Entscheidung durch Essen

Forscher haben herausgefunden: Unsere täglichen Mahlzeiten haben Einfluss darauf haben, wie wir uns in sozialen Situationen entscheiden.

Frühstück © iStock
(Lübeck – 28.06.2017) Unser Verhalten ist messbar davon abhängig, was wir zu uns genommen haben – das zeigt eine aktuelle Studie. „Tier- und Humanstudien haben schon vor vielen Jahren gezeigt, dass die Zusammensetzung unserer Nahrung Einfluss auf die im Gehirn zur Verfügung stehenden Neurotransmitter hat. Bisher war jedoch nicht klar, ob dies in einem Maß geschieht, das tatsächlich unser Verhalten messbar verändert“, sagt Prof. Dr. Soyoung Park, Professorin für Sozialpsychologie und Neurowissenschaft der Entscheidung an der Universität zu Lübeck und Leiterin der Studie.

Dass wir das Essen zum Überleben brauchen, ist uns allen bewusst. Vielen ist aber nicht klar, dass das Essen neben unserem Energiehaushalt auch viele weitere biochemische Abläufe beeinflusst. Jede Mahlzeit besteht aus verschiedenen Makronährstoffen – nämlich Kohlenhydraten, Fett und Protein. Das Verhältnis dieser Makronährstoffe zueinander steuert unseren Aminosäurehaushalt, der wiederum maßgeblich mitbestimmt, welche Neurotransmitter in unserem Gehirn zur Verfügung stehen.

Unfaire Angebote je nach Frühstück unterschiedlich bewertet

„Um zu erforschen, inwieweit unser tägliches Essen unser Verhalten bestimmt, haben wir zwei separate Studien durchgeführt. In beiden haben wir uns auf das Frühstück konzentriert, da es – im Vergleich zu anderen Mahlzeiten – auf nüchternen Magen eingenommen wird und somit mögliche Ergebnisse nicht durch vorherige Mahlzeiten verfälscht werden", erklärt Dr. Sabrina Strang, Erstautorin der Studie.

In der ersten Studie sollten 87 Probanden im Detail angeben, was sie zum Frühstück gegessen haben. Weiterhin wurden sie mit einem unfairen Angebot eines anderen Probanden konfrontiert, worauf sie reagieren konnten. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen der Makronährstoffkomposition des Frühstücks und der Reaktion der Probanden auf unfaire Angebote gibt. Je höher der berichtete Anteil an Kohlehydraten im Frühstück war, desto sensibler reagierten die Probanden auf unfaire Angebote.

Frühstück beeinflusst metabolische Werte

„Diese Ergebnisse haben uns dazu motiviert, eine weitere gut kontrollierte Studie unter Laborbedingungen durchzuführen, in der wir einen kausalen Zusammenhang zwischen Makronährstoffkomposition beim Frühstück, biochemischen Abläufen und Verhalten herstellen wollten. Hierzu haben wir den Probanden an zwei verschiedenen Tagen Frühstück mit unterschiedlicher Makronährstoffkomposition serviert und anschließend ihre biochemische Reaktion mithilfe von regelmäßigen Blutabnahmen erfasst. In beiden Versuchsbedingungen sollten sie am späten Vormittag, wie in der ersten Studie auch, auf unfaire Angebote reagieren“, so der ärztliche Studienleiter Prof. Dr. Sebastian Schmid.

Das Forscherteam konnte die Ergebnisse der ersten Studie bestätigen – abhängig vom Kohlehydratanteil im Frühstück reagierten Probanden unterschiedlich auf unfaire Angebote. Zudem konnten die Forscher zeigen, dass der Tyrosinspiegel der Probanden durch die Makronährstoffkomposition deutlich beeinflusst wurde. Je höher der Kohlehydratanteil und je niedriger entsprechend der Proteinanteil war, umso niedriger waren die Tyrosinspiegel am nachfolgenden Vormittag.

„Diese Ergebnisse sind an sich schon sehr interessant. Wir konnten darüber hinaus aber auch noch zeigen, dass die Veränderung des Tyrosinspiegels in einem direkten Zusammenhang mit den Reaktionen auf unfaire Angebote steht. Dieses Ergebnis macht deutlich, dass unsere Ernährung großen Einfluss auf unseren Neurotransmitterhaushalt hat und dieser wiederum unser Verhalten bestimmt“, erklärt Prof. Dr. Hendrik Lehnert, Mitautor der Studie.

Ausgewogene Ernährung für Körper und Psyche wichtig

Die Studie zeigt, dass unsere Ernährung einen stärkeren Einfluss auf unser Leben hat als bisher vermutet. „Diäten wie die derzeit beliebte Low-Carb-Diät sollten vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse kritisch betrachtet werden. Sie führen zwar eventuell zu dem gewünschten Gewichtsverlust, beinhalten aber ein extrem unausgewogenes Verhältnis von Kohlehydraten und Proteinen und können dadurch einen direkten Einfluss auf unser alltägliches Verhalten haben“, so Dr. Strang. „Auch das Essen in Großkantinen – zum Beispiel in Schulen, Kindergärten, großen Betrieben oder bei der Bundeswehr – sollte in Bezug auf die Zusammensetzung der Makronährstoff überdacht werden“, ergänzt Prof. Dr. Park.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 28.06.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Universität zu Lübeck: Unsere Ernährung beeinflusst soziales Entscheidungsverhalten
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