Depression geht aufs Herz

Depressionen erhöhen bei Männern das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen genauso stark wie hohe Cholesterinwerte und starkes Übergewicht.

Älterer Mann schaut traurig © iStock
(München – 18.01.2017) Depressionen bergen für Männer ein ähnlich großes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das fanden Forscher des Helmholtz Zentrums München gemeinsam mit Kollegen der Technischen Universität München (TUM) und des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) heraus.

Depressionen können sich auf den Körper auswirken

Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden weltweit 350 Millionen Menschen an Depressionen. Die Krankheit beeinträchtigt nicht nur in erheblichem Maße den seelischen Zustand, sondern kann sich auch auf körperliche Prozesse auswirken. „Mittlerweile gibt es kaum einen Zweifel daran, dass Depressionen ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind“, erklärt Karl-Heinz Ladwig, Gruppenleiter am Institut für Epidemiologie II des Helmholtz Zentrums München und Professor für psychosomatische Medizin am Klinikum rechts der Isar der TU München sowie Wissenschaftler am DZHK. „Die Frage ist eher: In welchem Verhältnis steht die Depression zu anderen Risikofaktoren wie Rauchen, hohen Cholesterinwerten, Fettleibigkeit und Bluthochdruck – was wiegt wie schwer.“

Um dieser Frage nachzugehen, untersuchten Ladwig und sein Team die Daten von 3.428 männlichen Patienten im Alter zwischen 45 und 74 Jahren und beobachteten deren Verlauf über einen Zeitraum von zehn Jahren. „Die Arbeit basiert auf einem prospektiven bevölkerungsbezogenen Datensatz der MONICA/KORA-Studie, die mit einer Gesamtlaufzeit von bis zu 25 Jahren zu den wenigen Großstudien in Europa zählt, die solche Analysen ermöglichen“, so der Statistiker Dr. Jens Baumert vom Helmholtz Zentrum München, der ebenfalls an der Studie beteiligt ist.

Risiko vergleichbar mit hohen Cholesterinwerten und starkem Übergewicht

In ihren Untersuchungen verglichen die Wissenschaftler nun die Depression mit den großen vier Risikofaktoren. „Unsere Untersuchung zeigt, dass das Risiko für eine tödliche Herz-Kreislauf-Erkrankung infolge einer Depression fast ebenso hoch ist, wie bei zu hohen Cholesterinwerten oder Fettleibigkeit“, sagt Ladwig. Mit einem höheren Risiko sind den Ergebnissen zufolge nur noch Bluthochdruck und das Rauchen verbunden. Über die Bevölkerung betrachtet nimmt der Anteil an durch Depression verursachten Herz-Kreislauf-Todesfällen etwa 15 Prozent ein. „Das ist vergleichbar mit den anderen Risikofaktoren wie Hypercholesterinämie, Fettleibigkeit und Rauchen“, so Ladwig. Hier reiche der Anteil von 8,4 bis 21,4 Prozent.

„Unsere Daten zeigen, dass Depressionen eine mittlere Effektstärke innerhalb der großen nicht angeborenen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erreichen“, sagt der Studienleiter. Entsprechend schlägt er hier Konsequenzen vor: „Bei Hochrisikopatienten sollte die diagnostische Abklärung einer Depression als Begleiterkrankung Standard werden. Das könnte man mit einfachen Mitteln erfassen.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 18.01.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Helmholtz Zentrums München: Depressionen schlagen auf das Herz wie Übergewicht und Cholesterin
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