Schlaganfall bei jungen Menschen

Schlaganfälle erleiden fast nur ältere Menschen. Dachte man. Diese These stimmt so aber nicht, wie neuere Studien zeigen. Zudem sind die Ursachen für einen Schlaganfall in jungen Jahren oft andere als bei einem Schlaganfall im Alter.

Frau mit Kopfschmerzen © iStock
(Gütersloh – 09.05.2018) Ein hohes Alter ist grundsätzlich der größte Risikofaktor für einen Schlaganfall. Doch neuere Studienauswertungen gehen davon aus, dass der Anteil der jüngeren Betroffenen größer ist als bisher angenommen.

Ärzte gehen von 30.000 Betroffenen pro Jahr aus

„Wir gehen in Deutschland von 30.000 Betroffenen unter 55 Jahren pro Jahr aus", sagt Dr. Lars Kellert, Oberarzt am Universitätsklinikum München. Gemeinsam mit anderen Autoren hat der Neurologe zahlreiche Studien zum Schlaganfall bei jüngeren Menschen ausgewertet und die Ergebnisse zusammengefasst.

Diabetes, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen sind klassische Risikofaktoren eines Schlaganfalls. Häufig führen sie zu Arteriosklerose – die einen Gefäßverschluss verursachen kann. „Doch diese Ursachen spielen bei jungen Menschen fast keine Rolle.“, so Kellert.

Ursachen für Schlaganfälle bei jungen Menschen

Die Auswertung der Studien ergab, dass eine häufige Ursache für Schlaganfälle bei jungen Menschen zum Beispiel spontane Gefäßdissektionen sind. Hier kommt es, durch eine kleine Verletzung, zu einem Einriss in der Gefäßinnenwand in einer Halsarterie. Dadurch bildet sich ein Wandhämatom – das kann zu einer Engstelle oder sogar einem Gefäßverschluss führen. „Diese Patienten sind oft Mitte 40 oder jünger, im höheren Lebensalter sind solche Dissektionen sehr selten“, sagt Kellert. Man vermutet, dass 15 bis 25 Prozent der so genannten juvenilen Schlaganfälle – also die Betroffenen sind jünger als 55 Jahre – durch solche Dissektionen entstehen. Andere seltenere Ursachen sind zum Beispiel Gerinnungsstörungen. Schlaganfälle bei jungen Menschen sind deshalb komplexer und schwieriger zu diagnostizieren.

Keine Ursache gefunden? Ein gutes Zeichen!

In 30 bis 50 Prozent der Fälle – laut der neueren Studienauswertung – finden Ärzte trotz intensiver Diagnostik die Ursache für einen juvenilen Schlaganfall nicht. Viele Betroffene fürchten sich deshalb vor einem neuen Schlaganfall. Allerdings ist das eher ein positives Zeichen: „Wenn man keine eindeutige Ursache findet, ist das Wiederholungsrisiko wesentlich geringer. Patienten müssen zwar lernen, mit dieser Unsicherheit zu leben, aber im Prinzip ist das die bessere Nachricht.", sagt Kellert.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 09.05.2018
  • Autor/in: Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Schlaganfall-Hilfe vom 18.12.2017: Schlaganfall bei jungen Menschen. Keine Ursache ist im Prinzip die bessere Nachricht.
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung