Essen und Wohlbefinden

Wie beeinflusst das, was wir täglich essen und trinken, unser Wohlbefinden? Dieser Frage sind Forscher in einer aktuellen Studie nachgegangen.

Junge Frauen essen Donuts © iStock
(Gießen – 13.04.2017) Essen macht glücklich und hilft, Stress abzubauen. Diese Annahme ist weitverbreitet. Tatsächlich konnte in einigen Studien gezeigt werden, dass Menschen gerade in Stresssituationen oder in negativer Stimmung zu – meist ungesunden – Snacks greifen, vermutlich in der Hoffnung, die momentane Stimmung zu verbessern. Ob unser Essen und Trinken das Wohlbefinden wirklich beeinflussen, haben jetzt Psychologen der Universitäten Gießen und Marburg untersucht. „Die Vermutung, dass Essen generell das Wohlbefinden verbessert, lässt sich anhand unserer Daten allerdings so nicht bestätigen“ sagt Jana Strahler, Klinische Psychologin an der Justus-Liebig-Universität Gießen. „Vielmehr führten Getränke wie Saft, Kaffee und Alkohol zu einer kurzfristig besseren Stimmung. Der Zusammenhang zwischen Essen und Wohlbefinden war hingegen davon abhängig, ob jemand unter Stress zu verstärktem Essen neigt oder eher ein gezügelter Esser ist.“

Untersuchung unter Alltagsbedingungen

Gemeinsam mit Urs Nater von der Philipps-Universität Marburg untersuchte Strahler den Zusammenhang zwischen Ernährungsverhalten, Wohlbefinden und Stress erstmals unter Alltagsbedingungen. Mithilfe elektronischer Tagebücher befragten sie 77 Erwachsene über vier Wochentage hinweg zu ihrem Ess- und Trinkverhalten sowie zu ihrem Wohlbefinden. Die Teilnehmer gaben fünfmal pro Tag an, was sie seit dem letzten Zeitpunkt gegessen und getrunken haben, und ob sie noch hungrig sind. Dabei wurde zwischen der Art der Mahlzeit (Hauptgericht, Snack, Süßigkeit, etc.) und dem Hauptbestandteil der Mahlzeit (Proteine, Kohlehydrate, Fett, gemischt) unterschieden. Zu jedem Messzeitpunkt machten sie außerdem Angaben dazu, wie gut ihre Stimmung gerade ist, wie viel Energie sie haben und wie gestresst sie sich fühlen. Sie gaben außerdem zu jedem Messzeitpunkt eine Speichelprobe ab, die auf das Stresshormon Cortisol und das Enzym Alpha-Amylase hin untersucht wurde. Zu Beginn der Studie wurde zudem für jede Person ermittelt, ob man deren Essverhalten eher als „emotional“ oder eher als „gezügelt“ bezeichnen konnte.

Unterschiede zwischen gezügelten und emotionalen Essern

Das Forscherteam analysierte den Zusammenhang zwischen der Nahrungsaufnahme und dem Wohlbefinden am jeweils darauffolgenden Messzeitpunkt. „Einen allgemein stressreduzierenden Effekt von süßen und hochkalorischen Speisen haben wir nicht gefunden“, sagt Strahler. Allerdings zeigte sich ein Unterschied zwischen emotionalen und gezügelten Esser-Typen: Gezügelte Esser empfanden nach dem Konsum von Süßigkeiten ein höheres Stresserleben, während bei emotionalen Essern das Stressgefühl sank. „Dies deckt sich mit Befunden aus der Essstörungsforschung, die zeigen, dass Frauen mit Magersucht (Anorexie) oder Bulimie nach dem Erleben einer Essattacke vermehrt negative Stimmung berichten. Gezügelte Esser erleben den Verzehr hochkalorischer Speisen möglicherweise als Misserfolg. Bei emotionalen Essern scheint der gewünschte hedonische – also belohnende – Effekt der Nahrung jedoch aufzutreten“, so die Wissenschaftlerin.

Verzehr von Getränke verbessert die Stimmung

Getränke wie Wasser, Saft, Kaffee und Alkohol führte eher zu einer Stimmungsverbesserung. Koffeinhaltige Getränke führten außerdem zu einem Gefühl von mehr Energie. Alkoholische Getränke verbesserten alle gemessenen Aspekte des subjektiven Wohlbefindens. „Hierbei ist allerdings zu bedenken, dass Alkohol oft in sozialen Situationen getrunken wird, die auch dazu beitragen können, dass man sich besser fühlt“, erklärt Strahler.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 13.04.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Psychologie: Aktuelle Studie zum Zusammenhang zwischen Wohlbefinden und Ernährung
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