Gene stören Schlaf

Viele leiden unter Ein- und Durchschlafstörungen. Häufig wird Stress als Ursache vermutet. Doch es können auch die Gene dafür verantwortlich sein.

Frau liegt wegen Schlafstörungen wach im Bett © iStock
(München – 27.06.2017) Schlaflosigkeit – medizinisch Insomnie – ist weitverbreitet: Schätzungen zufolge sind in der EU rund sieben Prozent der Bevölkerung betroffen. „Das ist vor allem mit Blick auf mögliche Folgeerkrankungen beunruhigend“, erklärt Prof. Dr. Konrad Oexle, Wissenschaftler am Institut für Neurogenomik des Helmholtz Zentrums München. „Insomnie führt nicht nur unmittelbar zu einem Leistungsabfall, sondern ist langfristig auch ein Risikofaktor für Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus und Fettleibigkeit.“

Oft sind die Gene für Schlaflosigkeit verantwortlich

Dabei zeigte sich in der Vergangenheit, dass nicht nur der Stress des Tages dafür verantwortlich ist, dass man nachts kein Auge zu bekommt: Bei Frauen scheint das Problem in rund 60 Prozent der Fälle vererbbar zu sein, bei Männern sind es rund 40 Prozent. Um herauszufinden, welche Gene konkret für Insomnie verantwortlich sind, haben Wissenschaftler um Oexle gemeinsam mit Kollegen aus den Niederlanden und Island eine groß angelegte Studie durchgeführt. Dabei analysierten sie das Erbgut von rund 113.000 Probanden der UK Biobank und suchten nach Besonderheiten bei jenen, die unter Schlafstörungen litten. Dabei fielen den Autoren sieben Gene und drei weitere Stellen im Erbgut auf. Diese „Verdächtigen“ testeten sie dann statistisch an Daten von weiteren 7.565 Probanden und konnten so insgesamt sechs Bereiche im Genom als relevant bestätigen.

Gibt es einen Zusammenhang mit dem Restless-Legs-Syndrom?

Ein Gen stelle sich bei der Untersuchung als besonders interessant heraus: „Unser Top-Kandidat MEIS1 spielt mit größter Wahrscheinlichkeit eine tragende Rolle bei Schlaflosigkeit“, erklärt Prof. Dr. Juliane Winkelmann, Direktorin des Instituts für Neurogenomik und Mitautorin der Studie. „Das ist auch deshalb interessant, weil das Gen MEIS1 auch mit dem Restless-Legs-Syndrom in Verbindung steht, mit dem wir uns seit Jahren befassen.“  

„Unsere Studie kann als konkreter Ausgangspunkt für neue molekularbiologische Untersuchungen zur Entstehung und Behandlung der Insomnie dienen“, sagt die Expertin. Langfristiges Ziel der Wissenschaftler ist es, dem immer größer werdenden Anteil der Bevölkerung, der unter Schlafstörung leidet, neue Therapiemöglichkeiten zu eröffnen. „Das Problem wird zu oft nur in der Psyche der Betroffenen gesucht. Unsere Studie zeigt aber: Es liegt auch in den Genen“, so Oexle.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 27.06.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Helmholtz Zentrums München: Ein- und Durchschlafstörungen: Einblick in die Genetik der Insomnie
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