Emotionales Essen – Bewältigungsstrategien gegen das Frustessen

Aus Frust eine Tafel Schokolade, vor lauter Glück eine Hand Gummibärchen oder einsam auf der Couch mit Chips – Gefühle nehmen Einfluss auf unser Essverhalten. Warum das nicht so sein muss und welche Bewältigungsstrategien es gibt.

Frau isst Popcorn © iStock
(Berlin – 16.03.2018) Das Phänomen des Frustessens ist vielen Menschen wohlbekannt. Doch unser Essverhalten muss nicht zwangsläufig von unseren Gefühlen beeinflusst werden. Der Psychologe Dr. Esben Strodl von der Queensland University of Technology in Australien hat als Leiter des klinischen psychologischen Diensts an den QUT Health Clinics innerhalb der letzten zehn Jahre gemeinsam mit seinen Studierenden dieses Essverhalten untersucht. Er rät: „Es ist wichtig zu erkennen, dass es auch mal okay ist, traurig zu sein und dass negative wie auch positive Gefühle zum Leben gehören. Manchmal sind Menschen traurig und haben das Gefühl, dass sie dieses traurige Gefühl „reparieren" müssen. Emotionales Essen ist eine gängige Strategie, damit umzugehen."

Negative Gefühle annehmen und akzeptieren

„Teilweise tendieren Menschen zum emotionalen Essen, weil sie ihre Gefühle als etwas Negatives ansehen. Wenn Sie davon ausgehen, dass ein Gefühl gefährlich oder unkontrollierbar ist, wollen Sie es natürlich schneller wieder loswerden und greifen dafür auch zu Bewältigungsstrategien wie Essen oder Trinken. Lebensmittel bieten sich dafür besonders an, da sie leicht zu erwerben und gesellschaftlich anerkannt sind. Wenn Sie sich von Ihrem Partner getrennt haben und sich deshalb nicht gut fühlen, ist es wichtig zu verstehen, dass das in Ordnung ist. In dieser Situation würde es vielen Menschen schlecht gehen. Es ist entscheidend zu erkennen, dass diese Gefühle vorübergehen. Man muss sie in diesem Moment nicht unterdrücken."

Süß, salzig, fettig: die beliebtesten Trostessen

Dr. Strodls Untersuchungen ergaben: Das sind die drei beliebtesten Trostessen: 

1. Süße Nahrungsmittel wie Lutscher
2. Salzige Nahrungsmittel wie Chips
3. Süße und fettige Naschereien wie Donuts und Eiscreme 

Die am wenigsten trostspendenden Nahrungsmittel sind – laut Studie – scharfes Essen oder Essen aus der Konservendose.

Gründe für gefühlsbedingtes Essverhalten

Die Umfrage ergab außerdem – das sind die Top 5 der Gründe für gefühlsbedingtes Essverhalten: 

1. Negative Gefühle wie Depression, Stress und Angstzustände
2. Positive Gefühle (beispielsweise Glücksgefühle) 
3. Müdigkeit und Erschöpfung
4. Selbstverachtung und Ekel 
5. Ablehnung und Aufgabe

Strategien gegen das Frustessen

Eine aktuelle Studie an der QUT belegt, dass ein effektiver Weg zur Bewältigung negativer Gefühle die Anerkennung der Gefühle ist. So soll erkannt werden, woher das negative Verhalten tatsächlich kommt. 

„Klassische Verhaltensinterventionen zielen darauf ab, das Verhalten und die Gedanken der emotionalen Esser zu verändern. Unser Ziel war es jedoch, den Betroffenen beizubringen ihre Gefühle zu identifizieren und zu akzeptieren – das reichte schon, um ihr Essverhalten zu verbessern", so Dr. Strodl.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.03.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Anja Dolski
  • Quellen: Pressemitteilung des Australisch-Neuseeländischen Hochschulverbunds / Institut Ranke-Heinemann, Sabine Ranke-Heinemann: Emotionales Essverhalten: Mit Süßigkeiten durch den Valentinstag?
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