Magnetisch gegen die Angst

Forscher konnten zeigen: Ängste lassen sich besser verlernen, wenn eine bestimmte Region im Gehirn zuvor magnetisch stimuliert wird.

Frau hat Angst © iStock
(Würzburg – 14.09.2017) Fast jeder siebte Deutsche leidet an einer Angststörung. Der eine bekommt Panik, wenn er in ein Flugzeug einsteigen soll, der andere schafft es nicht, einen Raum zu betreten, in dem eine Spinne an der Decke sitzt, und wieder ein anderer nimmt lieber die Treppe – auch in den zehnten Stock – weil er im Aufzug Herzrasen bekommt. Für die Betroffenen hat das oft ernste Konsequenzen. Bisweilen schränkt ihre Angst sie so sehr ein, dass ein normaler Alltag für sie nicht mehr möglich ist.  

Doch Ängste müssen kein dauerhaftes Schicksal sein. Sie lassen sich verlernen: „Eine sehr gute Therapiemöglichkeit stellt die kognitive Verhaltenstherapie dar“, sagt Prof. Martin J. Herrmann, Psychologe am Zentrum für Psychische Gesundheit des Universitätsklinikums Würzburg. In dieser Therapie setzen sich die betroffenen Angstpatienten den als bedrohlich empfundenen Situationen bewusst aus – unterstützt durch eine individuelle psychologische Anleitung durch Experten.

Größerer Erfolg durch Stimulation des Gehirns

Allerdings zeigen aktuelle Studien, dass nicht alle Personen gleich gut auf diese Therapieform ansprechen. Aus diesem Grund hat Herrmann mit einem Forscherteam des Lehrstuhls für klinische Psychologie der Universität Würzburg nach Wegen gesucht, den Erfolg der kognitiven Verhaltenstherapie zu verbessern – mithilfe der sogenannten transkraniellen Magnetstimulation.  

„Wir wussten aus vorhergehenden Studien, dass eine bestimmte Region im vorderen Stirnlappen des menschlichen Gehirns für das Verlernen von Angst wichtig ist“, erklärt Herrmann. Erste Studien hätten außerdem gezeigt, dass eine Stimulation dieser Region mit einem magnetischen Feld das Verlernen von Angstreaktionen im Labor verbessern kann. Ob dies auch bei der Therapie von Höhenangst funktioniert, hat das Team in seiner neuesten Studie untersucht.

Studie mit virtueller Realität

Für die Studie begaben sich 39 Teilnehmer mit ausgeprägter Höhenangst in zwei Sitzungen in schwindelerregende Höhen – jedoch nicht in echt, sondern dank Technik in virtueller Realität. Dass diese Umgebung nicht real ist, spielt keine Rolle: „Die Menschen erleben auch in einer virtuellen Realität ganz konkret Angst – obwohl ihnen klar ist, dass sie sich eigentlich nicht in einer gefährlichen Situation befinden“, so der Experte.

Bei einem Teil dieser Angstpatienten stimulierten die Wissenschaftler vor dem Schritt ins Virtuelle den vorderen Stirnlappen für etwa 20 Minuten mit einem Magnetfeld, die andere Gruppe erhielt nur eine Scheinstimulation. „Die Ergebnisse zeigen, dass alle Probanden sehr gut von der Therapie in virtueller Realität profitieren und die positiven Therapieeffekte auch nach drei Monaten noch deutlich zu sehen sind“, sagt Herrmann. Und: Durch die Stimulation des Stirnlappens wird der Therapieerfolg schneller erreicht. Ob sich dieser Erfolg auch bei anderen Angstformen zeigt, wollen die Forscher nun in einer weiteren Therapiestudie in virtueller Realität untersuchen – am Beispiel der Spinnenphobie.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 14.09.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg: Mit Magnetfeldern gegen die Angst
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