Soziale Angststörung

Manche Menschen haben Angst vor Situationen, in denen sie mit anderen in Kontakt sind. Sie befürchten, sich zu blamieren. Was dann am besten hilft.

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(Gießen – 05.07.2017) In Europa sind mehr als zehn Millionen Menschen von einer sozialen Angststörung betroffen. Es handelt sich somit um eine der häufigsten Angststörungen. Häufig werden Betroffene mit Psychopharmaka behandelt. Doch was hilft den verunsicherten Patienten am besten? Prof. Dr. Falk Leichsenring und Prof. Dr. Frank Leweke – beide von der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Justus-Liebig Universität Gießen (JLU) – haben in der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine den aktuellen Forschungsstand dargestellt.

Betroffene befürchten negative Bewertungen von anderen

Menschen mit sozialer Angststörung befürchten, in Situationen, in denen sie mit anderen Menschen in Kontakt sind, von diesen negativ bewertet zu werden. Dies betrifft Leistungssituationen – etwa bei einer Prüfung oder einem Vortrag –, aber auch andere Situationen. So kann beispielsweise das Essen in der Mensa oder im Restaurant zu einer großen Herausforderung für die Betroffenen werden. Sie haben Angst, angeschaut und möglicherweise negativ beurteilt zu werden. Und sie fürchten negative Bewertungen ihrer Mitmenschen. Diese Angst führt dazu, dass die Angstpatienten sich zunehmend isolieren, indem sie versuchen, solche Situationen komplett zu vermeiden.

„Die soziale Angststörung geht daher mit erheblichen psychosozialen Einschränkungen einher, die oftmals schwerwiegender sind als diejenigen bei einer Depression“, erklärt Prof. Leichsenring. Die Ursachen sind vielfältig. Derzeit wird ein Wechselspiel zwischen Umweltfaktoren (etwa erlebte Beschämung) und neurobiologischen Faktoren für am wahrscheinlichsten gehalten. Das Fazit des jetzt im New England Journal of Medicine erschienenen Artikels lautet daher: „Nach den geltenden Leitlinien ist Psychotherapie das Mittel der Wahl, was die Behandlung angeht.“ Zwar hätten sich auch Psychopharmaka – insbesondere Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) – als wirksam erwiesen, doch seien die Ergebnisse der Psychotherapie dauerhafter.

Kognitive Verhaltenstherapie und psychodynamische Therapie

Für die psychotherapeutische Behandlung haben sich vor allem die kognitive Verhaltenstherapie und die psychodynamische Therapie als wirksam erwiesen: In der kognitiven Verhaltenstherapie lernen Betroffene unter anderem, die Aufmerksamkeit – beispielsweise während eines Vortrags – nicht auf sich selbst zu richten, sondern auf die Zuhörer. Ein Videofeedback soll dazu dienen, dass die Betroffenen die verzerrten Vorstellungen, die sie von sich selbst haben, korrigieren können.

In der psychodynamischen Therapie wird der Hintergrund der Symptomatik herausgearbeitet, der den Patienten zum Teil nicht bewusst ist. Dabei werden verschiedenen Situationen beleuchtet, in denen die Symptome aufgetreten sind. Eine wichtige Rolle spielen in diesem Zusammenhang verschiedene Personen aus der Gegenwart und der Vergangenheit. Es geht darum, den Betroffenen neue Blickwinkel zu eröffnen und den Kontext zu verdeutlichen, damit sie ihr eigenes Verhalten besser verstehen lernen. So haben viele Patienten nicht nur Angst, sich zu zeigen, sondern unbewusst auch den starken Wunsch, sich zu präsentieren und bewundert zu werden. Gleichzeitig befürchten sie aber, von anderen dafür „niedergemacht“ zu werden.

Welche der beiden Therapieformen für welchen Patienten am besten geeignet ist, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt, so die Experten: „Es kommt sehr stark auf den Einzelnen an: Dem einen kommt der Zugang der kognitiven Verhaltenstherapie mehr entgegen, dem anderen liegt die psychodynamische Therapie eher.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 05.07.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Justus-Liebig-Universität Gießen: Angst, sich zu blamieren – Was hilft am besten?
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