Post Stroke Depression: seelische Folgen nach Schlaganfall

Ein Schlaganfall kann viele körperliche Folgen nach sich ziehen. Doch worüber oft nicht gesprochen wird: Auch die Seele leidet.

Älterer Mann leidet an Depression nach einem Schlaganfall © iStock
(Gütersloh – 27.10.2017) 270.000 Menschen erleiden in Deutschland pro Jahr einen Schlaganfall. Über die körperlichen Folgen ist vieles bekannt. Selten jedoch wird über die seelischen Schäden gesprochen. Dabei wäre das so wichtig, denn häufig gefährden sie die Erfolge der Rehabilitation. Darauf weist die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe anlässlich des Welt-Schlaganfalltags am 29. Oktober hin.

Die Fachwelt bezeichnet sie als Post Stroke Depression (PSD) – die Depression nach einem Schlaganfall. Wissenschaftler gehen davon aus, dass sie mindestens ein Drittel aller Schlaganfallpatienten trifft. Studien belegen, dass Frauen anfälliger für eine PSD sind. Wer nicht gut in die Familie oder in ein soziales Netzwerk eingebettet ist, ist stärker gefährdet. Depressive Vorerkrankungen stellen ebenfalls ein größeres Risiko dar.

Die Depression raubt den Antrieb zur Therapie

Die neurologische Rehabilitation ist für viele, insbesondere schwerer betroffene Patienten harte Arbeit. Ein gelähmtes Bein zum Gehen oder eine spastische Hand zum Greifen zu bringen, erfordert sehr viel Training und Geduld. Die Depression aber raubt Betroffenen den Antrieb und führt dazu, dass sie Therapien nicht mehr wahrnehmen.

Die Beobachtungen vieler Ärzte und Therapeuten sind wissenschaftlich belegt. In der sogenannten FLAME-Studie wurde Schlaganfallpatienten in einem frühen Stadium ein Antidepressivum verabreicht. Im Vergleich zu anderen Patienten hatte diese Gruppe am Ende nicht nur seltener eine Depression, die Betroffenen hatten sich auch körperlich besser erholt und mehr motorische Fähigkeiten wiedererlangt.

Behandlungsmöglichkeiten sind heute gut

Häufig wird eine beginnende Depression bereits in der Rehabilitationsklinik erkannt – doch viele Patienten erhalten gar keine stationäre Reha. Und: „Auch nach der Entlassung aus der Rehabilitation kann sicher eine kritische Phase folgen“, sagt Dr. Hans-Peter Neunzig, Ärztlicher Direktor der Waldklinik Jesteburg bei Hamburg.

Der Experte empfiehlt allen Schlaganfallpatienten mit Symptomen einer Depression dringend, sich in neurologische Behandlung zu begeben. „Fehlt diese Einsicht oder der Antrieb, sollten Angehörige unbedingt darauf drängen“, so Neunzig. Die Behandlungsmöglichkeiten einer PSD sind heute gut. In den meisten Fällen kommt eine Kombination aus medikamentöser und neuropsychologischer Therapie beziehungsweise Psychotherapie zum Einsatz. „Doch ohne diese professionelle Hilfe wird es sicher nicht gehen“, sagt der Experte.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 27.10.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe: Welt-Schlaganfalltag am 29. Oktober
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