörper, der bereits im Klinikalltag bei Schuppenflechte angewandt wird, konnte den Tod der Nervenzellen sogar weitgehend verhindern. „Mit unseren Untersuchungen ist es uns gelungen, klar nachzuweisen, dass und auch wie T-Zellen an der Entstehung des Parkinsonsyndroms beteiligt sind“, sagt Prof. Dr. Beate Winner, die an der Studie mitarbeitete. „Die Erkenntnisse aus unserer Studie bieten eine wichtige Grundlage für neue Behandlungsmöglichkeiten der Parkinson-Krankheit.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 13.07.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg vom 05.07.2018: Aggressive Abwehrzellen verstärken Parkinson-Krankheit.
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