Wie Prüfungsstress unser Immunsystem beeinflusst

Stress beeinflusst unser Immunsystem. Doch wie stark wirkt sich konkret Prüfungsstress auf unser Abwehrsystem aus? Das haben Forscher nun untersucht.

Studentin sitzt gestresst vor dem Computer © iStock
(Dortmund – 23.11.2017) Dass Stress unser Immunsystem beeinflussen kann, ist bekannt. Und in Klausurphasen fühlen sich viele besonders gestresst.  Psychologen und Immunologen des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) haben nun analysiert, wie sich dieser Prüfungsstress auf unser Abwehrsystem auswirkt.

Prüfungsstress: eine Mischung aus chronischem und akutem Stress

Prüfungsstress ist eine von vielen psychologischen Stressquellen im Alltag, die einen schädlichen Einfluss auf die Gesundheit haben können. So zeigen Ergebnisse anderer Studien, dass zum Beispiel die Anzahl und Funktionalität von Immunzellen, die uns vor Krankheiten schützen, unter Stresseinfluss abnimmt. Die zugrunde liegenden Mechanismen dieser Beeinflussung sind jedoch noch nicht bekannt.

Für ihre Studie untersuchten die Dortmunder Forscher die Effekte von Prüfungsstress auf das Immunsystem bei Studierenden. Was diese Form von Stress ausmacht, ist eine Mischung von chronischen und akuten Stresselementen – von der kraftraubenden Vorbereitungszeit, über die Aufregung unmittelbar vor der Prüfung bis zum manchmal langen Warten auf Ergebnisse. Die Wissenschaftler untersuchten alle Studienteilnehmer fünf Mal, verteilt über acht Wochen. Die erste Untersuchung fand vor dem Lernstart statt, die zweite wurde in der heißen Phase etwa eineinhalb Woche vor dem Klausurtermin durchgeführt, die dritte und vierte standen unmittelbar vor beziehungsweise nach der Prüfung sowie die fünfte eine Woche nach der Prüfungsphase an. Die Probanden studierten Psychologie in verschiedenen Semestern.

45 immunologische Parameter untersucht

An jedem Untersuchungstag wurden den Probanden Blut- und Speichelproben entnommen. So konnten die Forscher zeitabhängige Veränderungen anhand von 45 immunologischen Parametern analysieren – zum Beispiel Untergruppen von Natürlichen Killerzellen (NK-Zellen), Monocyten oder T-Zellen. Um Rückschlüsse zu ziehen, ob Persönlichkeitseigenschaften der Probanden einen vermittelnden Einfluss auf die Auswirkungen von Prüfungsstress haben, mussten die Probanden eine Reihe von standardisierten Fragebögen beantworten. Dabei ging es um Themen wie Burnout, Depression, Selbstkontrollfähigkeit sowie Anforderungen im Beruf und Privatleben.

Das Ergebnis der Studie: Die Anzahl der Immunzellen im Blut verminderte sich im Verlauf des Prüfungszeitraum. Dies betraf besonders NK-Zellen und Monozyten – also Zellen des angeborenen Immunsystems, die für frühe Immunantworten gegen Infektionen besonders wichtig sind. Aber nicht nur die Anzahl der Immunzellen war vermindert. Auffällig ist auch eine Verschiebung des Verhältnisses von unreifen zu reifen Subpopulationen von NK- und T-Zellen. „Bis kurz vor Klausurstart stiegen die prozentualen Anteile der unreifen Zellen im Blut an, während die der reifen Zellen sanken“, sagt Studienautor Prof. Dr. Carsten Watzl. Den Grund der Umverteilung konnten die Forscher noch nicht klären: Die reifen Zellen seien wahrscheinlich ins Gewebe gewandert. So könnte sich der Körper auf Infektionen oder Verletzungen vorbereiten, die aus evolutionsbiologischer Sicht Folge einer Stresssituation sind.

Die Folgen von chronischem Stress

Die Wissenschaftler konnten außerdem zeigen, dass das Immunsystem der Studienteilnehmer, die schon vor der Prüfungsphase aus individuellen Gründen psychisch belastet waren, kaum noch auf den akuten Stress durch die anstehende Klausur reagierte. Probanden, die von chronischem Stress betroffen waren, verfügten generell über weniger Immunzellen, deren Anzahl sich während der Klausurphase kaum veränderte. Frühere Belastungen könnten das Immunsystem so weit geschwächt haben, dass es nicht mehr adäquat auf vorübergehende Stressbelastungen reagiere, so die Autoren.

Laut der Forscher sind nun Folgestudien mit einer größeren Probandenzahl und einheitlicheren Prüfungssituationen wie Abschluss- oder Fahrprüfungen nötig, um die Ergebnisse der aktuellen Studie zu untermauern und das Wissen um die Effekte von Stress und Persönlichkeitseigenschaften auf das Immunsystem zu vertiefen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 23.11.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Leibnitz-Instituts für Arbeitsforschung an der TU Dortmund: Voll im Prüfungsstress
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