Schlaganfall: neue Tests für Feinmotorikstörungen

Forscher haben Tests entwickelt, die zeigen sollen, welche Faktoren für feinmotorische Störungen bei Schlaganfallpatienten verantwortlich sind.

Älterer Mann trinkt aus einer Tasse © iStock
(München – 15.09.2017) Nach einem Schlaganfall scheitern viele Menschen an täglichen Handgriffen im Haushalt. Der Grund dafür sind Lähmungserscheinungen, die von Schädigungen im Gehirn verursacht werden. Diese haben Auswirkungen auf die feinmotorischen Fähigkeiten. Ein Team der Technischen Universität München (TUM) zeigt einen Weg auf, der zu einer besseren Diagnose und gezielteren Therapie verhelfen kann.

Aktuelle Tests zeigen nicht, was genau zur Feinmotorikstörung führen

Dass Patienten nach einem Schlaganfall einfache Alltagsgegenstände und Werkzeuge nur eingeschränkt mit den Händen greifen oder halten können, belegen klassische Tests zur Überprüfung ihrer manuellen Geschicklichkeit in der Klinik. Sehr häufig wird der Jebsen Taylor-Handfunktionstest durchgeführt, bei dem der Patient zum Beispiel einen Satz auf ein Blatt Papier schreiben muss. „Der Jebsen-Test wie auch andere Tests zeigen allerdings nicht auf, welche einzelnen Faktoren dazu führen, dass sich Schlaganfallpatienten bei einfachen Handgriffen – etwa beim Greifen nach einem Blatt – so schwer tun“, sagt Prof. Joachim Hermsdörfer vom Lehrstuhl für Bewegungswissenschaft der Sport- und Gesundheitsfakultät an der TUM. „Darum haben wir Tests selbst entwickelt, um anhand der daraus identifizierten beeinflussenden Faktoren gezieltere therapeutische Ansätze abzuleiten.“

Welche Faktoren lösen die Feinmotorikstörung aus?

An der Studie nahm eine Gruppe von 22 Patienten im Alter von 32 bis 78 mit einer halbseitigen Lähmung – der so genannten Hemiparese – nach einem Schlaganfall teil. Ihnen stand eine gleich große Kontrollgruppe mit gesunden Probanden gegenüber. Die Wissenschaftler testeten zum Beispiel das Hochheben von Gegenständen verschiedener Gewichtsklassen und mit verschiedenen Oberflächen, die vorausschauende und reagierende Griffkontrolle, das visuell-motorische Vermögen und einige weitere Fertigkeiten der Studienteilnehmer.

Die Forscher konnten drei Faktoren identifizieren, die maßgeblich waren, um die Feinmotorikstörung zu klassifizieren: die Kontrolle der Griffkraft, die motorische Koordination und das Tempo der Bewegung. Mit statistischen Methoden konnte das Team anschließend belegen, dass diese drei Faktoren zu 69 Prozent die Alltagsdefizite des umfassenderen Jebsen-Tests voraussagen.

Gezieltere Therapie nach Schlaganfall möglich

„Dank unserer Ergebnisse können Patienten künftig nach einem Schlaganfall gezielter in den Bereichen therapiert werden, wo ihre Schwächen sind“, sagt Prof. Hermsdörfer. Für die Tests wurden selbstentwickelte Geräte genutzt – unter anderem die sogenannte Gripforce-Box, mit der die Forscher die Griffkraft der Hand überprüften. Sie könnte künftig für Therapeuten so weiterentwickelt werden, dass sich mit ihrer Hilfe der aktuelle Zustand von Patienten nach einem Schlaganfall diagnostizieren lässt. „Daran arbeiten wir derzeit noch“, so der Bewegungswissenschaftler. „Das Ziel ist, zusammen mit zwei kurzen klassischen Tests künftig mit der GF-Box eine präzise Aussage über die Hintergründe einer Feinmotorikstörung von Schlaganfallpatienten im Alltag zu machen.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 15.09.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Technischen Universität München: Nach Schlaganfall motorische Defizite exakter feststellen
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