Hirnschrittmacher hilft Parkinsonkranken

Gute Neuigkeiten zum Welt-Parkinson Tag: Ein Hirnschrittmacher hilft zweifach. Diese Ergebnisse liefert die deutsch-französische „EARLYSTIM“-Studie. So lindert die Tiefe Hirnstimulation (THS) – auch Hirnschrittmacher genannt –  bei fortgeschrittenem Morbus Parkinson nicht nur Störungen der Bewegung, sondern hält auch krankheitsbedingtes impulsives Verhalten im Zaum.

Hirnschrittmacher bei Parkinson © iStock

Parkinson in Deutschland und die Therapie mit Medikamenten

(Marburg, Essen – 11.04.2018) In Deutschland leben geschätzt bis zu 420.000 Parkinson-Patienten. Sie ist eine der häufigsten neurologischen Störungen. Außerdem sei „aufgrund des zunehmenden Altersdurchschnitts damit zu rechnen, dass die Zahl der Betroffenen sich bis zum Jahr 2030 auf weltweit 8,7 Millionen verdoppelt“, sagt der Marburger Neurologe Prof. Dr. Lars Timmermann, der dem Steuerungskomitee der Studie angehört. Seiner Meinung nach sind durch moderne Medikamente die Symptome von Parkinson gut zu behandeln. Der Nachteil dabei ist, dass schwerwiegende Verhaltensstörungen, wie Spielsucht, zu viel Lust auf Sex, Fressattacken und krankhafter Kaufrausch auftreten können – gerade bei jungen Patienten.

Die EARLYSTIM-Studie

Die Studienmacher beobachteten zwei Jahre lang 251 Parkinson-Patienten mit Hirnschrittmachern, die im Schnitt knapp acht Jahre lang an Parkinson erkrankt waren. Insgesamt arbeiteten Arbeitsgruppen aus 18 europäischen Universitäten an der Studie. Um die Verhaltensänderungen durch THS messen zu können, wurde die „Ardouin Scale of Behavior in Parkinson’s Disease“ verwendet – ein psychiatrischer Bewertungsmaßstab für Parkinson.

Bereits vor fünf Jahren brachte die Studie erste Ergebnisse: Parkinson-Patienten, die zusätzlich mit Tiefer Hirnstimulation behandelt wurden, hatten eine höhere Lebensqualität als solche, die lediglich Medikamente erhalten hatten.

„Unsere Befunde erlauben einen Kurswechsel in der Behandlung“

Sagt Prof. Dr. Timmermann. Bislang galten Verhaltensstörungen als Hindernis für chirurgische Eingriffe. Manche Experten befürchteten sogar, dass durch Tiefen Hirnstimulation diese Impulsstörungen auftreten können – heute weiß man, dass Medikamente dazu führen können. „ Die Auswertung der EARLYSTIM-Studie zeigt, dass Fluktuationen – Impulsstörungen – unter der Stimulationsbehandlung sogar abnehmen. Die THS bessert die Befindlichkeit deutlich und in einem Maße, wie es mit Medikamenten alleine nicht erreicht wird“, so Professor Dr. Günter Deuschl von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Dies bestärkt auch Prof. Dr. Timmermann.  Er meint, dass gerade Parkinsonpatientinnen und -patienten mit Impulsstörungen von einer Tiefenstimulation profitieren würden.

Wie funktioniert ein Hirnschrittmacher?

Bei einer Tiefen Hirnstimulation (THS) übernimmt ein Hirnschrittmacher, das sind dünne Elektroden, die in das Gehirn implantiert werden, die Aufgabe des Dopamins. Parkinson ist eine neurologische Krankheit und beruht auf einem Mangel an Dopamin im Gehirn. Dadurch ist die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen gestört. Die Symptome: Zittern, verlangsamte Bewegung, Muskelsteifigkeit oder Sprachstörungen. Der Hirnschrittmacher gibt elektrische Impulse an die Zielregion ab, die dadurch deaktiviert oder stimuliert wird, je nach Stromfrequenz.

Mögliche Einschränkungen bei älteren Betroffenen

„Der Erfolg einer Hirnschrittmacher-Behandlung ist immer abhängig von einer optimalen Operation“, sagt Prof. Dr. Christopher Nimsky, der die Marburger Neurochirurgie leitet. Prof. Dr. Timmermann gibt außerdem zu bedenken, dass die Studienergebnisse bei Patienten unter 61 Jahren erzielt worden seien: „Ob die Resultate auf alle Altersgruppen zu übertragen sind, ist in künftigen Studien zu überprüfen.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 11.04.2018
  • Autor/in: Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Welt-Parkinson-Tag: Hirnschrittmacher hilft Parkinson Patienten.
  • Pressemitteilung der Philipps-Universität Marburg: Hirnschrittmacher hilft Parkinsonkranken.