Entspannung gegen Migräne

Nicht nur Medikamente können Migränebeschwerden lindern. Eine neue Leitlinie zeigt, welchen Nutzen etwa Entspannung oder Sport haben.

Frau leidet an Kopfschmerzen/Migräne © iStock
(Mannheim – 16.11.2016) Etwa acht Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Migräne. Bei mehr als einem Drittel von ihnen können neben Medikamenten auch nicht-medikamentöse Therapien lindernd wirken. Vor allem progressive Muskelentspannung (PMR), kognitive Verhaltenstherapie, Ausdauersport und Biofeedback-Verfahren helfen den Patienten.

Entspannungstechniken wirken besonders gut

Heftige pulsierende Kopfschmerzen sind nur ein Symptom von Migräne. Hinzu kommen oft Übelkeit, Erbrechen, Lärm- oder Lichtüberempfindlichkeit. „Wir wissen, dass viele unserer Patienten nicht nur auf Medikamente zurückgreifen möchten“, sagt Privatdozentin Dr. Stefanie Förderreuther, Präsidentin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). „Mit der aktuellen Leitlinie unserer Fachgesellschaft können wir nun ganz konkret sagen, welche Entspannungsverfahren und verhaltenstherapeutischen Interventionen Gutes bewirken.“  

Entspannungsverfahren wie die Progressive Muskelrelaxation (PMR) wirken besonders gut. „Die PMR ist zudem gut zu erlernen und kann ohne Aufwand angewandt werden“, sagt Privatdozent Dr. Charly Gaul, Chefarzt der Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein. Bei der PMR wird der Patient selbst aktiv, indem er Muskelgruppen gezielt an- und wieder entspannt. „Diese Technik lässt sich gut in den Alltag integrieren. Wer sie regelmäßig anwendet, beeinflusst die zentrale Schmerzverarbeitung und aktiviert schmerzhemmende Strukturen im Gehirn“, erklärt Dr. Förderreuther. Die Zahl der Migräneattacken könne so um 35 bis 45 Prozent reduziert werden, so die Expertin.

Ausdauersport als begleitende Therapie

Beim Thema Sport ist die Studienlage nicht ganz eindeutig. Dennoch gibt die Leitlinie grünes Licht für Ausdauersport als begleitende Therapie. Sport und Bewegung haben offenbar einen Effekt auf die Schmerzintensität und – das legen neuere Studien nahe – auch auf die Anzahl und die Dauer der Anfälle.

Positive Effekte der kognitiven Verhaltenstherapie

Gut belegt ist auch, dass Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) wirkt. Diese geht davon aus, dass jeder Mensch über seine Gedanken sein Erleben und Verhalten beeinflussen kann. Dazu gehört auch, eine reale Belastung, die als Stress wahrgenommen wird, positiv umzudeuten. Dafür hinterfragt der Betroffene beispielsweise überzogene Ansprüche an die eigene Leistung und lernt, Signale des Körpers zu erkennen, die eine Belastungssituation ankündigen.

Migräne sollte ärztliche behandelt werden

Trotz dieser wichtigen Erkenntnisse zu den ergänzenden Verfahren sollte eine Migräne ärztlich behandelt werden, betonen die Experten. Gemeinsam mit einem Kopfschmerzexperten sollte der Patient die für ihn individuell passende Kombination aus vorbeugenden Medikamenten und der geeigneten Entspannungstechnik oder einem verhaltenstherapeutischen Verfahren aussuchen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.11.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Schmerzgesellschaft: Entspannung und Sport wirksam gegen Migräne
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