Soziales Mimikry

Eine Studie zeigt: Wer beim Kennenlernen sein Gegenüber nachahmt, wird sympathischer wahrgenommen und steigert dadurch seine Beliebtheit.

Frau und Mann bei einem Date © iStock
(Leipzig – 17.11.2017) Das verbale und nonverbale Verhalten des Gegenübers spontan nachzuahmen (soziales Mimikry) ist eine unbewusste Strategie, um Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen. Wir ahmen beispielsweise den Akzent, die Mimik, die Gestik oder die Haltung der anderen Person nach. Inwieweit unterscheiden sich Menschen in ihrem Nachahmungsverhalten und welchen Einfluss hat das auf die Sympathie beim Kennenlernen? Das haben Forscher der Universität Leipzig und der Freien Universität Berlin in einer gemeinsamen Studie untersucht.

Nachahmungsverhalten beim Kennenlernen untersucht

Die Forscher analysierten das Nachahmungsverhalten beim Kennenlernen. Hierzu luden sie 139 Personen, die sich zuvor nicht kannten, in gleichgeschlechtlichen Gruppen von vier bis sechs Teilnehmern ins Labor ein. Jeder führte dann nacheinander mit jeweils allen anderen Gruppenmitgliedern fünfminütige Kennenlerngespräche. Davor und danach gab jede Person an, wie sympathisch er oder sie die andere Person fand. Auf Basis der Videoaufzeichnungen dieser Gespräche wurden dann Unterschiede im Nachahmungsverhalten und dessen Effekte auf die gegenseitigen Sympathie-Einschätzungen analysiert.

„Soziale Chamäleons“ sind beliebter

Die Ergebnisse zeigen, dass sich Personen in ihrer Tendenz, ihre Interaktionspartner nachzuahmen, unterscheiden. So gibt es Menschen, die kaum Nachahmverhalten zeigen, während andere Menschen besonders häufig das Gegenüber nachahmen. Sie werden in der Forschungsliteratur als soziale Chamäleons bezeichnet. „In unserer Studie können wir zeigen, dass dieses Nachahmungsverhalten zu einer höheren Beliebtheit dieser sozialen Chamäleons führte“, erklärt Helén Liebermann von der Freien Universität Berlin.

Durch Mimikry die eigene Beliebtheit steigern

Hingegen fanden sich kaum Hinweise dafür, dass Personen sich darin unterscheiden, generell Mimikry bei anderen auszulösen. Vielmehr zeigte die Studie, dass Mimikry vor allem von der einzigartigen Beziehung zwischen zwei Personen abhängt. Ist einem der erste Eindruck des Gegenübers sympathisch, so steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir diese spezifische Person nachahmen. Diese Nachahmung oder Mimikry gibt der imitierten Person das Gefühl, gemocht zu werden, und führt dazu, dass die nachahmende Person als sympathischer wahrgenommen wird. „Die Ergebnisse weisen demnach auf einen Bindungsmechanismus durch Mimikry hin. Durch Mimikry teilen wir unbewusst mit, dass wir jemanden mögen und können damit unsere eigene Beliebtheit steigern“, erklärt Salazar Kämpf. Sie beleuchtet nun in der Abteilung Klinische Psychologie der Universität Leipzig die Effekte von Mimikry auf die Wirksamkeit von Psychotherapien
Autoren und Quellen Aktualisiert: 17.11.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Universität Leipzig: Studie: Nachahmung des Gegenübers führt zu höherer Beliebtheit beim Kennenlernen
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